Auch ein Zahnarzt muss mal zum Zahnarzt
Wir sind noch nicht fertig
Wieder wird der Bohrer abgesetzt. Philipp zieht kurz seinen Mundschutz runter und schaut ihn mitleidig an: „Tut mir leid, aber wir sind leider noch nicht fertig mit der Präparation. Die Karies hat sich unter dem Schmelz doch ziemlich ausgebreitet. Soll ich eine Leitungsanästhesie machen? Dann sollte Ruhe sein.“ „Ja, mach das“, lieber habe ich den halben Tag einen tauben Kiefer als weiterhin die Schmerzen. Natürlich ist Sami klar, dass die Behandlung von Karies trotz aller Bemühungen manchmal schmerzhaft sein kann, schließlich befindet er sich für gewöhnlich auf der anderen Seite des Bohrers. Doch die Art des Schmerzes verbunden mit den Vibrationen des Bohrers sind für ihn selbst eine ganz neue- und keine positive- Erfahrung. Vielleicht hätte er mit der Behandlung doch nicht so lange warten sollen… In der Zwischenzeit hat Philipp den Leitungsblock gesetzt und ein angenehmes Gefühl von Taubheit breitet sich in der rechten Kieferhälfte aus. Mit der Zunge tastet Sami den aufgebohrten Zahn ab und erschrickt über die Tiefe des Defekts, welcher noch nicht vollständig ausgehöhlt wurde. Philipp nickt ihm zu als Zeichen, den Mund wieder zu öffnen. Der letzte Teil der Präparation ist zwar aufgrund der Vibration, der Lage auf dem Stuhl und dem weit geöffneten Mund anstrengend und unangenehm, aber schmerzfrei. Schließlich wird der Bohrer eingehängt. Philipp reinigt den Zahn und sondiert die Zahnhöhle gründlich. Samis Hoffnung, dass es nun überstanden ist, erfüllt sich nicht, als er sieht, dass sein Freund erneut den Bohrer in die Hand nimmt. Dieses Mal setzt er jedoch nur noch kurz am Zahn an. Wieder reinigen mit dem Wasserstrahl und erneutes Sondieren. Philipp nickt zufrieden und fährt den Stuhl nach oben. „Wieso macht er nicht einfach weiter?“ fragt sich Sami argwöhnisch. Skeptisch guckt er seinen Freund an. „Den anstrengen Teil hast du geschafft. Tut mir leid, dass ich nachspritzen musste, aber der Defekt war doch deutlich tiefer als gedacht“, erklärt Philipp. „Alles gut“, erwidert Sami, „Hauptsache geschafft.“ „Hm, nun… möchtest du erst die gute oder die schlechte Nachricht?“ schaut Philipp ihn mit hochgezogenen Augenbrauen an, rudert aber zurück, als er Samis panischen Gesichtsausdruck sieht. „Die gute Nachricht ist, dass die Pulpa noch nicht eröffnet ist. Da müssen wir also erstmal nichts weiter machen. Allerdings steht da nur noch eine hauchdünne Dentinschicht. Da werde ich heute kein definitives Inlay einkleben, ich möchte erstmal schauen, ob der Zahn ruhig bleibt. Ich bin aber ziemlich optimistisch. Also provisorischer Verschluss und dann in zwei Wochen das Inlay. Passt für dich?“ Damit hatte Sami nicht gerechnet- war er doch fest davon überzeugt gewesen, das Thema direkt heute abhaken zu können. Unschlüssig schaut er seinen Freund an. „Soll ich dir den Defekt mit der Kamera zeigen?“ bietet Philipp an. „Nee, lass mal. Merke ich ja selbst. Also gut, dann eben so“, Sami ist nicht wild darauf, die Ruine auch noch in Augenschein zu nehmen. „Ok, dann mache ich jetzt mit Biodentin zu und dann hast du es für heute geschafft. Kann natürlich sein, dass der Zahn in den nächsten Tagen noch thermosensibel ist. Wenn es mehr als das ist, meldest du dich natürlich sofort- nicht auf Wunderheilung hoffen“, blickt Philipp ihn streng an, nachdem er das provisorische Füllmaterial eingebracht hat und den Stuhl endgültig wieder in Neutralposition gebracht hat. Die Assistentin beginnt mit dem Aufräumen.