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Zahnrettung in Budapest

9 — Eine Woche

Das Labor brauchte neun Tage.

Wiebke bekam eine Woche Ungarn geschenkt, und sie machte etwas damit, womit sie selbst nicht gerechnet hatte: Sie ging unter Leute.

Sie fuhr mit der Zahnradbahn auf den Burgberg. Sie stand eine halbe Stunde auf der Fischerbastei und guckte über die Stadt und zählte, ganz automatisch, die Schornsteine auf den Dächern in Pest, was sie seit ihrem sechzehnten Lebensjahr überall tat und noch nie jemandem erzählt hatte. Sie saß im Széchenyi-Bad am Beckenrand und hielt nur die Füße rein, weil sie sich mit frischen Nähten nicht ins Thermalwasser setzen wollte.

Am dritten Tag ging sie in ein kleines Lokal in der Kazinczy utca und bestellte Fischsuppe. Der Kellner war Anfang zwanzig, brachte ein Bier, das sie nicht bestellt hatte, entschuldigte sich in schlechtem Englisch und lachte über sich selbst.

Und Wiebke lachte zurück.

Es passierte einfach. Es kam raus, bevor die Hand hoch konnte, bevor der Kopf sich zur Seite drehen konnte: ein kurzes, überraschtes, offenes Lachen, mit sichtbaren Zähnen, mitten in einem vollen Lokal.

Der Kellner lachte weiter und ging.

Er hatte nichts bemerkt. Das war der ganze Punkt. Er hatte überhaupt nichts bemerkt.

Wiebke saß über ihrer Suppe und heulte in eine Papierserviette, und der Kellner kam noch mal und fragte besorgt, ob die Suppe zu scharf sei, und sie sagte ja. Sehr scharf. Danke.

Am achten Tag war Einprobe: die Gerüste, noch unverblendet, weiße matte Kappen, einzeln aufgesetzt, mit Zahnseide und Folie geprüft. Dr. Szalai schliff an zwei Stellen minimal nach, nahm ein neues Bissregistrat und schickte alles zurück ins Labor.

„Passt?"

„Passt", sagte Dr. Szalai. „Jetzt kommt der Teil, der Ihnen gefällt."