Computerfehler

Konsequenzen für Sarah

Sarahs Reaktion auf die Konsequenzen

Als die unmittelbare Tränenwelle etwas abebbte, blieb Sarah immer noch eng an Celina gelehnt. Die körperliche Nähe hielt sie aufrecht, während der Verstand langsam die Tragweite begriff.

Zuerst kam der Schock.
Alles, was sie für Zufall und echte Begegnung gehalten hatte – das Doppelzimmer, sein Verständnis, die Art, wie er ihre Grenzen und Bedürfnisse scheinbar intuitiv kannte –, war konstruiert. Geplant. Über Wochen vorbereitet. Der „Computerfehler“ war Sabotage. Der Virenscanner war Spyware. Jede Hingabe, die sie ihm gegeben hatte, war in einem Rahmen geschehen, den er einseitig und heimlich gesetzt hatte.

Dann folgte ein tiefer, kalter Ekel vor sich selbst.
Ich habe ihm die Kontrolle über meinen Körper gegeben. Ich habe ihn gebeten, mich zu ficken, ihn geküsst, seine Regeln akzeptiert – und er hat mich vorher schon digital seziert.
Die Scham war so heftig, dass ihr übel wurde. Besonders der Gedanke an die masochistischen Praktiken, an das Squirten vor Dr. Vogel, an die Nacht, in der sie ihm alles erzählt hatte, fühlte sich jetzt wie eine weitere Verletzung an.

Gleichzeitig regte sich Wut.
Wut auf Marcus Schiller. Wut darauf, dass er ihre Krankheit, ihre Verletzlichkeit und ihre Online-Offenheit ausgenutzt hatte. Wut, dass er selbst nach dem Aufbau von Nähe versucht hatte, alle Spuren zu löschen, als würde sie damit einfach verschwinden.

Unter all dem lag eine tiefe Verunsicherung.
Wenn das mit Marcus von Anfang an Lüge und Manipulation war – was war dann noch real? Celinas Gefühle? Ihre eigenen Reaktionen? Das Bedürfnis nach Kontrolle und Hingabe? Sarah spürte, wie der Boden unter ihren bisherigen Gewissheiten wegbrach. Selbst das Vertrauen in ihre eigene Wahrnehmung war erschüttert.

Praktisch dachte sie bereits in Bruchstücken an die Folgen:
Sie würde nicht mehr in seiner Nähe bleiben wollen.
Das Einzelzimmer war plötzlich eine Erleichterung.
Die sechs Wochen Verlängerung fühlten sich an wie eine Falle.
Und die Frage, ob sie die Klinik überhaupt noch als sicheren Ort empfinden konnte, blieb offen.

Sarah richtete sich langsam auf, das Gesicht nass und gerötet, und sah Celina an.

„Ich will ihn nicht mehr sehen“, sagte sie heiser. „Nicht einmal aus der Ferne. Und ich will, dass die Klinik das sicherstellt.“

Die Konsequenzen hatten sie nicht gebrochen – aber sie hatten alles, was zwischen ihr und Marcus Schiller gewesen war, in einem einzigen Abend zunichtegemacht.