Computerfehler
Das Gespräch mit Celina
Am nächsten Vormittag, nach dem Termin bei der ärztlichen Leitung und dem kurzen Umzug ins Einzelzimmer 214, suchte Sarah Celina in einer Pause zwischen zwei Behandlungen.
Sie trafen sich in einem der kleinen, ungenutzten Übungsräume. Celina schloss die Tür und sah Sarah erwartungsvoll an – noch ohne zu wissen, dass sich die Grundlage bereits verschoben hatte.
Sarah kam ohne Umschweife zur Sache.
„Ich habe gestern Abend mit Marcus gesprochen. Über uns. Über dich und mich. Über das, was ich will.“
Celina verschränkte die Arme, die Haltung wurde vorsichtiger. „Und?“
„Ich will euch beide. Das habe ich ihm gesagt. Ich will die Dynamik mit ihm – die Kontrolle, die Klarheit, die Art, wie er mich führt. Und ich will dich nicht verlieren. Die Nacht bei dir war wichtig. Die Zärtlichkeit, das Reden, wie du mich berührt hast.“
Sie atmete einmal durch.
„Er hat dem unter drei Bedingungen zugestimmt. Erstens: Wenn ich Zeit mit dir verbringe, sage ich es ihm vorher. Zweitens: Die Kontrolle in dem, was zwischen ihm und mir läuft, bleibt bei ihm. Ungeteilt. Drittens: Wenn er das Gefühl bekommt, dass die Hierarchie aufgeweicht wird, beendet er es.“
Celina wurde blass und gleichzeitig rot. „Das habt ihr also unter euch ausgemacht. Über mich.“
„Ja“, gab Sarah zu. „Und genau deshalb stehe ich jetzt hier. Ich will das nicht hinter deinem Rücken. Du sollst wissen, worauf du dich einlässt, falls du überhaupt noch willst.“
Celina lachte kurz, ohne Humor. „Also bin ich die offizielle Zweite. Die, mit der du zärtlich sein darfst, solange du es ihm vorher meldest und solange klar ist, dass er das Sagen hat.“
„Du bist nicht die Zweite in dem Sinne, dass du weniger wert bist“, sagte Sarah leise. „Du bist die, mit der ich eine andere Seite habe. Aber ja – die Hierarchie zwischen Marcus und mir habe ich so gewählt. Und er hat seine Bedingungen gestellt. Jetzt bist du an der Reihe zu entscheiden, ob du unter diesen Voraussetzungen noch Teil davon sein willst.“
Celina ging ein paar Schritte durch den Raum, blieb am Fenster stehen und starrte hinaus. Die Schultern waren angespannt.
„Ich muss das sacken lassen“, sagte sie schließlich heiser. „Ich will dich. Das hat sich nicht geändert. Aber ich muss klären, ob ich mich in etwas hineinbegebe, bei dem die Regeln schon stehen, bevor ich fertig gefragt wurde.“
Sie drehte sich um.
„Gib mir bis morgen. Dann sage ich dir, ob ich bleibe oder ob ich mich zurückziehe.“
Sarah nickte. „In Ordnung.“
Celina öffnete die Tür. Bevor sie ging, sah sie Sarah noch einmal an – verletzt, wütend und immer noch hungrig zugleich.
„Du hättest mich vorher fragen können. Bevor ihr beide die Bedingungen festgezurrt habt.“
Dann war sie weg.
Sarah blieb allein in dem kleinen Raum zurück.
Die Entscheidung war ausgesprochen.
Marcus hatte ihre Zusage.
Celina hatte die Wahrheit.
Und die Antwort stand noch aus.