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Das Konsil

Teil 105: Das Konsil

Sarah war um 14:10 Uhr da.

Sie hatte sich auf der Toilette das Gesicht gewaschen, die Haare notdürftig geglättet und ein Glas Wasser getrunken. Die Augen waren noch gerötet, aber sie hielt sich aufrecht. Vor dem Zimmer von Dr. Sommer auf der psychologischen Station setzte sie sich auf den Warte stuhl und starrte auf die gegenüberliegende Wand, bis die Tür aufging.

„Frau Schmidt? Bitte kommen Sie herein.“

Dr. Sommer war Anfang Fünfzig, schmal, mit randloser Brille und einem ruhigen, abwartenden Blick. Das Zimmer war schlicht: zwei Sessel, ein niedriger Tisch, ein Regal mit Fachbüchern, ein Fenster zum Park. Keine Liege, keine offensichtlichen Testunterlagen.

Er bot ihr den Sessel an, setzte sich gegenüber und schlug eine dünne Akte auf.

„Sie wissen, warum Sie hier sind. Dr. Vogel hat ein Konsil angefordert, nachdem es bei einer gynäkologischen Untersuchung zu einer sehr starken körperlichen und sexuellen Reaktion gekommen ist und Sie selbst von einer ausgeprägten masochistischen Verarbeitung von Schmerz gesprochen haben. Die Klinikleitung möchte eine Einschätzung, wie damit im weiteren Behandlungsverlauf umzugehen ist.“

Er legte den Stift bereit, sah sie jedoch zuerst nur an.

„Ich möchte von Ihnen hören, was passiert ist – so weit Sie bereit sind, darüber zu sprechen. Und wie Sie selbst die Situation und Ihre Reaktionen einordnen.“

Sarah saß kerzengerade, die Hände im Schoß. Für einen Moment überlegte sie, sich hinter allgemeinen Sätzen zu verstecken. Dann dachte sie an die Bank, an Dr. Vogel, an Celinas verletztes Gesicht und an Marcus’ Regeln.

Sie holte einmal tief Luft.

„Ich erzähle es Ihnen.“