Computerfehler

Mittagessen…. Alleine

Nach der Kaltgas-Therapie – die kalte Luft hatte die geschwollenen Gelenke für eine Weile betäubt und das Pochen zwischen ihren Beinen etwas in den Hintergrund gedrängt – ging Sarah allein in die Cafeteria. Marcus war noch in seiner Schmerzgruppe, Celina behandelte vermutlich schon die nächste Patientin.

Sie nahm sich ein Tablett mit dem üblichen rheumagerechten Essen: gedünstetes Gemüse, Kartoffeln, ein Stück Fisch, stilles Wasser. Der Zweiertisch am Rand war frei. Sie setzte sich, legte das Besteck zurecht und starrte eine Weile auf den Teller, ohne wirklich zu essen.

Wem gehöre ich eigentlich?

Die Frage kam von selbst, während sie das Gemüse mechanisch zerschnitt.

Sich selbst?

Das war der Gedanke, den sie früher immer festgehalten hatte. Trotz Rheuma, trotz Cortison, trotz der Nächte, in denen der Schmerz sie weinen ließ. Sie hatte ihre Toys eingepackt, ihre Grenzen gekannt, ihren masochistischen Schmerz selbst dosiert. Kontrolle abgeben war etwas, das sie entschied. Nicht jemand anderes. Ein Teil von ihr wollte das zurück: die Entscheidung, wann und wie weit. Nicht Marcus’ ruhige Befehle, nicht Celinas gierige Hände im dunklen Bewegungsbad.

Marcus.

Er hatte die Kontrolle übernommen, klar und ohne zu zögern. Die Kugeln, die Klammern, der Plug, die Art, wie er sie positionierte und anleitete. Sein „Gut“ traf sie tiefer als jeder Orgasmus. Bei ihm fühlte sie sich gehalten und gleichzeitig ausgeliefert – und genau das stillte etwas in ihr, das seit Jahren nach jemandem suchte, der stark genug war, ihr die Entscheidungen abzunehmen. Selbst seine Impotenz und der alte Eisbär hatten ihn nicht kleiner gemacht. Im Gegenteil. Bei ihm gehörte sie. Das spürte sie körperlich.

Celina.

Jünger, impulsiver, mit diesen vollen Brüsten und den Händen, die plötzlich nicht mehr therapeutisch waren. Celina hatte die Tür abgeschlossen, das Licht ausgemacht und sie genommen, ohne lange zu fragen. Und später hatte sie sich vor Marcus gestellt und sie verteidigt. Celina wollte Teil ihres Lebens sein, nicht nur ein Ausrutscher. Bei ihr war da eine andere Art von Hunger – weicher und gleichzeitig gieriger. Sarah dachte an den gemeinsamen Kuss mit Marcus’ Geschmack und daran, wie Celina sie im Wasser gehalten hatte. Auch das fühlte sich nach Zugehörigkeit an.

Sarah legte die Gabel beiseite und stützte die Stirn in die Hand.

Sich selbst. Marcus. Celina.

Drei Richtungen, und keine ließ sich einfach abwählen. Der Sport-BH saß fest um ihre Brust, der Slip erinnerte sie bei jeder kleinen Bewegung an die Empfindlichkeit darunter. Der Körper hatte heute bereits klar Partei ergriffen – er hatte sich beiden hingegeben. Der Kopf hinkte hinterher.

Sie aß langsam weiter, den Blick auf den Garten gerichtet.

Die Frage blieb.

Und sie wusste, dass sie ihr nicht ausweichen konnte, sobald sie Marcus und Celina wieder gegenüberstand.