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Marcus und die Auswirkungen von PTBS

Die posttraumatische Belastungsstörung prägte Marcus’ Alltag auf eine stille, aber sehr konsequente Weise. Nach den zehn Wochen Klinik – sechs davon in der Neurochirurgie Mainz mit kompletter Lähmung beider Beine und dem Miterleben von zwei Todesfällen auf dem Zimmer, gefolgt von vier Wochen AHB in der Wetterau – hatte sich bei ihm ein tiefes Bedürfnis nach Kontrolle und Vorhersehbarkeit festgesetzt.

Morgens stand er immer zur selben Zeit auf, meist vor dem Wecker. Das Bett musste sofort gemacht sein, die Kleidung lag bereits am Abend vorher bereit. Chaos oder Unordnung im Zimmer ertrug er nur schwer. Der Koffer von Sarah, der tagelang unausgepackt in der Ecke gestanden hatte, hatte ihn bereits beim ersten Anblick gestört.

Räumliche Kontrolle war zentral. Er setzte sich in Gruppen oder in der Cafeteria bevorzugt so, dass er den Raum und die Ausgänge im Blick hatte. Enge, unübersichtliche Situationen oder plötzliche laute Geräusche (Piepen von Monitoren, plötzliches Röcheln, das Quietschen von Krankenbetten) konnten ihn innerlich anspannen, auch wenn er es nach außen kaum zeigte. Deshalb vermied er nach Möglichkeit Überraschungen und hielt sich an feste Abläufe.

Körperliche Routinen waren streng. Er duschte immer in derselben Reihenfolge, legte Medikamente und persönliche Dinge immer an denselben Platz. Bewegung und leichte Sporttherapie absolvierte er diszipliniert, aber ohne Überschwang – der Körper musste funktionieren, und er duldete keine erneute Hilflosigkeit.

Soziale Nähe dosierte er sehr bewusst. Gespräche über die Vergangenheit beantwortete er nur widerwillig und knapp, wie beim Abendessen mit Sarah. Emotionale Offenheit empfand er als Kontrollverlust. Gleichzeitig suchte er in bestimmten Situationen (wie mit Sarah) aktiv die dominante Rolle, weil sie ihm das Gefühl gab, das Steuer fest in der Hand zu halten – das genaue Gegenteil der Ohnmacht, die er in Mainz erlebt hatte.

Nächte waren oft der schwierigste Teil. Alpträume, in denen er wieder regungslos lag und das Sterben der Mitpatienten hörte, kamen in Wellen. Dann stand er auf, trank Wasser, kontrollierte den Raum und legte sich erst wieder hin, wenn die innere Unruhe nachließ. Feste Schlafenszeiten und eine klare Abendroutine halfen, die Häufigkeit zu verringern.

Insgesamt wirkte Marcus nach außen ruhig, strukturiert und beherrscht. Hinter dieser Fassade steckte jedoch ein Mann, der seinen Alltag so organisierte, dass er nie wieder in eine Situation geraten würde, in der er die Kontrolle vollständig verlor. Jede Abweichung – ein ungeordneter Koffer, eine unerwartete Frage, eine durchbrochene Anweisung – aktivierte dieses alte, tief sitzende Alarm-System.