Computerfehler
Der falsche Virenscanner
Sarah stockte mitten im Satz. Etwas blitzte in ihrer Erinnerung auf.
„Warten Sie …“, sagte sie heiser und griff zu ihrer Tasche. „Vor etwa zwei Wochen, kurz bevor ich hier aufgenommen wurde, hat mein Handy – ein Android – eine Meldung gebracht. Ich sollte einen Virenscanner installieren. Es sah offiziell aus. Ich hab’s gemacht, weil ich dachte, es wäre eine System- oder Sicherheitsaufforderung.“
Wachtmeisterin Keller wurde aufmerksamer. Sie winkte einen Kollegen heran, der bisher im Hintergrund gestanden hatte – einen Beamten der Cybercrime-Einheit mit einem kleinen Analysegerät.
Sarah schaltete das Handy ein (zum ersten Mal seit Stunden), suchte die App und reichte ihm das Gerät.
„Das hier. Ich dachte, es wäre ein Scanner.“
Der Cybercrime-Beamte schloss das Handy an, prüfte die App-Rechte, die versteckten Prozesse und die ausgehenden Verbindungen. Nach wenigen Minuten sah er zuerst zu Wachtmeisterin Keller und dann zu Sarah.
„Das ist kein Virenscanner“, sagte er ruhig. „Das ist ein Datenlogger. Sehr unauffällig getarnt. Er hat Zugriff auf Tastatur-Eingaben, Nachrichten, Standort, Zwischenablage und teilweise auf den Bildschirminhalt. Die Daten wurden verschlüsselt an externe Server geschickt. Die ersten Pakete gehen zurück auf den Zeitraum kurz nach der Installation – also etwa zwei Wochen vor Ihrer Aufnahme.“
Sarah wurde aschfahl.
„Das heißt … er konnte alles mitlesen? Meine Chats, meine Mails, meine Termine …?“
„Sehr wahrscheinlich ja. Zumindest alles, was über dieses Gerät gelaufen ist.“ Der Beamte sicherte bereits eine Kopie. „Die App hat sich als System-Update getarnt und war so eingestellt, dass sie keine sichtbaren Benachrichtigungen erzeugt. Klassisches Spyware-Muster.“
Celina flüsterte neben ihr: „Deshalb wusste er so genau, wann du kommst …“
Wachtmeisterin Keller notierte alles und sah Sarah ernst an.
„Wir behalten das Gerät vorerst als Beweismittel. Sie bekommen ein Ersatzgerät von der Station, falls nötig. Das erklärt, wie Herr Schiller an so präzise Informationen gekommen ist – und warum der spätere Versuch, die Spuren zu löschen, so gründlich ausfiel.“
Sarah starrte auf ihr Handy, das jetzt in einer Evidenz-Tüte verschwand.
Zwei Wochen lang hatte jemand mitgelesen.
Jeder Gedanke, den sie getippt, jede Nachricht, jeder Termin.
Und sie hatte den „Virenscanner“ selbst installiert.