Computerfehler

Die Nacht wie Marcus sie erlebt

Aus Marcus’ Perspektive – Die erste Nacht

Marcus lag wach und hörte Sarah atmen.

Sie schlief unruhig. Ab und zu entwich ihr ein leises Geräusch, einmal ein kurzes, unterdrücktes Stöhnen, das sie im Schlaf nicht zurückhalten konnte. Er starrte an die dunkle Decke und zählte unwillkürlich ihre Atemzüge. Das tat er manchmal, wenn die alte Unruhe kam – eine Gewohnheit aus den Nächten in Mainz, als das Piepen der Monitore und das Röcheln der anderen das einzige Zeitmaß gewesen waren.

Der Eisbär lag an seiner gewohnten Stelle. Er hatte ihn vor dem Lichtausmachen wie immer zurechtgeschoben. Die abgewetzte Stelle am Bauch fühlte sich unter seinen Fingern vertraut an, auch wenn er ihn jetzt nicht festhielt. Nur das Wissen, dass er da war, reichte.

Er dachte an den abgebrochenen Kuss unter der Dusche.
An ihre Lippen, die zu nah gekommen waren.
An die Art, wie sie ihn gefragt hatte, was sie für ihn tun könne.

Die Impotenz lag wie immer als stille Tatsache zwischen ihm und dem Rest der Welt. Die meisten Frauen hatten früher versucht, „es zu richten“. Sarah hatte nur genickt und sich wieder an seinen Rücken gelegt. Das hatte ihn mehr getroffen, als er zulassen wollte.

Nebenan bewegte sie sich erneut. Das Bett knarzte leise. Er hörte, wie sie den Atem anhielt, dann langsam wieder ausatmete. Wach. Genau wie er.

Marcus drehte den Kopf in ihre Richtung, obwohl er im Dunkeln nichts sehen konnte. Die Distanz zwischen den beiden Betten kam ihm plötzlich lächerlich klein und gleichzeitig unüberwindbar vor. Ein Teil von ihm wollte aufstehen, die zwei Schritte gehen, die Decke zurückschlagen und sie einfach nehmen – so wie er es tagsüber getan hatte. Klar. Kontrolliert. Ohne den Mund.

Ein anderer Teil blieb liegen und hielt die Kontrolle, indem er genau das nicht tat.

Er schloss die Augen und zwang den Atem in den gewohnten, ruhigen Rhythmus.
Der Eisbär berührte mit einem Ohr sein Kopfkissen.
Und nebenan lag die Frau, die ihm an einem einzigen Tag mehr von sich gegeben hatte, als die meisten in Monaten.

Marcus schlief erst ein, als der graue Morgen schon unter der Tür hindurchschien.
Seine letzte bewusste Wahrnehmung war ihr leises, unruhiges Atmen im anderen Bett.