Als Kind bekam ich Zäpfchen meist ohne große Ankündigung. Das Wort „Zäpfchen“ wurde gemieden. Meine Mutter bereitete alles unauffällig vor und dann passierte es meistens im Rahmen irgendeiner völlig harmlosen Routine: Wickeln, Waschen, Baden, Fiebermessen, Windel checken, Po eincremen oder einfach nur Spielen usw.
Und plötzlich – flutsch – war es passiert. Ein kurzer Moment, in dem der Po die Kontrolle verlor, ein kurzes „reinflutschen“, und schon war das Zäpfchen drin, bevor man überhaupt reagieren konnte. Wenn man bei den Geschwistern zusah, wirkte es oft so, als hätten sie es gar nicht richtig bemerkt. So wuchs man auf mit der Selbstverständlichkeit, dass der Po eben ab und zu etwas „bekommt“.
Meine Mutter hatte dafür eine glasklare Philosophie: „Entspannt bleiben, nicht ankündigen – dann tut’s nicht weh und ist sofort vorbei.“
Ihr Motto war eindeutig: kurz und schmerzlos.
Und ehrlich gesagt: Sie hatte ein System. Mit Ankündigung wäre das Drama groß gewesen – „Nee, ich will nicht!“, Verkrampfen, Diskussionen, Tränen, Fluchtversuche, philosophische Grundsatzdebatten über Körpergrenzen. Die meisten Kinder hassen Zäpfchen. Saft, Tropfen oder Tabletten waren auch keine Alternative: Wenn Kinder nicht schlucken wollen, nicht können oder sich dabei anstellen wie Oscar‑reife Schauspieler, wird jede Medikamentengabe zur Oper in drei Akten. Für meine Mutter waren Zäpfchen daher die Lieblingsmethode: zuverlässig, schnell, und absolut narrensicher. Egal ob man als Kind wollte oder nicht – die Sache war in Sekunden erledigt.
Unter Erwachsenen war das Thema völlig normal. Sätze wie „Ich hab Karl sicherheitshalber noch ein Zäpfchen gegeben“ oder „Unser Kinderarzt schreibt eh immer Arschraketen auf“ waren Alltag. Niemand hat sich etwas dabei gedacht.
Andere Eltern hatten andere Ansätze entwickelt, um das Ganze kindgerecht zu verpacken. Da bekam der Po ein „Bonbon“, ein „Drops“, oder man sollte ganz leise sein, um das „Schmatzen“ zu hören. Manche machten daraus sogar ein Spiel: Ein U‑Boot schießt einen Torpedo ab – und der landet zufällig im Hintern.