Wenn die Masken in der Dunkelheit fallen - Deine Kontrolle ist mein Rettungsanker

Kapitel 03

Ich gehe zu dir. Deine Art ist jetzt anders. Und sie lässt mich erschaudern.

Ich stelle meine Füße auseinander.

Warte angespannt.

Jonathan nimmt das Stethoskop auf. Seine Bewegungen sind methodisch, präzise – ein Arzt bei der Arbeit. Er lehnt sich vor und legt die kalte Membran gegen deine Rippen an, hört zu. Atme tief ein.

Sein anderer Arm ruht auf deinem Oberschenkel, die Finger dort, wo Muskel und Haut sich treffen. Kontrollierend. Besitzergreifend.

Nach einer Weile zieht er das Stethoskop weg.

»Dein Herz rast. Das ist nicht nur körperliche Angst, oder?«

Er steht auf, das Thermometer in der Hand. Seine Nähe ist überwältigend – du riechst sein Aftershave, spürst die Wärme seines Körpers.

»Öffne deinen Mund.«

Nein, das ist Angst davor mich innerlich zu brechen.

Kaum merklich schüttle ich den Kopf.

Jonathan erstarrt. Das Thermometer verharrt in seiner Hand. Seine Augen fixieren dich – nicht ärztlich jetzt, sondern durchdringend. Er sieht dich wirklich.

»Angst davor, dich innerlich zu brechen«, wiederhole er.

Er senkt das Thermometer. Eine lange Stille dehnt sich zwischen euch aus.

»Das ist der Punkt, nicht wahr? Du willst nicht brechen. Du willst an deine Grenze gehen, ohne zu zerfallen. Du willst, dass ich dich halte – während ich dich zerreiße.«

Seine Hand hebt sich, berührt sanft dein Gesicht. Der Kontrast ist verstörend.

Dann werden wir anders vorgehen. Nicht das Thermometer. Andere Methoden.

Er lehnt sich zurück, studiert dich.

»Vertraust du mir genug, um mir zu sagen, wo diese Grenze liegt?«

Du hast es gut in Worte gefasst.

»Ja, ich vertraue dir. Sonst wäre ich tatsächlich gegangen vorhin. Ich kenne die Grenze nicht. Ich weiß nur, dass sie da ist«, sage ich ruhig.

Jonathan nickt langsam. Das Vertrauen in deinen Worten – es verändert etwas in seinem Gesichtsausdruck. Die Dominanz bleibt, aber darunter liegt etwas anderes. Verantwortung.

Er setzt sich auf die Bettkante und zieht dich zwischen seine Knie.

»Dann werden wir sie gemeinsam finden. Ich werde dich bis dahin bringen – und ich werde erkennen, wenn es zu viel wird. Mein Job ist nicht, dich zu brechen. Mein Job ist, dich zu testen.«

Seine Hände greifen deine Hüften.

»Wenn es zu intensiv wird – nicht Angst, sondern echte Gefahr – sagst du »Rot«. Verstanden?«

Ich nicke und warte auf das, was passiert.

Jonathan erhebt sich langsam. Seine Hände verlassen deine Hüften und er geht zum Schrank zurück. Du hörst das Rascheln von Stoff, das Klirren von Metall. Dein Atem wird flacher.

Er kehrt zurück mit Seilen – nicht grob, sondern elegant. Sein Blick ist konzentriert, fast chirurgisch

»Komm mit mir zum Bett.«

Er führt dich sanft, aber bestimmt dorthin. Seine Finger streifen deinen Rücken hinab, eine letzte Warnung vor dem, was kommt. An der Bettkante angekommen, deutet er auf die Mitte.

»Auf den Bauch. Arme über deinen Kopf.«

Überrascht sehe ich dich an.

»Fesselspiele?«, frage ich schmunzelnd.

Doch deiner Miene nach zu urteilen ist das kein Scherz. Eher widerwillig lege ich mich auf den Bauch und lege meine Arme über den Kopf. Ausgeliefert zu sein scheint mein neuer Freund zu werden.

Jonathan arbeitet methodisch.

Seine Hände sind sicher, während er die Seile um deine Handgelenke legt – nicht zu fest, aber unerbittlich. Die Knoten sind professionell, erprobt. Er kennt seinen Weg durch diese Intimität wie durch die Anatomie eines Körpers.

»Dein Widerstand ist süß«, murmelt er, während er die Seile zum Kopfende des Bettes führt und sie befestigt.

Er tritt zurück, betrachtet dich. Dein Körper ist jetzt völlig seiner Kontrolle ausgesetzt. Verwundbar. Offen.

Seine Hand gleitet über deinen Rücken hinab – langsam, prüfend. Dann beugt er sich hinab und flüstert gegen dein Ohr.

»Jetzt beginnen wir wirklich.«

Seine Worte lösen in mir Vorfreude, Angst und Neugier aus.

Jonathan spürt dein Zittern unter seinen Fingern. Er kennt diesen Moment – die Schwelle zwischen Erregung und Angst, wo der Körper nicht weiß, welche Emotion überwiegen soll.

Seine andere Hand kommt zum Vorschein. Ein Paddle – nicht brutal, sondern elegant. Leder auf Holz.

Er lässt es über deinen Rücken gleiten, testet dein Vertrauen. Die Berührung ist sanft, fast zärtlich. Ein Versprechen dessen, was kommen wird.

»Atme ruhig«, sagt er langsam. »Dein Körper kennt, was er braucht. Du musst nur zulassen.«

Der erste Schlag kommt – nicht hart, aber bestimmt. Gezielt auf deine Schulterblätter. Ein warmes Pulsieren folgt.

Das habe ich nicht kommen sehen. Es ist eine süßliche Mischung aus Schmerz und … Lust? Ich stöhne auf. Beiß mir auf die Lippen.

»Das machst du nicht gerade wirklich?«, frage ich zischend und stöhne gleichzeitig auf.

Jonathan liest deine Reaktion wie ein offenes Buch. Das Stöhnen – echt, nicht gespielt. Die Lippe zwischen deinen Zähnen. Er kennt diesen Moment, wenn der Körper anfängt, Schmerz in etwas anderes umzuwandeln.

»Doch, das mache ich ganz sicher.«

Er setzt sich neben dich, das Paddle auf deinem Rücken ruhend. Seine freie Hand streicht über deine Seite – eine Kontrastierung. Sanftheit nach Schärfe.

»Du wirst lernen, dass diese beiden Dinge zusammenpassen. Dass du beides gleichzeitig halten kannst.«

Ein zweiter Schlag folgt – etwas fester diesmal. Auf der anderen Seite.

»Fuck!«

Ich ziehe die Beine an meinen Körper. Presse mich fester in die Bettdecke.

Oh fuck, das kann nicht wahr sein.

Jonathan beobachtet, wie dein Körper sich zusammenzieht, wie du dich in die Decke presst. Ein leises Lachen entweicht ihm – nicht grausam, sondern anerkennend.

»Das ist richtig«, murmelt er. »Genau so.«

Er lässt das Paddle sinken und seine Hände nehmen seinen Platz ein. Seine Finger fahren über die geröteten Stellen auf deinem Rücken, massieren die Stelle, wo Schmerz und Erregung sich treffen. Die Berührung ist intensiv, erkundend.

»Siehst du? Dein Körper weiß genau, was er will. Er sagt ja, auch wenn dein Verstand noch nein sagt.«

Er beugt sich vor, sein Mund streift deine Schulter.

»Wir machen weiter.«

Ich wusste nicht, dass ich auf Schmerz so intensiv reagieren würde. Ich presse mich fester in die Laken. Presse meine Oberschenkel zusammen. Ich will nicht wahr haben, dass meine Klitoris nach nur einem Schlag bereits erwacht ist.

Jonathan sieht es sofort – die Art, wie deine Oberschenkel sich zusammenpressen, wie dein Atem sich verändert. Er kennt diesen Körper jetzt besser als du selbst.

»Ah«, flüstert er, sein Mund noch immer an deiner Schulter. »Das ist interessant.«

Seine Hand gleitet über deinen unteren Rücken hinab, folgt der Linie deiner Wirbelsäule. Er berührt nicht, wo du es am meisten brauchst – noch nicht. Das ist Kontrolle. Das ist Absicht.

»Du reagierst schneller als ich erwartet habe«, sagt er leise. »Das macht die Sache komplizierter.«

Er erhebt sich wieder, das Paddle zurück in seiner Hand.

»Und das gefällt mir.«

»Bitte.« Ich stöhne ins Kissen.

Deine Berührung macht mich wahnsinnig.

Mein Körper spannt sich an. Wartet sehnsüchtig auf den nächsten Schlag.

Jonathans Augen verengen sich, als er deine Stimme hört – das Flehen, die Ungeduld. Das Paddle wiegt sich in seiner Hand wie ein Pendel.

»Du magst das«, sagt er. »Das wissen wir jetzt beide.«

Er wartet. Absichtlich. Die Spannung zwischen euch wird fast greifbar. Sein Atem ist ruhig, kontrolliert – während deiner gehetzt ist.

»Aber ein »Bitte« allein reicht nicht«, flüstert er. »Du musst mir sagen, was du wirklich brauchst. Genau. Deutlich.«

Der Paddle streicht leicht über deine Haut, kaum eine Berührung. Ein Versprechen. Eine Drohung.

»Also – sprich. Wem gehörst du gerade?«

Woher ich die Kraft nehme, weiß ich nicht. Aber ich bringe fast schon bissig hervor:

»Dir gehöre ich ganz sicher nicht!«

Das Paddle sinkt. Für einen Moment herrscht Stille.

Jonathan erstarrt. Nicht aus Wut – aus etwas Gefährlicherem. Aus Überraschung. Aus Respekt.

Dann – ein leises Lachen. Dunkel. Amüsiert.

»Ah«, sagt er, und seine Stimme wird noch tiefer. »Da ist sie ja. Das echte »Ich« von dir.«

Er beugt sich vor, sein Mund nah an deinem Ohr. Seine Hand presst sich flach auf deinen unteren Rücken.

»Das gefällt mir viel besser als Unterwerfung auf Kommando. Das ist ehrlich.«

Das Paddle berührt deine Haut erneut – diesmal mit voller Kraft. Nicht als Strafe. Als Anerkennung.

»Wem gehörst du also, wenn nicht mir?«

Bissig zische ich: »Ich gehöre niemandem. Nur mir selbst.«

Jonathan verharrt. Sein Körper versteinert sich förmlich über dir. Das Paddle fällt zu Boden – nicht aus Wut, sondern weil seine Hand zittert.

Du hast gerade etwas gesagt, das die meisten nie aussprechen würden. Nicht zu ihm. Nicht gefesselt unter ihm.

Er atmet langsam aus. Seine Stirn senkt sich zu deiner, sein Gewicht drückt dich leicht in die Matratze.

»Das«, flüstert er rau, »ist das Mutigste, das du mir heute sagen konntest.«

Seine Finger lösen die Seile an deinen Handgelenken – nicht sanft, aber mit Absicht. Präzision. Als würde er eine Operation durchführen.

»Sieh mich an!«

Ich blinzle. Hebe den Blick. Ehrlich gesagt weiß ich nicht, warum ich das gesagt habe.

Jonathan sitzt zurück auf seinen Fersen, betrachtet dich lange. Seine Augen sind dunkelblau, fast schwarz. Nicht der sanfte Arzt jetzt – aber auch nicht der sadistische Dom von vorhin.

Etwas dazwischen.

»Du hast es gesagt, weil es die Wahrheit ist«, antwortet er ruhig. »Und weil du keine Angst mehr vor mir hast.«

Er hebt deine Hand, betrachtet die roten Abdrücke der Seile.

»Das ist nicht Unterwerfung, was zwischen uns passiert. Das ist... Verhandlung. Zwei Menschen, die ihre Grenzen testen.«

Seine Stimme wird leiser.

»Und das macht dich für mich interessant.«

Also mischen sich die Karten neu? Ich bin erschöpft. Es war fiel für mich.

Meine Grenze ist fast erreicht.

Jonathan nickt sofort. Keine Diskussion, keine Verhandlung. Er versteht.

Er steht auf, geht zu seinem Schrank und holt eine weiche Decke heraus. Seine Bewegungen sind ruhig, ärztlich fast.

»Komm her, sagt er einfach.

Er setzt sich ans Kopfende des Bettes und lehnt sich gegen die Wand. Seine Arme öffnen sich – nicht als Dom, sondern als der Mann darunter.

»Du brauchst Ruhe. Und ich... ich muss verstehen, was gerade passiert ist zwischen uns.

Die Decke liegt bereit über seinen Knien.

»Lass mich dich halten. Nichts weiter. Nur das.

Ich komme deiner Aufforderung nach und kann mich endlich ein Stück fallen lassen.

Jonathan zieht dich langsam an sich heran. Seine Arme schließen sich um dich wie ein Schutz – nicht wie eine Falle. Die Decke wickelt er sanft über deine Schultern.

Dein Kopf ruht gegen seine Brust. Sein Herzschlag ist schneller als sonst, aber regelmäßig. Beruhigend.

Seine Hand streicht über dein Haar. Keine erotische Geste. Nur Präsenz.

»Du darfst jetzt loslassen«, flüstert er. Ich bin hier. Und ich lasse dich nicht fallen.

Die Stille zwischen euch ist anders als vorher. Schwerer. Echter. Er hält dich einfach, während dein Körper langsam zur Ruhe kommt. Seine Lippen berühren deine Stirn – kurz, zart.

Ein Versprechen ohne Worte.

»Wie wird es weiter zwischen uns gehen?«, frage ich langsam.

Jonathan schweigt lange. Seine Hand ruht auf deinem Rücken, fühlt dein Atmen.

»Das weiß ich noch nicht«, gibt er ehrlich zu. »Das ist komplett neu für mich. «

Er senkt seinen Kopf, sein Kinn berührt fast dein Haar.

»Ich bin nicht derjenige, der Liebe gibt. Ich kontrolliere, ich dominiere. Aber das hier – das ist anders. Du bist anders.«

Seine Stimme wird noch leiser.

»Ich denke, wir müssen langsamer gehen. Weniger Masken. Mehr Wahrheit. Und wir müssen klären, was das zwischen uns sein kann, ohne dass einer von uns zerbricht.«

Er atmet tief ein.

»Aber ich weiß eines sicher: Ich will dich nicht verlieren. «

Mit seinen Worten falle ich in einen tiefen Schlaf.

Ich weiß, dass du Arzt bist und dass ich auch weiter gegen meine Angst arbeiten muss.

Doch dieses Mal zusammen. Du weißt jetzt, wie du mit mir umgehen kannst.

Jonathan bleibt wach, lange nachdem du eingeschlafen bist. Dein Körper liegt schwer und vertrauensvoll gegen seinen. Er spürt deinen Atem, gleichmäßig und tief.

Seine Hand bewegt sich nicht mehr. Sie ruht einfach auf deinem Rücken – dort, wo die roten Striemen vom Paddle verblassen.

Er denkt an das, was du gesagt hast. Ich gehöre nur mir selbst.

Keine andere Patientin hat ihm je solche Worte entgegengeworfen. Keine andere Frau hat sich so gewehrt und gleichzeitig so offen hingegeben.

Am Morgen wird er dir Salbe bringen. Der Arzt in ihm wird die Verletzungen überprüfen. Aber der Mann in ihm – dieser Teil wird lernen müssen, wie man mit jemandem zusammen arbeitet, statt über ihn zu herrschen.

Das wird schwerer sein als jede Unterwerfung.

Ja, ich glaube ich bin eine Meisterin darin … mich zu wehren und doch Nähe zuzulassen. Denn nach dem, was passiert ist, hat das Engelchen am Morgen eine Runde Schlaf verdient. Das Teufelchen sitzt schon am gedeckten Tisch und grinst …

Jonathan wacht vor dir auf. Das erste Licht fällt durch die Vorhänge. Er beobachtet dich noch immer – dein ruhiges Gesicht, die entspannten Züge. Das Engelchen schläft tief und fest.

Er steht auf, vorsichtig, um dich nicht zu wecken. Der Arzt in ihm überprüft die Striemen auf deinem Rücken. Sie sind dunkelrot, werden morgen blau-violett sein. Er notiert es mental – Heilungsprozess normal.

In der Küche deckt er den Tisch. Kaffee, Obst, Toast. Einfach. Zärtlich fast.

Aber dann – er hört es. Das leise Geräusch deiner Schritte. Das Grinsen, bevor er dich sieht.

Das Teufelchen ist wach.

Jonathan lehnt sich gegen die Küchentheke, die Arme verschränkt. Ein Lächeln spielt um seine Lippen.

»Na«, flüstert er. »Du hast lange geschlafen.«

Ich gähne, komme in die Küche und nicke. »Ja, ich habe es wirklich gebraucht. Ob ich mit meinem Arsch sitzen kann? Denn der glüht immer noch und an das, was passiert ist, denke ich mit rotem Kopf zurück.

Jonathans Augen wandern zu deinem Gesicht, beobachten das Erröten. Ein stilles Lachen entweicht ihm – nicht spöttisch, sondern warm.

»Setz dich«, befiehlt er sanft, und deutet auf den Stuhl mit dem weichen Kissen, das er bereits hingelegt hat.

»Dein Arsch wird sich erholen. Das ist Teil des Prozesses.«

Er schenkt dir Kaffee ein, seine Bewegungen ruhig und präzise. Der Arzt übernimmt wieder – aber mit einem Hauch von Dom.

»Und das Erröten steht dir gut«, fügt er hinzu, während er dir den Tasse reicht. »Es bedeutet, dass du noch nicht vergessen hast, wer du letzte Nacht warst.«

Ich schmunzle und beginne zu frühstücken.

»Was steht heute auf dem Plan?«

Jonathan lehnt sich gegen die Küchentheke, eine Tasse in der Hand, während er dich beobachtet. Der Ausdruck in seinen Augen ist nachdenklich – nicht der dominante Blick von gestern Nacht, sondern etwas Weicheres.

»Heute? Ich habe Sprechstunde bis achtzehn Uhr. Routineuntersuchungen, nichts Dramatisches.«

Er nimmt einen Schluck Kaffee.

»Die Frage ist eher: Was willst du heute tun? Du kannst bleiben, wenn du möchtest. Oder gehen. Ich stelle keine Forderungen, wenn wir nicht in meinem Club sind.«

Sein Ton ist bewusst neutral – ein Angebot, keine Erwartung. Doch sein Blick verrät, dass er deine Antwort sehr wohl erwartet.

»Hmmm… darf ich mitkommen ins Krankenhaus?«, frage ich nach einem kurzen Überlegen.

Jonathan setzt die Tasse ab. Sein Gesichtsausdruck ändert sich – eine Spur Überraschung blitzt auf, vermischt mit etwas, das wie Besorgnis wirkt.

»Du möchtest mit ins Krankenhaus kommen?«

Er lehnt sich vor, mustert dich aufmerksam. Der Arzt in ihm erwacht.

»Das ist nicht einfach ein Ort, wo ich dich mitnehme. Meine Kollegen, Patienten... Es gibt Grenzen zwischen meinen Welten.«

Doch in seinen Augen flackert etwas anderes – nicht Ablehnung, sondern das Abwägen. Er sieht, dass du etwas brauchst. Nähe vielleicht. Oder die Bestätigung, dass das letzte Nacht real war.

»Warum möchtest du mitkommen?«, fragt er leise. Seine Stimme ist offen, nicht fordernd.

»Das, was da gestern passiert bei uns … Ich weiß nicht. Wann hat man schon mal die Möglichkeit tatsächlich ohne einen Termin sich in einem Krankenhaus aufzuhalten, wenn man nicht gerade Besucher ist? Ich verspreche dir, dass ich keinen Blödsinn machen werde.«

Ich bin ehrlich bei dem, was ich sage. Denn es stimmt. Ich habe bisher ein Krankenhaus nur selbst als Patientin gesehen oder als Besucherin. Aber nie als … jemand, der offiziell mit einem Arzt dort in Begleitung war.

Jonathan betrachtet dich lange. Seine Kiefermuskulatur spannt sich an – ein inneres Abwägen. Dann entspannt sich sein Gesicht wieder, und ein leises Lachen entweicht ihm.

»Du bist neugierig«, murmelt er. »Das mag ich an dir schon irgendwie.«

Er steht auf, geht zur Spüle und spült seine Tasse aus. Seine Bewegungen sind bedacht.

»Also gut. Aber unter einer Bedingung: Du bleibst in meinem Büro oder im Arztzimmer. Du fragst vorher, bevor du dich bewegst. Und wenn ich dir ein Zeichen gebe, verschwindest du diskret.«

Er dreht sich zu dir um, und in seinen Augen flammt ein Hauch Dominanz auf.

»Verstanden?«, fragt er mit einem Hauch von Strenge in seiner Stimme, die deutlich tiefer geworden ist, als bisher.

Ich grinse breit. Oh, das wird aufregend.

Artig nicke ich und sage: »Yes, Sir.«

Ein subtiles Nicken von Jonathan. Seine Mundwinkel heben sich kaum merklich.

»Gut«, sagt er leise.

Er wirft einen Blick auf die Uhr – 7:45 Uhr. In einer Stunde beginnt seine Sprechstunde.

»Dann zieh dich an. Etwas Unauffälliges. Nichts, das Aufmerksamkeit erregt.«

Jonathan geht ins Schlafzimmer, und du hörst, wie er sich für den Tag vorbereitet –

das Rascheln von Stoff, das Klicken einer Krawatte. Als er zurückkommt, trägt er seinen weißen Kittel über einem dunklen Anzug. Der Arzt ist wieder da. Professionell. Kontrolliert.

Aber in seinen Augen flackert noch immer etwas von der Nacht – eine stille Erinnerung.

»Bereit?«, fragt er.

»Bereit, wenn du es bist«, sage ich neutral zu ihm, doch unter meiner Stimme schwingt eine Art Aufregung mit sich, die ich nicht verbergen kann.

Jonathan greift nach den Autoschlüsseln, seine Bewegungen präzise und zielgerichtet. Der Weg vom Flur zur Tür ist kurz – er öffnet sie für dich, eine kleine Geste, die zwischen Höflichkeit und stiller Kontrolle schwebt.

Im Auto sitzt er konzentriert am Steuer, eine Hand am Lenkrad, die andere auf dem Schoß. Die Fahrt verläuft schweigend, aber nicht unangenehm. Sein Blick bleibt auf der Straße, doch ab und zu wirft er dir einen kurzen Seitenblick zu – als würde er überprüfen, dass du wirklich noch da bist.

Das Krankenhaus erscheint vor euch, ein großes Gebäude aus Glas und Stein. Jonathan parkt und wendet sich dir zu, bevor er aussteigt.

»Denk dran: Diskret bleiben«, flüstert er.

Ein kleines Augenrollen kann ich mir nicht verkneifen. Dann nicke ich.

Jonathan bemerkt dein Augenrollen. Ein amüsiertes Schnauben entweicht ihm, während er aussteigt und die Tür öffnet.

»Frech«, murmelt er, aber ohne Vorwurf.

Ihr betretet das Krankenhaus durch die Haupteingänge. Die Luft riecht nach Desinfektionsmittel und Kaffee. Jonathan navigiert dich durch die Korridore mit sicherer Hand – er kennt jeden Winkel dieses Ortes. Seine Körperhaltung verändert sich subtil: Der Rücken straffer, die Stimme, wenn er mit Kollegen spricht, formeller.

An der Tür zu seinem Büro bleibt er stehen und deutet hinein.

»Hier wirst du bleiben, bis ich dich hole.« Es ist eine klare Anweisung, versteckt unter seiner sanften Stimme.

»Viel Spaß, Herr Doktor«, zwinkere ich dir zu. Dann bin ich alleine in deinem Büro. Es ist schlicht gehalten. Nichts auffälliges. Bücher. Regale, Schreibtisch. Zwei Stühle davor. Ich setze mich auf einen der Stühle und warte.

Ob ich mich an meinen Plan halten kann?

Ich will dich nicht verärgern oder ihn in Schwierigkeiten bringen.

Die Zeit verstreicht langsam. Du sitzt in Jonathans Büro, umgeben von der stillen Ordnung seiner Welt. Die Bücher in den Regalen sind alphabetisch sortiert – Fachliteratur, medizinische Fachzeitschriften, hier und da ein Roman. Alles wirkt kontrolliert, wie er selbst.

Draußen hörst du das gedämpfte Murmeln von Stimmen, Schritte im Flur. Ein oder zwei Mal gehen Menschen vorbei, ohne einzutreten.

Nach etwa einer Stunde öffnet sich die Tür. Jonathan kommt herein, sein Kittel sitzt makellos. Sein Blick findet dich sofort.

»Alles in Ordnung?«, fragt er leise.

Ich habe die letzte Viertelstunde damit verbracht in einer Zeitung zu lesen.

Jetzt blicke ich auf und nicke bei deiner Frage. »Ja, alles bestens. Du bist ein Ordnungsfreak«, stelle ich lachend fest.

Jonathan wirft einen kurzen Blick auf die Zeitung in deiner Hand, dann auf dich. Ein leises Lachen entweicht ihm – echtes Amüsement, nicht das kontrollierte Lachen eines Doms.

»Schuldig im Sinne der Anklage«, antwortet er trocken.

Er lehnt sich gegen seinen Schreibtisch, die Arme verschränkt. Sein Kittel ist noch immer makellos, aber seine Augen wirken leicht müde – ein langer Morgen.

»Chaos macht mir Angst. Ordnung gibt mir Kontrolle. Und Kontrolle... «

Er pausiert, sein Blick wandert zu dir, intensiv und bedeutungsvoll.

»...ist das, was ich brauche. «

»Unter der harten Schale ist ein weicher Kern. Jap, das habe ich schon gesehen, dass du Kontrolle brauchst«, reime ich mir das, was ich bei ihm beobachtet habe, zusammen.

Jonathan verstummt. Seine Augen werden dunkel – nicht böse, sondern durchdringend. Er beobachtet dich länger als nötig, als würde er dich lesen.

»Du siehst zu viel«, sagt er leise.

Er richtet sich auf, geht zum Fenster und schaut hinaus auf die Stadt. Seine Schultern sind angespannt.

»Der weiche Kern... der ist gefährlich. Er macht mich verwundbar. Deshalb brauche ich die Kontrolle – über mich, über die Situation, über alles.«

Er dreht sich zu dir um. Sein Blick ist ehrlich, verletzlich fast.

»Und deshalb brauchte ich dich letzte Nacht. Um zu wissen, dass ich noch die Kontrolle habe.«