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Abtrocknen und Bettzeit
Marcus drehte das Wasser abrupt ab. Die plötzliche Stille war fast körperlich spürbar. Nur noch das schwere Tropfen von ihren Körpern und das leise Knistern des abkühlenden Dampfes blieben. Die Luft im Bad war dick, feucht und aufgeladen von allem, was ungesagt zwischen ihnen hing – der abgebrochene Kuss, seine Impotenz, ihre Bereitschaft, ihm zu geben, was er brauchte.
Er reichte ihr ein Handtuch. Als ihre Finger sich kurz berührten, blieb der Kontakt eine Sekunde zu lang. Marcus trocknete sich mit der gewohnten, fast zwanghaften Gründlichkeit ab, doch seine Bewegungen wirkten angespannter als sonst. Sarah spürte seinen Blick auf ihrer nassen Haut, während sie selbst das grobe Tuch über Brüste und Schenkel führte. Jede Berührung des rauen Stoffes auf den noch gereizten Stellen schickte einen scharfen, erregenden Impuls durch sie. Sie biss sich auf die Lippe, um keinen Laut zu machen.
Als Marcus ihr das Handtuch abnahm und sie selbst abtrocknete, wurde die Luft noch dichter. Seine großen Hände führten den Stoff fest über ihre Brüste, verweilten einen Moment zu lange an den Nippeln, strichen dann entschlossen zwischen ihre Beine, wo sie immer noch empfindlich und feucht war. Sarah zitterte spürbar. Der Kontrast zwischen der sachlichen Geste und der intensiven Wirkung ließ ihren Atem stocken.
„Anziehen“, sagte er rau.
Im Zimmer war es fast dunkel. Nur die kleine Lampe warf einen engen, goldenen Kreis. Marcus führte seine Abendrituale mit besonderer Präzision aus – Tür zweimal prüfen, Fenster genau zwei Fingerbreit kippen, Handy display-unten ablegen. Jede Bewegung wirkte wie ein Versuch, die innere Unruhe zu bändigen, die der Tag in ihm ausgelöst hatte.
Als Sarah unter die Decke kroch, spürte sie, wie nah sein Bett war. Nur der schmale Gang trennte sie. Marcus legte sich auf die Seite, das Gesicht ihr zugewandt. Im schwachen Licht sah sie den Umriss seiner Schulter und die ruhige, aber wache Linie seines Mundes.
Die Stille zwischen ihnen war schwer und elektrisch. Sarah hörte seinen Atem – tiefer als sonst, kontrolliert, als würde er etwas zurückhalten. Zwischen ihren eigenen Beinen pochte es dumpf und unruhig. Die Erinnerung an seinen Mund auf ihren Lippen, an seine Worte über Kontrolle und Impotenz, an den Schmerz der Klammern und den Plug lag greifbar nah unter ihrer Haut.
„Gute Nacht, Sarah.“
Seine Stimme war leise und dunkel.
„Gute Nacht, Marcus.“
Das Licht erlosch.
Im Schwarz des Zimmers war die Distanz zwischen den beiden Betten plötzlich unerträglich klein und gleichzeitig unüberwindbar. Sarah lag wach, die Augen offen, und spürte jede Faser ihres Körpers. Nebenan atmete Marcus.
Keiner von beiden schlief sofort ein.
Als Sarah unter die Decke kroch und sich auf die Seite drehte, fiel ihr Blick im schwachen Licht der Nachttischlampe auf Marcus’ Bett. Dort, halb unter der Decke versteckt und an das Kopfkissen gelehnt, lag ein kleines Plüschtier: ein abgewetzter, schon deutlich mitgenommener Eisbär. Das weiße Fell war an den Ohren und Pfoten grauer und dünner geworden, ein Auge saß leicht schief, und an einer Stelle am Bauch war die Naht schon einmal notdürftig genäht worden.
Der Eisbär wirkte alt und oft gehalten. Nicht wie ein zufälliges Mitbringsel, sondern wie etwas, das schon lange bei ihm war – vielleicht seit den Wochen in Mainz oder der Reha in der Wetterau, vielleicht noch länger.
Marcus legte sich hin, ohne den Bären besonders zu beachten. Er schob ihn nur mit einer beiläufigen, aber präzisen Bewegung etwas weiter an das Kopfkissen, bis er genau an der gewohnten Stelle lag. Dann drehte er sich Sarah zu.
Im Dunkeln, nachdem das Licht ausgeschaltet war, blieb der kleine, abgegriffene Eisbär stumm zwischen ihnen auf seinem Bett liegen – ein stiller, unerwarteter Rest von Verletzlichkeit in dem ansonsten so kontrollierten Raum.