Die Gefängnisleiterin
Es gibt kein Zurück mehr
Aus dem Behandlungszimmer hörte ich Geräusche, als würde dort aufgeräumt. Ich schluckte schwer in Erwartung dessen, was auf mich zukam. Die Tür öffnete sich, und im selben Moment drückte die Wärterin fest auf meinen Oberarm. Schwester Greta stand in ihrer hellblauen Schürze im Türrahmen: „Der Nächste.“ Dann packten mich beide Wärterinnen an den Armen und führten mich in den Behandlungsraum. In der Mitte stand der Zahnarztstuhl mit unzähligen Gurten zur Sicherung von Patienten, der einen starken Kontrast zum weißen Boden und den weißen Wänden bildete. Die Zahnärztin ignorierte mich und sagte ziemlich gereizt: „Sehen Sie sich die Flecken auf meiner neuen Hose an.“ Sie schnaufte und ging rasch zu einem Schrank, holte eine hellblaue Schürze heraus das gleiche Modell, das Greta trug, und legte sie sich um den Hals. „Schwester Greta, könnten Sie mir das zubinden?“ Schwester Greta schloss daraufhin das Band im Nacken. Gleichzeitig sagte Sie sagte die Zahnärztin: „Nehmen Sie Platz, Herr Franken.“ Ich setzte mich auf den Stuhl im Stil der 1980er Jahre; meine Beine baumelten an den Seiten der Beinauflage herab, und meine Hände ruhten auf meinem Bauch weil ich mich nicht getraut habe, sie auf die Armlehnen zu legen. Die Gefängniswärterinnen seufzten tief und packten jeweils einen Arm und begannen sofort meine Arme mit Lederriemen an den Armlehnen festzuschnallen. Mit einem Lächeln sah mir Frau Peter in die Augen, zog einen Riemen fest um meinen rechten Arm und schloss die Schnalle. Es war unerbittlich – es gab kein Zurück mehr. „So, und jetzt legen Sie die Beine ordentlich auf die Beinauflage.“ Gemeinsam packten sie mein rechtes Bein und begannen, erst den Knöchel und dann den Oberschenkel zu fixieren. Als Nächstes war das linke Bein an der Reihe. Die Zahnärztin bemerkte: „Also, Herr Franken, wir haben heute einiges zu tun. Entschuldigen Sie, dass wir etwas im Verzug sind. Nach Ihrem Termin hatte ich eine einstündige Lernsitzung für Frau Peter eingeplant, aber da wir jetzt im Verzug sind, können wir beides gut zusammenlegen. Mal sehen ...“ Sie las aus der Akte vor: „Mit illegalen Substanzen erwischt.“ „Von wem haben Sie diese Substanzen bekommen?“ Ich sagte: „Von niemandem. Jemand hat sie mir in den Mantel gesteckt.“ „Haha, ja, das sagen sie alle“, bemerkte die Zahnärztin. Inzwischen hatten die Wärterinnen den breiten Gurt über meinen Bauch geschoben und festgezogen, sodass mir die Luft aus den Lungen gepresst wurde. „Ziehen Sie ihm am besten eine große Schürze an, Schwester Greta.“ Daraufhin ging die Schwester zur Tür, nahm eine hellblaue Schürze und öffnete deren Klettverschluss. „Kopf nach vorne.“ Die Schürze bedeckte den gesamten Stuhl bis auf meine Unterschenkel; der Klettverschluss wurde eng um meinen Hals geschlossen. Ich hielt den Kopf nach vorne geneigt und drückte mein Kinn gegen das Material – das sich glatt anfühlte und an strapazierfähiges PVC erinnerte –, während sich die Innenseite die über meine Hände fiel rau anfühlte, wie Leinwand. Dann umfasste Schwester Greta mit beiden Händen die Seiten meines Kopfes. „Neigen Sie den Kopf nach hinten. Gut.“ Die U-förmige Kopfstütze war mit Schrauben versehen, mit denen sie die Seitenteile langsam nach innen schieben konnte; ich spürte, wie mein Kopf fest eingespannt wurde. Die Seitenteile drückten nun fest gegen meine Ohren. Schließlich nahm sie den letzten unbenutzte Lederriemen, der an der Rückseite herabhing, und befestigte ihn quer über meiner Stirn. Ich war nun vollkommen unbeweglich fixiert. Der Zahnarztstuhl war so ausgerichtet, dass man auf eine Wand mit einem großen Spiegel blickte; so konnte ich mich selbst dort sitzen sehen. Ich empfand diesen Anblick als ziemlich demütigend – wie ein kleines Kind, das eines dieser albernen PVC Umhang trug. Mir war es vor den attraktiven Damen, die sich noch im Raum befanden, unangenehm. Glücklicherweise entschied sich Frau Markus zu gehen, doch Frau Peter blieb und nahm auf einer Bank an der Seite Platz. Die Zahnärztin stand schräg vor mir und beobachtete mich mit verschränkten Armen. Im Spiegel sah ich, wie ihr Fuß auf ein Pedal drückte, das den Stuhl nach oben fahren ließ. Als ich die gewünschte Höhe erreicht hatte, drückte sie ein weiteres Pedal. Der Stuhl setzte sich in Bewegung. Ich versuchte, mich zu wehren, doch die Lederriemen drückten mich nur noch tiefer in den ergonomischen Zahnarztstuhl. „Entspannen Sie sich, es hat keinen Sinn, sich zu wehren.“ Diesmal senkte sich der Stuhl weiter ab als zuvor, bis meine Beine höher waren als mein Kopf. Ich fühlte mich völlig hilflos und beobachtete mit rasendem Herzen, wie Schwester Greta das Licht einstellte.
Die Idee mit dem Spiegel gefällt mir be…