Computerfehler
Die zweite gemeinsame Nacht
Das Zimmer lag in tiefer Dunkelheit. Nur ein schmaler Streifen Licht vom Flur fiel unter der Tür hindurch und zeichnete eine schwache Linie auf den Boden. Sarah lag auf der Seite, das Gesicht in Richtung des anderen Bettes, und starrte in die Schwärze.
Nebenan atmete Marcus.
Gleichmäßig, kontrolliert, aber nicht tief genug für echten Schlaf. Sie hörte das leise Rascheln, wenn er sich minimal bewegte, und einmal das leise, beiläufige Geräusch, mit dem er den kleinen abgegriffenen Eisbären zurechtrückte. Der Bär lag jetzt bestimmt wieder an seiner festen Stelle am Kopfkissen.
Der Tag lastete schwer auf ihr. Die gynäkologische Untersuchung, die noch immer als leises Pochen zwischen ihren Beinen spürbar war. Die Dusche, sein nasser Rücken unter ihren Lippen und Händen. Der abgebrochene Kuss. Seine ruhige, fast nüchterne Erklärung, dass sein Körper keine Erektion mehr zuließ. Und darunter die klare Aussage, dass ihre Hingabe, ihr Schmerz und ihr Gehorchen für ihn die eigentliche Befriedigung waren.
Sarah spürte, wie sich ihre Nippel unter dem Poloshirt erneut spannten, nur weil sie an seine Worte dachte. Zwischen den Beinen war sie wieder feucht geworden, still und unaufdringlich. Sie presste die Schenkel zusammen und versuchte, den Impuls zu ignorieren.
Nebenan verschob sich etwas. Marcus’ Matratze knarzte leise. Für einen Moment dachte sie, er würde aufstehen – eines seiner Nacht-Rituale, das Aufstehen, Wasser trinken, den Raum kontrollieren. Doch er blieb liegen. Nur sein Atem veränderte sich kurz, wurde flacher, dann wieder ruhiger.
Sarah flüsterte in die Dunkelheit, so leise, dass es fast kein Laut mehr war: „Schlaf gut.“
Es kam keine Antwort. Aber sie spürte, dass er wach war und sie gehört hatte.
Die Stunden zogen sich. Jedes Mal, wenn sie die Augen schloss, tauchten Bilder auf: die Klammern an ihren Schamlippen, sein Blick, während sie kam, der schiefe, abgewetzte Eisbär auf seinem Kissen, seine Hand, die ihre vom Nacken genommen hatte, als der Kuss zu nah wurde. Der Rheumaschmerz in den Fingern und Knien meldete sich dumpf, doch er blieb im Hintergrund, überschattet von der viel stärkeren, unruhigen Erregung und der seltsamen Geborgenheit, die von dem anderen Bett ausging.
Irgendwann, tief in der Nacht, hörte sie ihn erneut leise den Bären zurechtrücken. Eine winzige, fast unhörbare Bewegung. Dann wurde sein Atem tiefer.
Sarah drehte sich auf den Rücken und starrte an die dunkle Decke. Zum ersten Mal seit Jahren lag sie in einem Zimmer mit einem Mann, der ihre dunkelsten Bedürfnisse nicht nur kannte, sondern sie lenkte – und der gleichzeitig seine eigene tiefe Verletzlichkeit nur in Form eines alten Plüscheisbären und der Weigerung, auf den Mund geküsst zu werden, zeigte.
Sie schlief erst ein, als der Himmel hinter den Vorhängen langsam grau wurde. Und selbst im Schlaf blieb die Distanz zwischen den beiden Betten spürbar und gleichzeitig unerträglich nah.