Computerfehler

Sarahs Aussage

Teil 126: Sarahs Aussage

Sarah schluckte, die Hände im Schoß fest ineinander gekrallt. Die Worte von Wachtmeisterin Keller kreisten noch in ihrem Kopf. Gezielte Manipulation. Schon länger im Internet mit Ihrer Person beschäftigt.

Sie hob den Blick und antwortete so klar, wie sie in diesem Moment konnte.

„Ich habe Marcus Schiller hier in der Klinik zum ersten Mal gesehen. Am Aufnahmetag. Als ich ins Doppelzimmer gekommen bin und er schon da war. Vorher kannte ich ihn nicht. Nicht unter diesem Namen, nicht unter einem anderen. Ich habe sein Gesicht vorher nie gesehen.“

Wachtmeisterin Keller notierte etwas. „Sie waren auf einer Single-Plattform aktiv?“

„Ja.“ Sarah nickte. „Das stimmt. Ich hatte dort Kontakt mit mehreren Männern und auch mit Frauen. Chats, ein paar längere Gespräche, manche eher oberflächlich, manche intensiver. Aber niemand davon war – zumindest soweit ich das wissen konnte – Marcus Schiller. Niemand hat sich als Patient angekündigt oder nach einer Klinik in Bad Bergzabern gefragt. Und niemand, mit dem ich geschrieben habe, hat sich später hier als er herausgestellt.“

Sie zögerte kurz, dann fügte sie hinzu:

„Ich habe auf der Plattform auch erwähnt, dass es mir gesundheitlich nicht gut geht und dass ein Klinikaufenthalt wahrscheinlich nötig wird. Das war öffentlich in meinem Profil bzw. in Beiträgen sichtbar. Wenn jemand das gelesen und daraus Schlüsse gezogen hat … dann ohne mein Wissen.“

Celina saß steif neben ihr und starrte auf den Tisch. Sarah spürte ihren Blick von der Seite, konnte ihn aber gerade nicht erwidern.

Wachtmeisterin Keller hakte nach:

„Haben Sie auf der Plattform Details zu Ihrer Erkrankung, zu möglichen Kliniken oder zu konkreten Terminen genannt?“

Sarah schüttelte den Kopf. „Die Erkrankung ja, in groben Zügen. Rheuma. Dass es schlimmer wird. Dass ich hoffe, bald stationär aufgenommen zu werden. Einen genauen Kliniken-Namen oder ein Datum habe ich nicht geschrieben. Zumindest erinnere ich mich nicht daran.“

Die Polizistin nickte langsam und schrieb weiter.

„Gut. Wir werden das anhand der noch vorhandenen Daten prüfen. Eine letzte Frage für den Moment: Hat Herr Schiller Ihnen gegenüber jemals angedeutet, dass er Sie schon vor dem Klinikaufenthalt kannte oder Informationen über Sie hatte?“

„Nein“, sagte Sarah fest. „Nie. Er hat sich verhalten, als wäre alles Zufall. Der Computerfehler. Das Doppelzimmer. Alles.“

Ihre Stimme wurde leiser.

„Ich habe das geglaubt.“