Computerfehler
Der Umgang mit Informationen
Dr. Vogels Umgang mit der Information
Dr. Vogel blieb einen Moment still. Sie lehnte sich leicht gegen den Instrumententisch, die Arme vor der Brust verschränkt, und betrachtete Sarah mit einem Blick, der diesmal nicht nur medizinisch war.
„Ich nehme das ernst“, sagte sie schließlich ruhig. „Sowohl die Stärke Ihrer masochistischen Reaktion als auch die Tatsache, dass sie sich klar von Ihrem Rheumaschmerz unterscheidet. Das erklärt die extremen körperlichen Antworten von vorhin – die plötzliche starke Erregung, den Orgasmus und das anhaltende Squirten unter hoher Reizstromintensität.“
Sie machte eine kurze Pause, wählte die nächsten Worte sorgfältig.
„Für mich als Ärztin ändert das zwei Dinge. Erstens: Ich muss bei jeder weiteren Untersuchung oder Behandlung an Ihnen mit dieser Reaktion rechnen. Druck, Dehnung, Temperaturreize, elektrische Stimulation oder auch nur längeres Fixieren können bei Ihnen nicht nur Unwohlsein, sondern sexuelle Erregung und Orgasmus auslösen. Das muss ich in die Planung einbeziehen – sowohl aus Sicherheitsgründen als auch, um Sie nicht unnötig in Situationen zu bringen, die Sie hinterher belasten.“
„Zweitens: Die Grenze zwischen medizinisch notwendig und unprofessionell wird bei Ihnen enger und gleichzeitig undeutlicher. Was für andere Patientinnen rein unangenehm wäre, kann bei Ihnen Lust erzeugen. Das entbindet mich nicht von meiner Verantwortung. Im Gegenteil. Ich muss klarer trennen, was ich tue und warum.“
Dr. Vogel trat einen Schritt näher, blieb aber in einem professionellen Abstand.
„Ich werde in Ihrer Akte vermerken, dass eine ausgeprägte masochistische Reaktionsweise vorliegt und dass Schmerzreize außerhalb des rheumatischen Geschehens bei Ihnen sexuelle Erregung auslösen können. Das ist wichtig für alle, die Sie behandeln. Gleichzeitig werde ich künftig vor stärkeren Reizen oder längeren Prozeduren kurz nachfragen, ob Sie fortfahren möchten – auch wenn die Untersuchung medizinisch indiziert ist.“
Ein Anflug von etwas Persönlicherem huschte über ihr Gesicht, wurde aber sofort wieder kontrolliert.
„Was vorhin mit dem Regler passiert ist, bleibt ein Versehen. Dass Ihr Körper so heftig darauf reagiert hat, nehme ich zur Kenntnis. Ich werde Sie nicht dafür bewerten und ich werde es nicht ausnutzen. Aber ich werde es auch nicht ignorieren.“
Sie reichte Sarah ein frisches Tuch und half ihr, sich aufzusetzen.
„Ruhen Sie sich noch ein paar Minuten aus. Danach können Sie sich anziehen. Wenn Sie möchten, sprechen wir kurz darüber, wie wir künftige Termine gestalten – mit mehr Pausen, klareren Ansagen oder ohne bestimmte Reizformen. Das entscheiden Sie mit.“
Äußerlich blieb Dr. Vogel die zurückhaltende, korrekte Ärztin. Innerlich ordnete sie die Information als etwas ein, das die Dynamik zwischen ihnen dauerhaft verändert hatte – und das sie genauer beobachten würde als zuvor.