Computerfehler

Celinas Antwort

Teil 119: Celinas Antwort

Celina saß lange still. Sarahs Hand lag in der ihren, die Frage hing schwer zwischen ihnen. Marcus komplett außen vor – der Satz hatte etwas in ihr zum Vibrieren gebracht.

Sie sagt das wirklich. Sie öffnet die Tür so weit.
Celinas Herz schlug heftig. Ein Teil von ihr wollte sofort zupacken. Nimm es. Sag ja. Schick ihn weg. Dann gehöre ich dir und du mir, ohne Hierarchie, ohne Anmelden, ohne Zweite zu sein.

Doch darunter lag etwas anderes. Etwas, das wehtat und ehrlich war.

Sie strich mit dem Daumen über Sarahs Handrücken und begann, langsam und leise:

„Mein erster Impuls ist: Ja. Lass ihn außen vor. Dann habe ich dich ganz. Dann muss ich nicht teilen, nicht warten, nicht das Gefühl haben, dass ich nur der weiche Teil bin, den man dazunimmt, wenn die Härte gerade Pause macht. Dann könnte ich dich lieben, ohne ständig Angst zu haben, dass du zu ihm zurückgehst, sobald er die Stimme hebt oder ‚Gut‘ sagt.“

Sie schluckte. Die Augen wurden feucht.

„Aber wenn ich ehrlich bin … ganz ehrlich … dann weiß ich, dass das nicht die ganze Wahrheit über dich ist. Ich habe gesehen, wie du bei ihm zur Ruhe kommst. Wie dein Körper auf seine Kontrolle reagiert. Das ist kein Spiel für dich. Das ist ein Bedürfnis. Wenn ich verlange, dass er komplett weg ist, dann verlange ich, dass du einen Teil von dir abschneidest. Und ich will dich nicht beschnitten. Ich will dich.“

Ich will dich ganz, dachte Celina. Auch den Teil, der sich unterwirft. Auch den, der Schmerz in Lust verwandelt. Auch den, der bei einem anderen Mann zur Ruhe kommt. Verdammt.

Sie lachte leise und bitter.

„Das klingt verrückt, oder? Ich liebe dich so sehr, dass ich sogar den Mann akzeptieren würde, der zwischen uns steht – solange ich nicht die Geduldete bin. Solange ich weiß, dass ich für dich zähle. Nicht als Ausgleich. Nicht als Ausnahme. Als Celina.“

Sie sah Sarah direkt an.

„Meine Lösung wäre: Ich bleibe. Aber nicht unter den Regeln, die ihr zwei schon festgelegt habt. Ich will mitreden. Ich will, dass meine Gefühle und meine Grenzen genauso Gewicht haben wie seine. Wenn das bedeutet, dass wir zu dritt reden müssen – dann halt zu dritt. Wenn das bedeutet, dass manche Dinge neu verhandelt werden – dann neu. Aber ich will nicht mehr nur informiert werden. Ich will beteiligt sein.“

Und wenn das nicht geht, dachte sie still, dann muss ich gehen. Auch wenn es mich zerreißt.

Während Celina sprach, tobte es in Sarah.

Sie liebt mich. Wirklich. Und sie ist bereit, sogar Marcus auszuhalten – aber nicht als stille Zweite.
Sarah spürte, wie die Tränen kamen, heiß und sofort. Wenn ich sie vorher getroffen hätte … Der Satz von vorhin kehrte zurück und tat weh.

Gleichzeitig meldete sich der andere Teil: Marcus’ Regeln. Die Kontrolle. Das ‚Gut‘. Das kann ich nicht einfach wegwischen.

Sarahs inneren Stimmen überschlugen sich:
Sag ihr, dass du sie wählst.
Sag ihr, dass du ihn brauchst.
Sag ihr die Wahrheit: Du willst beide – und du hast keine Ahnung, wie das gerecht gehen soll.

Als Celina fertig war, drückte Sarah ihre Hand fester. Die Antwort, die jetzt kam, würde alles entscheiden.