Man hat sich entwickelt, weil die Medizin heute viel mehr erfassen kann, als es früher der Fall war. In einigen Fällen ist das aber nicht unbedingt so, und zwar bei den physikalischen Verfahren und dort, wo Medikamente auf Dauer mehr Probleme anrichten als dass sie nutzen. In diesen Verfahren ist das der Einläufe und Darmspülungen angesiedelt. Man hatte vor vielen Tausend Jahren erkannt, dass Eingießungen in den After für nicht wenige Krankheiten Linderung bedeuteten. Ob es damals bereits eine Vorliebe für diese Methoden gab, ist eher fraglich. Man hatte nur festgestellt, dass sich dadurch manche Beschwerden besserten. Anfangs wurden u.a. trichterförmige Instrumente eingesetzt, um das Wasser in den Dickdarm einzubringen, später entstand die Klistierspritze und der Irrigator als Hauptinstrumente. Interessanterweise hielt sich diese Behandlungsform über viele Jahrhunderte nahezu unverändert. Im Mittelalter kam eine regelrechte Klistieromanie auf, weil man glaubte, alle Krankheiten damit behandeln zu können. Damen in guten Familien hatten eigene Klistierschwestern, die ihnen entsprechende Dienste zuteil werden ließen. Später trat man eher gemäßigter auf. Der Einlauf fand Anwendung in der Medizin bei Befindlichkeitsstörungen, Darmbeschwerden, Verstopfungen, später zur schonenden Entleerung vor Operationen. In der Geburtsmedizin machte jede Hebamme mit dem Irrigator Bekanntschaft und es wurde ein oft genutztes Utensil in der Geburtshilfe. Man hatte erkannt, dass Organe wie die Gebärmutter im Bauchraum durch den Einlauf angeregt wurden und die Geburt viel besser vonstatten ging, wenn die jungen Mütter vor der Geburt einen größeren Einlauf bekommen hatten. Diese Methode fand bis in die 80er Jahre des letzten Jahrhunderts Anwendung. Vereinzelt kommt man heute auf diese Praktik zurück.
In der Sexualität ist die Methode seit vielen Jahrzehnten bekannt. Aus alten Fotos aus dem Bereich weiß man, dass es bereits in den 20er Jahren des letzten Jahrhunderts bei bestimmten Personen üblich war, Einlaufpraktiken zur sexuellen Stimulation einzusetzen. Dies reichte vom Reiz an dem Verabreichen über das Erhalten von Einläufen bis zur Liebhaberei an Bildern und Filmen, Geräten oder Geschichten zu diesem Thema. Der Bereich ist wenig bis gar nicht erforscht, ebenso ist nicht bekannt, wie dieser Fetisch genau entsteht.
Als Weiterentwicklung des Einlaufes entstanden vor 80 Jahren die Sudabäder, bei denen Spülungen des Darmes bei Vollbädern vorgenommen wurden. Man hatte erkannt, dass Patienten diese Spülungen bei Bädern gut tun und den Darm anregen. Später entwickelte die NASA in den USA Geräte, die zur hygienischen Darmentleerung dienen sollten. Diese Geräte wurden von findigen Bastlern nachgebaut und später in der Naturmedizin eingesetzt. Bei Heilpraktikern findet man diese teuren Gerätschaften zuhauf, die Behandlungen werden vor allem von gesundheitsbewussten Menschen - oft sind es Frauen - in Anspruch genommen. Man kann hier jedoch nicht mehr von einer großen Gruppe von Leuten sprechen.
Es bleibt offen, in welche Richtung sich die Behandlungsform noch entwickeln kann.