@hildegard
Ja, wenn man krank war bekam man abends zum Bett gehen meistens noch ein kombiniertes Zäpfchen. Oft als "Zäpfchen zur Nacht" bezeichnet. Daran kann ich mich noch gut erinnern. In diesen Zäpfchen wurden mehrere Wirkstoffe kombiniert. Fiebersenker, Schmerzmittel, ... und eben auch ein starkes Schlafmittel (je Sorte ein Barbiturat oder Chloralhydrat). Wirkt schlafeinleitend und sorgte dafür, dass man rasch eingeschlafen ist. Damals waren die modern und von Ärzten häufig verschrieben und bei Eltern beliebt. Gerade in Großfamilien damals, ein Kind wieder gesund das nächste krank, konnten dadurch schlaflose Nächte, nächsten Tag alle fertig weil kaum geschlafen, der Pflegeaufwand, ... usw. weitgehend minimiert werden. Abends, mit einem einzigen "Rutsch" war das Kind mit allen Wirkstoffen versorgt und die Familie hatte eine Auszeit bis zum nächsten Tag.
Ich hatte einen Sportunfall und eine MRT Untersuchung im Krankenhaus. Damals waren MRT Geräte rar, die Untersuchung teuer und die Dauer wo man still liegen musste war noch ein vielfaches länger als heutzutage. Um auf Nummer sicher zu gehen habe ich, obwohl ich 14 war, so ein "flüssiges Zäpfchen" bekommen. Ich habe aber absolut keine Erinnerung mehr daran. Weder an die Verabreichung, noch an die Zeit danach. Irgendwann bin ich dann in einem Zimmer aufgewacht, alles war vorbei und die Eltern konnten mich mit nachhause nehmen. Meine Eltern haben sich öfters mit anderen Eltern über "flüssige Zäpfchen" bei OPs, Untersuchungen ausgetauscht. Erzählt haben sie mal, als sie mit mir im Krankenhaus beim MRT waren, dass die Ärzte bei der Aufklärung dort auf flüssige Zäpfchen gedrängt hätten und selbst Eltern mit 16/17 jährige Kinder dem "flüssigen Zäpfchen" zustimmen würden um eine erfolgreiche Untersuchung zu garantieren. Meine Eltern haben natürlich zugestimmt. Jedes Mal bei diesen Gesprächen wurde hervorgehoben, dass diese "flüssigen Zäpfchen" besonders schonend sind, weil die Kinder da einen Filmriss haben und sich nachher an nichts erinnern können!
Ja, Beruhigungszäpfchen waren auch modern damals. Die gab es von stark sedierend (Gruppe der Benzodiazepine, stark sedierende Antihistaminika, ... ) auf Rezept bis sehr sanft rezeptfrei auf Kräuterbasis (Baldrian, Hopfen, Passionsblume, ... ). Meine Mama hat sehr selten Beruhigungszäpfchen gegeben. Nur im Notfall, wenn die Eltern es nicht mehr ertragen haben und keine Ruhe war. Dann aber recht starke Zäpfchen meistens mit den Worten "So, damit du mal runterkommst!". Davon wurde man sehr müde und haben einem für den Rest vom Tag ruhig gestellt. Man kannte die Möglichkeit und hat sich freiwillig ruhiger verhalten um keines zu bekommen. Daher sehr selten eingesetzt.
Diese stark wirkenden Schlaf- oder Beruhigungszäpfchen waren aber auch damals alle rezeptpflichtig. Nur damals haben die Ärzte schneller mal so Mittel verschrieben. Heute undenkbar und unterliegen strenger Regeln und Kontrolle. "Kombinierte Zäpfchen zur Nacht" für Krankheitsfälle, "Beruhigungszäpfchen" falls die Kinder nicht zu bremsen sind oder für Reisen, "Diazepam Zäpfchen" gegen Fieberkrampf., usw. Pro Schachtel waren meist 10 Stück drinnen und weil nicht aufgebraucht oft eine kleine Sammlung in der Hausapotheke vorhanden. Solche Zäpfchen haben auch bei uns damals oft schnell mal den Weg in den Po gefunden. Es wäre aber aufgefallen, wenn Eltern ständig welche verlangen!
Heutzutage wird oft zu schnell ADHS diagnositiziert und die Kinder mit Ritalin gedopt um in der Schule still zu sitzen und aufmerksam zu sein.
Damals waren diese Schlaf- und Beruhigungszäpfchen in Mode und sind gern mal in den Popos verschwunden!