Lisas Schuluntersuchung
Teil 2 (ausführliche Beschreibung des Abhorchens)
Dr. Weber: 110 zu 70 – vollkommen normal. Gut. Jetzt kommen wir zum Abhören. Setz dich bitte auf die Untersuchungsliege dort hinten.
Lisa geht zur Liege und setzt sich auf die Kante, die Beine baumeln leicht, die Arme verschränkt vor dem Oberkörper.
Lisa: So...?
Dr. Weber: Ja, setz dich gerade hin, Schultern zurück, aber entspannt. Ich werde jetzt Herz und Lunge ausführlich abhören. Das dauert ein paar Minuten. Ich lege dir mein Stethoskop an verschiedenen Stellen an – es ist etwas kühl.
Dr. Weber nimmt sein Stethoskop, hält die Membran einen Moment in der Handfläche und tritt näher an Lisa heran. Sie sitzt auf der Liege, barfuß, oberkörperfrei, die Haut noch in leichter Gänsehaut von der Anspannung.
Dr. Weber: Atme erstmal normal weiter. Ich fange mit dem Herzen an.
Er platziert die Kuppe des Stethoskops sanft auf Lisas linker Brustseite, genau über der Herzspitze im fünften Zwischenrippenraum links. Lisa zuckt leicht bei der Berührung, die Haut ist noch etwas kühl.
Dr. Weber: Kalt?
Lisa: Ein bisschen... aber geht schon.
Dr. Weber: Gut. Atme jetzt bitte tief ein... halten... und wieder langsam ausatmen.
Lisa atmet tief ein, ihre Brust hebt sich, dann atmet sie kontrolliert aus. Dr. Weber hört konzentriert, das Stethoskop fest, aber nicht drückend auf der Haut.
Dr. Weber: Nochmal bitte – tief einatmen... und aus...
Er bewegt das Stethoskop leicht höher, am linken Brustrand entlang, hört an der zweiten Rippe in der Mittelclaviculärlinie.
Dr. Weber: Sehr gut. Jetzt atme normal weiter.
Er verschiebt die Kuppe weiter nach medial, zum zweiten Interkostalraum rechts am Sternum, der klassischen Aortenpunkt.
Dr. Weber: Hier höre ich die Aortenklappe... alles klar, Töne rein und rhythmisch.
Er bewegt das Stethoskop weiter nach links zum Pulmonalpunkt, dann zum Tricuspidalpunkt am unteren Sternumrand. Bei jedem Punkt hält er inne, lauscht den Herzgeräuschen, prüft Rhythmus und Frequenz.
Dr. Weber: Herzfrequnz liegt bei etwa 70 Schlägen pro Minute, völlig normal. Keine Extratöne, kein Geräusch. Jetzt kommen wir zur Lunge.
Er verschiebt das Stethoskop nach oben zum Schlüsselbein, beginnt dort die Lungenfeldabgrenzung.
Dr. Weber: Atme bitte tief durch den Mund ein... und wieder aus... hörbar durch die Nase nicht, nur durch den Mund.
Lisa öffnet den Mund leicht, atmet tief und hörbar ein und aus. Der Arzt hört an der Spitze des oberen Lungenlappens.
Dr. Weber: Nochmal – tief ein... und aus...
Er arbeitet sich systematisch vorne herunter – erst die rechte Seite, dann die linke. Er platziert das Stethoskop in jedem Zwischenrippenraum, beginnend oben am Schlüsselbein, dann in der zweiten, dritten, vierten Rippe, immer parallel zur Rippe verlaufend.
Dr. Weber: Rechte Seite klingt gut. Jetzt die linke – wieder tief einatmen... und aus...
Er wechselt die Seite, hört die linke Lunge ab, vergleicht die Belüftung beider Seiten.
Dr. Weber: Jetzt dreh dich bitte zur Seite, damit ich deinen Rücken abhören kann. Dreh dich am besten nach rechts, dann kann ich die linke Lunge hinten gut erreichen.
Lisa dreht sich seitlich auf der Liege, stützt sich auf den rechten Arm ab, ihr Rücken ist nun dem Arzt zugewandt. Die Wirbelsäule ist sichtbar, die Schulterblätter heben sich leicht.
Dr. Weber: Gut so. Atme wieder tief ein... und aus...
Er beginnt oben zwischen den Schulterblättern, hört die obere Lungenrückseite ab. Das Stethoskop liegt fest auf der Haut, die Kuppe ist handwarm.
Dr. Weber: Nochmal tief einatmen... und ausatmen...
Er arbeitet sich nach unten, hört in jedem Zwischenrippenraum auf beiden Seiten der Wirbelsäule. Er vergleicht die Atemgeräusche links und rechts, prüft auf Rasselgeräusche, verminderte Belüftung oder verlängertes Exspirium.
Dr. Weber: Jetzt dreh dich auf die andere Seite – nach links – damit ich die rechte Lunge hinten hören kann.
Lisa wechselt die Position, stützt sich nun auf den linken Arm. Der Arzt wiederholt die Abhörung auf der rechten Rückseite, beginnend oben und systematisch nach unten wandernd.
Dr. Weber: Tief einatmen... und aus... nochmal... und nochmal...
Er hört konzentriert, neigt den Kopf leicht zur Seite, um die Geräusche besser wahrzunehmen.
Dr. Weber: Ausgezeichnet. Beide Lungenfelder sind frei belüftet, keine Rasseln, keine Pfeifgeräusche, kein Bronchialatmen. Dreh dich wieder nach vorne.
Lisa dreht sich zurück, sitzt wieder auf der Liege, die Arme verschränkt.
Dr. Weber: Also, Zusammenfassung der Auskultation: Herzrhythmus regelmäßig, Frequenz normal, keine Klappenfehler, keine Extratöne. Lungen beidseitig frei belüftet, vesikuläres Atmen überall gut zu hören, keine pathologischen Nebengeräusche. Alles bestens. Jetzt schaue ich mir deinen Bauch an. Leg dich bitte auf den Rücken.
Lisa rutscht auf der Liege zurück und legt sich hin.