Computerfehler
Der Inhalt des SchreibenS
Sarah setzte sich auf die Bettkante, die Hände noch leicht unruhig, und öffnete den Brief. Marcus blieb stehen und beobachtete sie.
Das Schreiben war auf offiziellem Klinikpapier, unterschrieben von der ärztlichen Leitung und mit dem Stempel der Verwaltung:
Betrifft: Frau Sarah Schmidt – Weiterbehandlung und Zimmerverlegung
Sehr geehrte Frau Schmidt,
aufgrund der Rückmeldung aus der gynäkologischen Abteilung (Dr. Vogel) wird ein psychologisches Konsil angeordnet. Bitte erscheinen Sie morgen, 08:00 Uhr, im Büro der ärztlichen Leitung. Dort wird Ihnen der Termin für das Konsil mitgeteilt.
Gleichzeitig teilen wir Ihnen mit, dass die behandelnden Fachabteilungen eine Verlängerung Ihrer stationären Therapie um mindestens weitere sechs Wochen für medizinisch sinnvoll und notwendig erachten. Die Kostenübernahme wird entsprechend beantragt.
Im Zuge der Verlängerung und aufgrund der aktuellen Belegungssituation wird Ihnen ab morgen ein Einzelzimmer zugewiesen (Zimmer 214, Station B). Das Doppelzimmer wird damit aufgelöst. Bitte räumen Sie Ihre persönlichen Gegenstände bis 10:00 Uhr. Das Pflegeteam unterstützt Sie beim Umzug.
Bei Rückfragen wenden Sie sich an die Station oder die Verwaltung.
Mit freundlichen Grüßen
Ärztliche Leitung / Patientenverwaltung
Sarah las den Text zweimal. Dann ließ sie das Schreiben sinken und sah Marcus an.
„Psychologisches Konsil. Weil Dr. Vogel es angefordert hat. Vermutlich wegen dem, was ich ihr über den Masochismus gesagt habe … und wegen der starken Reaktion bei der Untersuchung.“
Sie schluckte.
„Und sie verlängern um mindestens sechs Wochen. Aber ich soll in ein Einzelzimmer. Ab morgen. Das Doppelzimmer wird aufgelöst.“
Die Worte hingen schwer im Raum. Sechs weitere Wochen in der Klinik – und gleichzeitig die unmittelbare Trennung von dem gemeinsamen Zimmer, dem Eisbären, der nächtlichen Nähe und der Kontrolle, die sich zwischen den beiden Betten aufgebaut hatte.
Marcus’ Gesicht blieb ruhig, aber etwas in seinen Augen wurde enger.
„Einzelzimmer“, wiederholte er leise.
„Ab morgen.“