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Dr.Sommers Resümee

Teil 107: Dr. Sommers Antwort

Dr. Sommer lehnte sich etwas zurück, legte die Fingerkuppen aneinander und betrachtete Sarah eine Weile, bevor er sprach.

„Danke, dass Sie so offen waren – soweit Sie es gerade konnten.“

Seine Stimme war ruhig, ohne Wertung.

„Was Sie beschreiben, ist zum einen eine einvernehmliche, klar strukturierte dominante Beziehung zu einem Mitpatienten. Zum anderen eine ausgeprägte masochistische Reaktionsweise, bei der bestimmte Schmerz- und Druckreize systematisch in sexuelle Erregung und Orgasmus umschlagen. Beides ist an sich nicht pathologisch. Es wird allerdings relevant, weil es sich hier, innerhalb einer stationären Behandlung, mit medizinischen Maßnahmen und einer bestehenden Rheumaerkrankung überschneidet.“

Er blätterte kurz in seinen Notizen.

„Die extreme Reaktion während der gynäkologischen Untersuchung – der Orgasmus und das Squirten unter hoher elektrischer Stimulation – zeigt, dass Ihr Nervensystem und Ihre sexuelle Erregbarkeit sehr sensibel auf kontrollierte, intensive Reize ansprechen. Das muss die somatische Seite bei weiteren Eingriffen wissen und berücksichtigen. Gleichzeitig höre ich heraus, dass Sie selbst gerade in einem inneren Konflikt stecken: zwischen dem Wunsch nach klarer Abgabe von Kontrolle und dem Bedürfnis nach einer anderen, gleichberechtigteren Form von Nähe.“

Dr. Sommer sah sie direkt an.

„Mein Eindruck im Moment: Es liegt keine akute Selbst- oder Fremdgefährdung vor. Sie wirken belastet, aber orientiert und in der Lage, über das Geschehene nachzudenken. Für die Klinik heißt das: Die Verlängerung um sechs Wochen ist aus psychosomatischer Sicht vertretbar. Ich werde empfehlen, dass bei weiteren körperlichen Untersuchungen und Behandlungen besonders auf Ihre Rückmeldung geachtet wird und dass starke Reizverfahren nur nach klarer Absprache eingesetzt werden.“

Er machte eine kurze Pause.

„Was die Beziehung zu dem Mitpatienten angeht: Solange sie einvernehmlich bleibt und den Therapieverlauf nicht massiv stört, ist das primär Ihre private Angelegenheit. Sollte es jedoch zu Konflikten, Eifersuchtssituationen oder einer spürbaren Destabilisierung kommen, muss die Station das ansprechen. Ich rate Ihnen, in den nächsten Wochen genau zu beobachten, ob die Dynamik Ihnen langfristig Stabilität gibt – oder ob sie Sie zusätzlich zerreißt.“

Dr. Sommer klappte die Akte halb zu.

„Ich werde Dr. Vogel und der Leitung eine kurze Stellungnahme geben: keine akute psychische Erkrankung, aber eine ausgeprägte sexuelle Masochismus-Disposition, die bei medizinischen Maßnahmen beachtet werden muss. Außerdem empfehle ich ein bis zwei weitere Gesprächstermine in den kommenden Wochen, freiwillig. Möchten Sie das?“

Er wartete auf ihre Antwort.
Seine Haltung blieb professionell und zurückhaltend – und ließ gleichzeitig erkennen, dass er spürte, dass Sarah nicht alles gesagt hatte.