Computerfehler
Der Zusammenbruch
Teil 128 (erweitert): Zusammenbruch und Dialog
Sarah starrte noch auf die Evidenz-Tüte, in der ihr Handy verschwunden war. Zwei Wochen. Jede Nachricht. Jeder Termin. Selbst installiert.
Dann brach etwas in ihr.
Ein heiseres, gepresstes Geräusch kam aus ihrer Kehle, und die Tränen schossen ohne Vorwarnung. Sie drehte sich zu Celina, griff nach ihr und klammerte sich fest – beide Arme um ihren Oberkörper, das Gesicht gegen ihre Schulter gepresst.
„Ich kann nicht …“, schluchzte sie. „Celina, ich kann nicht mehr …“
Celina schloss die Arme sofort um sie. „Ich bin da. Hörst du? Ich bin da.“
Sarah schüttelte den Kopf gegen ihre Schulter, die Worte kamen stoßweise und nass.
„Er hat alles gelesen. Jede Nachricht. Jeden Termin. Ich hab ihm das Handy selbst geöffnet. Und dann hab ich ihm hier auch noch … die Kontrolle gegeben. Über mich. Über meinen Körper. Über alles.“
Celina streichelte fest ihren Rücken und ihren Nacken. „Das konntest du nicht wissen. Niemand konnte das wissen.“
„Doch!“, stieß Sarah hervor. „Ich hätte merken müssen, dass es zu glatt war. Der Computerfehler. Dass er so genau wusste, wie er mich …“ Sie brach ab und weinte heftig weiter. „Ich fühl mich so dreckig. So ausgeliefert. Und ich hab dich auch noch reingezogen.“
Celina nahm Sarahs Gesicht in beide Hände und hob es, sodass sie sich ansehen mussten. Ihre eigenen Augen waren feucht, aber ihre Stimme blieb klar.
„Du hast mich nicht reingezogen. Ich bin selbst gegangen. Und ich bleibe jetzt auch selbst. Verstehst du das? Das hier ändert nichts daran, dass ich dich will. Es ändert nur, dass wir ab jetzt viel vorsichtiger und ehrlicher sein müssen.“
Sarah schluchzte auf. „Ich weiß nicht mal mehr, was an den letzten Tagen echt war. War irgendwas davon echt?“
„Die Nacht bei mir war echt“, sagte Celina leise und bestimmt. „Meine Gefühle sind echt. Und deine gerade auch – auch wenn sie wehtun.“ Sie wischte mit dem Daumen eine Träne von Sarahs Wange. „Wir kriegen das raus. Stück für Stück. Aber zuerst atmest du. Mit mir. Einatmen. Ausatmen.“
Sarah versuchte es, brach aber erneut in Tränen aus und vergrub das Gesicht wieder an Celinas Hals.
„Bleib einfach hier“, flüsterte Celina und hielt sie fester. „Du musst jetzt nichts entscheiden und nichts erklären. Du weinst. Ich halte. Das reicht für den Moment.“
Wachtmeisterin Keller sah zu ihnen, sagte aber nichts.
In dem grellen Büro blieben die beiden Frauen eng umschlungen, während Sarah sich den Schock, den Ekel und die Wut aus dem Körper weinte – und Celina sie zum ersten Mal nicht als Teil eines Dreiecks, sondern einfach nur als Sarah hielt.