Auch ein Zahnarzt muss mal zum Zahnarzt
Das Bohren beginnt
Philipp bereitet im Hintergrund die Anästhesie vor: „Ok, einmal aufmachen- du weißt ja wie es geht… Ich spritze ein, danach wird alles vorbereitet. Ich mache eine intraligamentäre Betäubung.“ Schon merkt Sami einen Einstich seitlich vom Zahn und ein starkes Druckgefühl. Er verzieht das Gesicht. „Geht es?“ will Philipp wissen. Sami nickt. „Ok, schon geschafft. Bis gleich“, Philipp verlässt das Zimmer. „Bereiten Sie bitte alles für ein CEREC- Inlay vor, eingespritzt habe ich schon“, weißt er die Helferin an und betritt das nächste Zimmer.
Nachdem Sami den unvermeidlichen Latz umgehängt bekommen hat, wird das Tray mit den notwendigen Instrumenten bestückt. Die zwei Winkelstücken werden mit Diament- und Rosenbohrer ausgestattet, ein kleines Schälchen mit weiteren Bohrern in verschiedenen Größen steht ebenfalls bereit. Zuletzt folgt der Sauger. Sami bemerkt, wie der Zahn langsam taub wird. Zum Glück sieht die Helferin von lästigem Smalltalk ab, dafür ist er definitiv nicht in der Stimmung. Er merkt, dass seine Hände kalt und schwitzig sind. Sein Magen kommt ihm vor, als ob ein Ziegelstein in ihm liegt. Als sich die Tür öffnet und Philipp wieder das Zimmer betritt, zuckt er zusammen. „Na gut“, Philipp nickt ihm aufmunternd zu, „dann starten wir. Ist es taub?“ Sami nickt. Philipp zieht seinen Mundschutz hoch und zieht frische Handschuhe an. Der Stuhl wird weit nach hinten gefahren, das Kopfteil überstreckt. Sami öffnet den Mund, die Helferin richtet das Licht aus. Philipps Blick unter der Lupenbrille ist nun vollkommen auf den tief kariösen Zahn seines Freundes ausgerichtet. Der Sauger wird eingehängt und der Bohrer heult auf. Sami würde sich am liebsten an den Armlehnen festklammern- aber diese Blöße kann er sich nicht geben. Die hochtourige Turbine trifft auf seinen Zahn und beginnt, die Karies freizulegen. Sehr unangenehm, aber zumindest schmerzfrei. Wenige Sekunden später setzt Philipp den Bohrer ab. Sami atmet aus, auch wenn ihm klar ist, dass dies noch nicht das Ende der Exkavation sein kann. „Alles ok?“ fragt Philipp. Sami lautiert ein „Ja“- soweit es mit dem Sauger im Rachen möglich ist. Zufrieden nickend setzt Philipp den Bohrer wieder an. Eine ganze Weile geht alles gut, bis Sami allmählich einen ziehenden Schmerz bemerkt, der sich vom Oberkiefer Richtung Stirn ausbreitet. Durchhalten- sagt er sich selbst. Doch je weiter der Bohrer in den Zahn vordringt, desto stärker werden die Schmerzen. Schließlich trifft Philipp auf einen besonders empfindlichen Punkt und Sami kann ein Aufstöhnen nicht mehr unterdrücken. Sofort stoppt der Bohrer. „Schmerzen?“ will Philipp wissen, „soll ich nachspritzen?“ Sami nickt gequält: „Ja, bitte“. Wieder die Spritze, diesmal jedoch nur das Druckgefühl, kein Schmerz. Philipp wartet eine Minute, bevor er den Bohrer wieder ansetzt. Sami ist maximal angespannt und wartet jede Sekunde, dass der Schmerz wieder einsetzt. Doch außer einem leichten Ziehen passiert nichts. Philipp greift zum Rosenbohrer. Samis Hoffnung, dass dieser nur kurz zum Einsatz kommt, wird nicht erfüllt. Das Bohren scheint endlos lange weiterzugehen und fühlt sich an, als ob sich ein Presslufthammer in seinem Kiefer austobt. Plötzlich ein heftiger Schmerz, wie ein Stromschlag mitten ins Gehirn. Ihm entfährt ein lautes Stöhnen.