Computerfehler
Aus Celinas Sicht
Aus Celinas Sicht
Celina saß auf der Bettkante in Zimmer 214 und spürte, wie Sarahs Körper neben ihr noch immer feine Zitterwellen schickte. Die Polizisten waren gerade gegangen, das Blaulicht draußen war verschwunden, und der Satz mit den Sextoys als Asservaten hing noch im Raum.
Sie strich Sarah langsam über den Rücken und versuchte, ihre eigenen Gedanken zu ordnen.
Noch vor zwei Stunden haben wir im Therapiegarten gesessen. Schokolade. Hand. Kuss auf den Mundwinkel. Ich habe ihr gesagt, dass ich sie liebe. Sie hat gesagt, sie will mich gleichwertig – nicht als Zweite. Und jetzt sitzt sie hier und lacht dieses kaputte Lachen, weil ihre Toys in irgendeiner Asservatenkammer liegen und der Mann, dem sie sich unterworfen hat, ein Stalker war.
Celina spürte Wut. Klare, kalte Wut auf Marcus Schiller. Darauf, dass er Sarah digital seziert, die Klinik manipuliert und dann auch noch versucht hatte, die Spuren zu löschen. Darauf, dass er Sarahs Hingabe, ihren Körper und ihr Vertrauen in ein konstruiertes Spiel verwandelt hatte. Und darunter lag etwas, das sie selbst erschreckte: ein Anflug von Erleichterung.
Er ist weg. In U-Haft. Annäherungsverbot. Er kommt nicht mehr zwischen uns.
Sofort schämte sie sich für den Gedanken. Sarah zerbrach gerade vor ihren Augen, und ein Teil von ihr registrierte, dass die größte Konkurrenz abrupt entfernt worden war. Das fühlte sich schmutzig an.
Sie zog Sarah näher an sich.
„Du musst das nicht jetzt sortieren“, sagte sie leise. „Nicht die Toys, nicht ihn, nicht uns. Heute Nacht musst du nur hier sein. Bei mir. Oder allein, wenn du das brauchst. Aber sicher.“
Sarahs ironisches Lachen hatte sie mehr getroffen als das Weinen vorhin. Weinen war Schmerz. Dieses Lachen war der Moment, in dem Sarah selbst die Absurdität und die Demütigung erkannt hatte – und keinen anderen Weg fand, damit umzugehen.
Celina küsste ihr Haar und starrte auf die gegenüberliegende Wand.
Ich wollte sie. Ich habe sie. Und ich habe sie in einem Zustand, den niemand geplant hat.
Sie würde bleiben. Das stand fest. Aber sie wusste auch: Ab jetzt ging es nicht mehr um Regeln und Hierarchien und Dreiecksverhandlungen. Ab jetzt ging es darum, ob Sarah überhaupt noch in der Lage war, irgendwem zu vertrauen – inklusive ihr.