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Früher Morgen

Teil 35: Früher Morgen

Sarah wachte auf, als das Zimmer noch in einem kühlen, blassen Grauton lag. Der Morgen war leise. Draußen vor den Vorhängen begann der Tag erst langsam.

Nebenan atmete Marcus tief und gleichmäßig. Diesmal schlief er wirklich.

Sie blieb einen Moment liegen und hörte ihm zu. Dann schob sie die Decke vorsichtig zurück, setzte die nackten Füße auf den Boden und ging die zwei Schritte zu seinem Bett. Der kleine abgegriffene Eisbär lag an seiner gewohnten Stelle am Kopfkissen, das schiefe Auge halb unter dem Stofftuch verborgen.

Sarah setzte sich langsam auf die Bettkante neben ihn. Die Matratze gab unter ihrem Gewicht leise nach. Marcus rührte sich nicht.

Zuerst legte sie nur die Hand flach neben seinen Arm, ohne ihn zu berühren. Als er weiterhin ruhig weiteratmete, strich sie ganz sacht mit den Fingerspitzen über den Stoff seines T-Shirts, vom Unterarm bis zur Schulter. Die Berührung war leicht, fast zögernd. Sie spürte die Wärme seines Körpers durch den Stoff und den ruhigen Anstieg und Abfall seines Atems.

Nach einer Weile ließ sie die Hand etwas mutiger werden. Sie streichelte langsam über seinen Oberarm, dann weiter zur Brust, wo das T-Shirt leicht spannten. Ihre Finger zeichneten kreisende, sanfte Bewegungen, streichelten den weichen Bauch und kehrten wieder nach oben. Alles in einem ruhigen, gleichmäßigen Rhythmus, der seinen Atem nicht stören sollte.

Marcus’ Gesicht blieb entspannt. Nur einmal zuckte ein Augenlid, doch er wachte nicht auf.

Sarah beugte sich ein Stück vor und streichelte weiter – jetzt auch seitlich an seiner Rippenbögen entlang, vorsichtig, respektvoll, und gleichzeitig voller der stillen Zärtlichkeit, die sich über Nacht in ihr festgesetzt hatte. Der Eisbär lag nur wenige Zentimeter von ihrer Hand entfernt. Sie berührte ihn nicht.

Sie saß einfach da, in der blassen Morgenstille, und streichelte den schlafenden Mann, der ihr an einem einzigen Tag so viel Kontrolle abgenommen und gleichzeitig so viel von seiner eigenen Verletzlichkeit gezeigt hatte.

Marcus schlief weiter.
Sarah streichelte ihn weiter.
Und der Tag hatte noch nicht richtig begonnen.