Meinungsäußerungen, denen man nicht zustimmt, als "Unsinn" zu bezeichnen, ist keine sachliche Auseinandersetzung, sondern eine Herabsetzung. Das ist nicht die Diskussionskultur, die wir hier haben wollen.
Ärzt:innen sind keine gefühllosen Automaten. Selbstverständlich gibt es Situationen, in denen sie Ekel empfinden. Die Professionalität besteht dann darin, mit der Situation sachlich umzugehen und sich nicht von den Gefühlen leiten zu lassen - nicht, die Gefühle abzuschalten oder gar nicht zu haben.
@sistermaria schreibt: "Eine reine rektale Untersuchung ist nicht Aufgabe des Frauenarztes, sondern Proktologen." Damit ist offenbar die rektale Untersuchung alleine gemeint, und diese fällt eindeutig in den Bereich der Proktologie. Mit keinem Wort steht in dem Beitrag, Gynäkolog:innen seien nicht für rektale Untersuchungen ausgebildet. Das ist eine Unterstellung.
Weiterhin schreibt sie: "Proktologen sind in der Regel keine Einzelfachärzte, sondern in der Chirurgie tätig." Auch das ist meines Wissens völlig korrekt, weil Proktologie ein Zusatzdiplom ist, kein eigenständiger Facharzt. D.h. Proktolog:innen satteln das auf einen bereits bestehenden einschlägigen Facharzt drauf, eben Chirurgie, Innere/Gastro-Enterologie usw. Ich finde es daher unnötig aggressiv, die Aussage als "völlig aus der Luft gegriffen" zu bezeichnen.
Die Heftigkeit der beiden männlichen Kommentare auf die Meinungsäußerung einer Frau verwundert mich. Davon abgesehen bewegen wir uns damit auch vom Thema des Threads weg. Die eröffnende Frage ist eindeutig und an Frauen gerichtet. Also bitte wieder zurück auf die Spur.
Danke an Dr. House für diese tolle Erläuterung.
Ich möchte dazu noch etwas hinzufügen, da mich einige hier wohl missverstanden haben und das zu sehr aus reiner Patientensicht sehen.
1. Natürlich rede ich nicht davon, dass ein Gynäkologe das nicht kann. Jeder der ein Pflegepraktikum mal gemacht hat, kann auch jemanden den Hintern säubern. Das heißt aber noch lange nicht, dass man sich mit Freude darauf stürzt. Es gibt erfahrene Krankenschwestern, die kein Erbrochenes entsorgen können. Man meidet diese Momente dann, wenn es nicht wirklich sein muss. Es nützt niemanden etwas, wenn die Pflegekraft am Ende selbst kotzt auf gut deutsch (Ich spreche hier nur aus meinen Erfahrungen aus meiner damaligen Ausbildung. Damals durfte ich deshalb gewisse Ausscheidungen entsorgen. Und ich bin eben kein Mensch, der andere in seinem Unrat sitzen lässt. Macht man nicht.). Klar, ein Gynäkologe muss diese Untersuchungen durchführen können, er muss sie aber nicht standardmäßig bei jeder Patientin durchführen. Das ist der feine Unterschied, den ich wohl gut betont habe.
Gynäkologen sind zwar für eine rektale Untersuchung ausgebildet, nicht aber für eine komplette Untersuchung tieferer Enddarmbereiche oder Krankheitsbilder. Sie überweisen daher.
Wenn ich es so sagen darf, man darf nicht Realität und Spiel miteinander vermischen. Wenn ich in einem Gynspiel bin, dann lasse ich mich gerne anal untersuchen, soweit es die Grenzen zulassen. Wenn ich aber bei einem Arzt XY bin, dann ist der erstmal für mich fremd. Das wäre so, wie wenn ihr an der Bushaltestelle euren Nächsten einfach küsst. Das macht keinem Spaß.
2. Beim Proktologen spreche ich aus eigener Erfahrung. Ich hatte vor zwei Jahren angeblich eine Analvenenthrombose, aber ohne Schmerzen. Keiner wusste so richtig was es war und glaubt mir, das war absolut kein Spaß, weil ich kaum laufen, sitzen konnte, da Entzündungsgefahr. Daher habe ich mich durchgegoogelt und stieß fast immer auf Chirurgen, weil solche Probleme eben oft operiert werden. Dafür gibt es keine Pille auf Rezept. Das ist der Knackpunkt. Und eine reine Vorsorge für den Anus bezahlt keine Kasse, weshalb sich das Praxismodell alleine nicht halten kann.
Und nein, ich war damit beim Frauenarzt und der hat diesbezüglich nichts gemacht, weil es eben nicht sein Fachgebiet ist und bei beiden Geschlechtern auftreten kann. Ein reines Frauenproblem würde ein Proktologe kaum behandeln.
Auch hier wieder niemals Realität und Spiel vermischen. Denkt immer daran, der Arzt hat auch ein Verdienstinteresse. Er bietet an, was die Kasse bezahlt.
3. Ich bin völlig konform damit, wenn man anderer Meinung ist. Muss aber nicht gleich sagen, dass ich nichts in der Birne hätte, weil ich nicht eure Meinung vertrete. Das macht auch eine schlechte Werbung für zukünftige Patientinnen und sollte man sich verkneifen. Nur mal so als Tipp von jemanden, der ja so hohl wäre.
Sorry Dr. House, wenn das jetzt wieder etwas aus dem Rahmen fällt. Ich wollte damit eigentlich nur deine Ausführung unterstreichen.
Wer vernünftig spielen will, muss Realität und Spiel trennen können.
Auch der Urologe untersucht rektal, ohne sich für den Enddarm und den After zu interessieren. Es ist nur eine Art des Zugangs.
Alles dieses läuft unter dem Fachbegriff "rektale Untersuchung". Also bitte mal alles halblang lassen.
Der Urologe untersucht den Mann rektal, weil er die Prostata schlecht durch die Harnröhre erreichen kann. Aber manch einer steht ja auf sowas...
Kleiner Scherz.
Bei Frauen ist der Uterus nunmal rektal tastbar. Bei Ihnen ist es ein Zusatz. Da Männer keine Vagina haben, ist es bei Ihnen der einzige unblutige Zugang, wenn man kein Ultraschallgerät etc. parat hat.
Da ein Ultraschallgerät auch nur Schatten zeigt, ist ohne Austastung bei beiden auch nicht zu sagen, wie die Beschaffenheit des Befundes ist. Artefakte sind böse Feinde in der Diagnostik.
In der Regel wird aber der Enddarm bei der normalen Routine beim Gyn nicht benutzt, wenn es keine Befunde gibt und die Gebärmutter normal liegt. Und da wären wir wieder beim Thema. Man muss nicht zwingend etwas machen, was unnötig ist und bei Fremden unangenehm ist.
Ich würde auch niemanden auf der Straße in der Nase bohren.