Computerfehler
Pizza und Eis als Seelentröster
Als Celina die Tür aufschloss und das Licht einschaltete, roch es noch schwach nach dem Zitrusreiniger und dem Kaffee von neulich. Die Wohnung war klein und warm: eine offene Wohnküche mit einer kurzen Küchenzeile und einem alten Holztisch, ein Sofa mit zwei abgenutzten Kissen und einer flauschigen Decke, gegenüber ein schmales Regal voller Bücher und DVDs. An der Wand hing ein großes Fenster mit halb zugezogenen Vorhängen, davor ein niedriger Couchtisch aus massivem Holz. Die Türen zum Schlafzimmer und zum Bad standen einen Spalt offen. Es wirkte bewohnt, unaufgeräumt im besten Sinn und sicher.
Sarah stellte ihre Tasche ab. Die Zahnbürste steckte sie sofort ins Bad in den Becher neben Celinas – genau wie vereinbart. Das Bad war schmal, mit weißem älteren Fliesen und einem Duschvorhang in dunklem Grün.
Beide zogen die Schuhe aus. Die Anspannung der letzten Stunden hing ihnen noch in den Knochen. Celina warf die Jacke über den Stuhl und sah Sarah an.
„Essen“, stellte sie fest. „Richtiges Essen. Nichts aus der Klinik.“
Sarah nickte nur. Sie hatte den ganzen Tag kaum etwas herunterbekommen.
Celina holte ihr Handy, setzte sich aufs Sofa und tippte. „Pizza. Und Eis. Keine Diskussion.“
Sie bestellte eine große Pizza Margherita und eine mit Salami und Gemüse zum Teilen, dazu eine Packung Stracciatella und eine Vanille-Schokolade. Lieferzeit: etwa fünfunddreißig Minuten.
„Komm her“, sagte sie und klopfte aufs Sofa.
Sarah setzte sich neben sie, noch steif und erschöpft. Celina legte den Arm um ihre Schultern und zog sie leicht an sich. Sie redeten nicht viel. Das Blaulicht, die Polizei, die Spyware, die Asservaten, Marcus Schiller – alles war noch zu nah. Stattdessen starrten sie auf den dunklen Fernseher und hörten auf die Geräusche draußen.
Als es klingelte, holte Celina die Tüten. Der Geruch von warmem Teig, Käse und Tomate füllte sofort den kleinen Raum. Sie stellten die Kartons auf den Couchtisch, rissen sie auf und aßen direkt daraus – mit den Händen, unordentlich und hungrig. Zwischendurch schoben sie sich abwechselnd die Löffel mit dem Eis in den Mund.
Zum ersten Mal an diesem Tag spürte Sarah so etwas wie normale Körperlichkeit: Wärme im Magen, den süßen, kalten Geschmack des Eises, Celinas Knie, das gegen ihres lehnte.
Die Welt draußen war immer noch aus den Fugen. Aber in der Wohnung gab es Pizza, Eis und jemanden, der sie nicht allein ließ.