Computerfehler

Zurück im Zimmer

Sarah schloss die Zimmertür hinter sich und blieb einen Moment stehen. Der Raum war warm und roch nach Dampf und dem neutralen Klinik-Duschgel. Die Badezimmertür stand weit offen. Dahinter war das Wasser zu hören, gleichmäßig und kräftig.

Marcus stand unter der Dusche.

Durch die geöffnete Tür konnte sie ihn deutlich sehen. Die Glastür der Dusche war beschlagen, aber nicht so stark, dass sie seinen Körper verdeckte. Er war nackt, der mollige, breitschultrige Körper unter dem Wasser glänzend. Wasser lief über den weichen Bauch, die Brust und weiter nach unten. Er hatte den Kopf unter den Strahl gelegt, die Augen geschlossen, beide Hände gegen die Fliesen gestützt. Der Nacken war entspannt, die Muskeln unter dem Fettgewebe trotzdem sichtbar angespannt.

Sarah spürte sofort, wie sich etwas in ihrem Unterleib zusammenzog. Die Empfindlichkeit nach der gynäkologischen Untersuchung und dem, was vorher geschehen war, machte die bloße Ansicht intensiver. Sie blieb stehen, den Therapieplan und das Informationsblatt der Ärztin noch in der Hand, und wagte es nicht, sich zu rühren.

Marcus schien sie zunächst nicht bemerkt zu haben. Er drehte sich langsam unter dem Wasser, nahm das Duschgel, verteilte es über Brust und Bauch und ließ die Hände tiefer wandern. Die Bewegung war sachlich, fast ritualisiert – wie alles bei ihm. Trotzdem konnte Sarah den Blick nicht abwenden.

Erst als er den Kopf hob und sich das Wasser aus dem Gesicht wischte, sah er sie.

Einen Moment lang sahen sie sich einfach nur an. Das Wasser lief weiter. Marcus machte keine Anstalten, die Glastür zu schließen oder sich umzudrehen. Er ließ die Hände sinken und blieb unter dem Strahl stehen, nackt, nass, und betrachtete sie mit diesem ruhigen, undurchdringlichen Ausdruck.

„Du bist zurück“, sagte er nur. Die Stimme hallte leicht von den Fliesen wider.

Sarah schluckte. „Die Untersuchung ist vorbei.“

Marcus nickte langsam. Sein Blick glitt kurz über sie – von ihrem Gesicht hinunter zu der Stelle, wo er wusste, dass sie noch empfindlich war – und kehrte dann zu ihren Augen zurück.

„Komm rein“, sagte er. Kein Befehl im strengen Ton, aber auch keine Bitte. „Oder warte draußen. Entscheide dich.“

Das Wasser tropfte von seinem Körper.
Sarah stand noch immer auf der Schwelle zwischen Zimmer und Bad, das Blatt der Ärztin in der Hand, und spürte, wie die Frage in der Luft hängen blieb.