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Keine Erektion

Teil 30: Keine Erektion

Sarah massierte weiter Marcus’ nassen Rücken, küsste die Haut zwischen seinen Schulterblättern und ließ die Hände langsam tiefer gleiten. Ihre Finger strichen über seine Hüften, dann weiter nach vorne, suchten Kontakt. Sie spürte den weichen Bauch unter ihren Handflächen, das warme Wasser, die Anspannung in seinem Körper – aber als ihre Hand tiefer wanderte und ihn umfasste, blieb er schlaff.

Kein Steifwerden. Keine Reaktion.

Sarah erstarrte kurz. Ihre Finger ruhten unsicher an ihm, während das Wasser weiter über beide lief. Sie spürte, wie sich Marcus unter ihrer Berührung leicht versteifte, diesmal nicht vor Erregung, sondern vor etwas anderem. Einer alten, vertrauten Anspannung.

Er atmete einmal tief aus, die Stirn immer noch gegen die Fliesen gelehnt.

„Nicht“, sagte er ruhig, aber die Stimme klang enger als zuvor. „Das passiert nicht. Nicht so.“

Sarah zog die Hand langsam zurück, ließ sie stattdessen wieder auf seiner Hüfte ruhen. „Wegen der PTBS?“, fragte sie leise.

Marcus schwieg einen Moment. Das Wasser prasselte. Dann nickte er kaum merklich.

„Seit dem Krankenhaus. Seit der Lähmung und dem, was danach kam. Der Körper macht nicht mehr mit. Nicht zuverlässig. Manchmal gar nicht.“ Er drehte den Kopf ein Stück zur Seite, sodass sie sein Profil sehen konnte. „Es ist keine Frage von Wollen. Es ist einfach … weg. Oder es kommt nicht.“

Die Worte hingen schwer im Dampf. Sarah spürte, wie sich etwas in ihrer Brust zusammenzog – nicht Abscheu, sondern ein seltsames, enges Verständnis. Die gleiche Krankheit, die ihn die Kontrolle über seinen Körper so radikal hatte verlieren lassen, hatte ihm auch diesen Teil genommen. Und genau deshalb, begriff sie plötzlich, war Kontrolle für ihn so existenziell geworden.

Sie schmiegte sich wieder fester an seinen Rücken, legte die Stirn gegen seinen Nacken und ließ die Hände ruhig an seinen Seiten liegen. Kein weiterer Versuch. Nur Nähe.

„Okay“, flüsterte sie.

Marcus legte eine nasse Hand über ihre Finger und drückte kurz zu.
Das Wasser lief weiter.
Und die Impotenz, über die er so selten sprach, stand plötzlich unausgesprochen und deutlich zwischen ihnen im dampfenden Badezimmer.