Lenas Routineuntersuchung
1. Der Anruf
Lena sitzt nervös an ihrem Schreibtisch. Sie hat ihr Handy in der Hand, sie ist im Begriff eine Nummer zu wählen, die sie gerade aus dem Internet gesucht hat. Es ist die Nummer einer Frauenarztpraxis. Sie war schon lange nicht mehr beim Gynäkologen, einige Jahre hat sie die Routineuntersuchungen schon ausfallen lassen. Bis vor circa fünf Jahren war sie noch regelmäßig beim Frauenarzt, da sie noch einen Freund hatte und sie sich regelmäßig neue Verhütungsmittel verschreiben lassen hat. Doch seitdem sie sich getrennt hat, hatte sie auch keinen Antrieb mehr dort hinzugehen, zumal sie Arztbesuche, insbesondere Frauenarztbesuche nicht mag. Heute mit 29 wird es wieder Zeit
Mit leicht zittrigen Fingern tippt sie die Nummer über den Touchscreen ihres Handys ein. Bevor sie die Schaltfläche mit dem grünen Telefonhörer antippt, kontrolliert sie die gewählte Nummer noch dreimal. Die Nummer ist richtig eingegeben. Lena atmet tief durch und drück schließlich auf den grünen Hörer. Zittrig führt sie das Telefon an ihr Ohr. Sie hört das Freizeichen, zweimal, dreimal. Kurz hofft sie, dass keiner dran geht, doch das würde das unangenehme Gespräch nur aufschieben. Nach dem fünften Freizeichen geht am anderen Ende der Leitung jemand dran „Praxis Doktor Timmermann. Sie sprechen mit Marie Cordes. Was kann ich für sie tun?“ Lena ist so nervös, dass sie einige Sekunden keinen Ton herausbekommt. Endlich findet sie ihre Sprache wieder:
„Guten Tag, Lena Schmidt mein Name, ich bräuchte einen Termin für die Vorsorgeuntersuchung und möchte mich über Verhütungsmethoden informieren.“ „Waren Sie schon mal bei uns?“ „Bisher noch nicht.“ „Okay, ich schaue einmal nach einem freien Termin. Einen Moment bitte.“
Lena hört durch den Hörer das Tippen einer Tastatur. Dann ertönt die Stimme der Sprechstundenhilfe wieder: „Sie haben Glück Frau Schmidt, ich kann Ihnen schon für nächsten Dienstag einen Termin anbieten. Dienstag 11:30 Uhr.“
Lena ist kurz schockiert, dass sie so zeitnah ein Termin bekommt. Sie hat eigentlich mit deutlich längerer Wartezeit gerechnet. „Ok, den Termin nehme ich. Ich danke Ihnen.“ Die Sprechstundenhilfe verabschiedet sich noch und beendet dann das Gespräch. Lena legt ihr Handy bei Seite und atmet tief durch. Einerseits ist sie froh so schnell einen Termin bekommen zu haben, auf der anderen Seite hätte sie sich aber gewünscht, mehr Zeit zu haben, um sich vorzubereiten. Lena notiert sich den Termin, damit sie ihn nicht vergisst.
Einige Stunden ist sie innerlich noch mit dem bevorstehenden Termin beschäftig, doch dann hat sie die bevorstehenden Ereignisse weitgehend verdrängt und geht ihren Alltag nach.