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Marcus im Bewegungsbad

Teil 85: Marcus im Bewegungsbad

Während Sarah noch in der Gynäkologie nachwirkte, hatte Marcus am späten Vormittag Bewegungsbad.

Das Therapiebecken war auf 34 Grad eingestellt, das Wasser klar und ruhig. Nur ein anderer Patient trainierte am gegenüberliegenden Beckenrand unter Anleitung, ansonsten war es still. Marcus stieg die Stufen hinunter. Das warme Wasser schloss sich um seine Beine, den weichen Bauch und die Brust. Er atmete einmal tief aus, spürte den Auftrieb und die vertraute, leichte Schwerelosigkeit, die ihm seit den Wochen in Mainz und der Wetterau guttat.

Die Physiotherapeutin – nicht Celina, sondern ein älterer, ruhiger Kollege – gab knappe Anweisungen: langsame Kniebeugen im Wasser, Armkreisen gegen den Widerstand, gezielte Stabilisationsübungen für den Rumpf. Marcus führte sie diszipliniert aus. Jede Bewegung war kontrolliert, fast ritualisiert. Das Wasser dämpfte die Gelenkbelastung und gab ihm gleichzeitig das Gefühl, seinen Körper wieder vollständig zu beherrschen – das Gegenteil der Lähmung, die er nie ganz vergessen hatte.

Zwischendurch ließ er sich treiben, die Arme ausgebreitet, den Kopf zurückgelegt. Das Wasser trug ihn. In solchen Momenten kam die alte Unruhe seltener. Kein Monitorpiepen, kein Röcheln, keine Ohnmacht. Nur das leise Plätschern und der eigene Atem.

Trotzdem war Sarah präsent.

Er dachte an die Nacht, die sie bei Celina verbracht hatte. An den Zettel, den sie vermutlich schon gefunden hatte. An die Art, wie sie ihm die Wahrheit gesagt hatte, bevor sie ging. Ein Teil von ihm wollte die Kontrolle zurück – klar, unmittelbar, so wie in den letzten Tagen. Ein anderer Teil blieb im Wasser und ließ den Gedanken einfach da sein, ohne ihn festzuhalten.

Die Therapeutin beendete die Einheit. Marcus stieg aus, trocknete sich ab und zog den Bademantel an. Die Haut war warm und leicht gerötet vom Wasser. Auf dem Weg zurück zum Umkleidebereich spürte er die vertraute, ruhige Erschöpfung nach der Physio.

Mittags würden sie sich sehen.
Dann würde er erfahren, was die Nacht und der heutige Vormittag mit ihr gemacht hatten.