Computerfehler

Warme Umschläge und Kräutertee

Teil 10: Warme Umschläge und Kräutertee

Sarah hatte die Schuhe ausgezogen, das Poloshirt gelockert und sich auf ihr Bett gelegt. Die Vorhänge waren halb zugezogen, das Zimmer lag in gedämpftem Nachmittagslicht. Sie schloss die Augen und versuchte, den dumpfen Schmerz in den Knien und den steifen Fingern einfach nur da sein zu lassen. Die Hand, die Marcus gehalten hatte, kribbelte immer noch leicht.

Die Tür öffnete sich leise.

Marcus trat ein, in der einen Hand zwei zusammengefaltete, dampfende Umschläge, in der anderen eine Tasse, aus der ein milder Kräuterduft aufstieg – Kamille, ein Hauch Melisse, vielleicht etwas Fenchel. Er schloss die Tür mit dem Fuß und blieb einen Moment stehen.

„Ich hab gedacht, die könnten helfen“, sagte er ruhig. „Wärme für die Gelenke. Und Tee. Ohne Zucker.“

Sarah öffnete die Augen und richtete sich halb auf. „Du musst das nicht…“

„Ich weiß.“ Er kam näher, stellte die Tasse auf ihren Nachttisch und setzte sich auf die Kante seines eigenen Bettes, ihr zugewandt. „Zeig mir die Knie.“

Es war keine Bitte. Auch kein Befehl im klassischen Sinn. Eher eine ruhige Selbstverständlichkeit, der man sich nur schwer entziehen konnte. Sarah zögerte kurz, dann schob sie die Jogginghose etwas hoch. Die Knie waren leicht geschwollen, die Haut blass.

Marcus nahm einen der Umschläge, prüfte die Temperatur an seinem Handgelenk und legte ihn behutsam auf ihr rechtes Knie. Die Wärme drang sofort ein – angenehm, schwer, beruhigend. Den zweiten Umschlag platzierte er auf dem linken. Seine Finger berührten dabei kurz ihre Haut, fest und warm.

„Zu heiß?“

„Nein“, flüsterte sie. „Genau richtig.“

Er blieb sitzen, die Ellbogen auf die Oberschenkel gestützt, und beobachtete, wie sie sich wieder zurücklehnte. Die Tasse schob er ihr noch näher. „Trink. Du siehst aus, als könntest du es brauchen.“

Sarah griff nach dem Tee. Der Duft stieg ihr in die Nase, mild und tröstlich. Sie nippte vorsichtig. Über den Rand der Tasse hinweg sah sie ihn an.

Er macht das einfach. Kommt rein, bringt Wärme, bringt Tee, legt mir die Umschläge auf. Als hätte er das Recht dazu. Und ich lasse es zu.

Marcus lehnte sich etwas zurück. „Die Finger auch?“

Sie nickte kaum merklich. Er nahm ihre freie Hand, drehte sie vorsichtig und strich mit dem Daumen über die steifen Gelenke – prüfend, nicht streichelnd. Dann legte er seine warme Handfläche darüber, einfach so, und hielt den Kontakt.

„Ruhe dich aus“, sagte er leise. „Ich bin hier.“

Sarah schloss die Augen. Die Wärme an den Knien, die schwere Hand auf ihren Fingern, der Duft des Tees und seine ruhige Anwesenheit im Raum mischten sich zu einem Gefühl, das gefährlich nah an Geborgenheit lag – und gleichzeitig an etwas anderem, das tiefer und dunkler war.

Sie trank noch einen Schluck und ließ den Kopf tiefer in das Kissen sinken.
Marcus blieb sitzen.
Und fürs Erste sagte keiner von beiden ein weiteres Wort.