Computerfehler

Schlaflos

Sie lagen eng unter der Decke, Haut an Haut, die Köpfe nah beieinander auf den Kissen. Das Licht der Nachttischlampe war aus, nur ein schwacher Schimmer von draußen fiel durch den Vorhang. Trotzdem kamen beide nicht in den Schlaf.

Sarah starrte an die Decke. Celina lag auf der Seite und sah sie an.

„Ich krieg die Augen nicht zu“, murmelte Sarah.

„Ich auch nicht“, antwortete Celina leise.

Eine Weile war es still. Dann begann Sarah zu reden – nicht geordnet, sondern so, wie die Gedanken kamen.

Über den Moment, als die Polizistin sagte, dass das Doppelzimmer kein Fehler war. Über den falschen Virenscanner und das Gefühl, wochenlang nackt im Netz gelegen zu haben. Über die Scham, Marcus die Kontrolle über ihren Körper gegeben zu haben, während er sie bereits digital ausspähte. Über den Ekel, die Wut und die seltsame Leere, die jetzt zurückblieb.

Celina hörte zu, die Finger leicht auf Sarahs Bauch. Dann sprach sie selbst.

Über die Erleichterung, die sie gespürt hatte, als klar wurde, dass Marcus weg war – und die Scham darüber. Über die Angst, Sarah könnte jetzt niemandem mehr vertrauen, auch ihr nicht. Über die Liebe, die sie am Nachmittag gestanden hatte und die sich plötzlich in einem völlig anderen Licht anfühlte. Über die Frage, ob Nähe nach so einem Tag überhaupt noch möglich war, ohne dass alles nach Rettung und Schaden schmeckte.

Irgendwann lagen sie auf der Seite, Stirn an Stirn, und redeten weiter. Über Schuld. Über den Wunsch, einfach nur zu funktionieren. Über den nächsten Tag.

„Wir sind beide freigestellt“, sagte Celina irgendwann leise. „Ich hab vorhin eine Nachricht von der Station gesehen. Du musst morgen nicht zur Therapie. Und ich muss nicht arbeiten. Arrangements wegen des Vorfalls.“

Sarah atmete hörbar aus. „Einen ganzen Tag … nichts?“

„Einen ganzen Tag nichts Müssen“, bestätigte Celina. „Nur wir. Wenn du das willst.“

Sarah schloss die Augen und rückte noch näher, bis ihre Nasen sich berührten.

„Ich will das.“

Sie redeten weiter, die Stimmen immer leiser, die Pausen dazwischen länger. Irgendwann wurden die Sätze unvollständig, die Atmung tiefer.

Der Schlaf kam spät.

Aber er kam, während sie sich noch immer festhielten – und wussten, dass der nächste Tag ihnen beiden gehörte.