Computerfehler

Zurück zum Zimmer

Die meisten Teilnehmer der Schmerzgruppe waren bereits auf dem Flur verschwunden. Sarah erhob sich langsam, spürte das vertraute Ziehen in den Knien und das dumpfe Pochen in den Finger gelenken. Sie hatte gerade die Jacke über den Arm gelegt, als Marcus neben ihr stand.

Ohne ein Wort zu sagen, hielt er ihr die Hand hin. Nicht fordernd, nicht grob – einfach offen, die Innenfläche nach oben, der Blick ruhig auf ihrem Gesicht. Ein Angebot.

Sarah zögerte nur einen Herzschlag. Dann legte sie ihre Hand in seine.

Seine Haut war warm und trocken, die Finger kräftig, aber vorsichtig. Er schloss sie nicht fest, sondern ließ sie nur ruhen, als wüsste er genau, wie empfindlich ihre Gelenke sein konnten. Ein leichter, kontrollierter Druck – gerade genug, dass sie spürte: Er war da.

„Komm“, sagte er leise. „In deinem Tempo.“

Sie gingen los. Marcus passte seinen Schritt sofort an. Kein Ziehen, kein Ungeduldiges. Er ging genau so langsam, wie ihre Knie es zuließen, die große Gestalt neben ihr, die Hand fest und dennoch behutsam um die ihre geschlossen. Der Flur war still, nur ihre Schritte und das entfernte Piepen einer Rufanlage waren zu hören.

Sarah spürte die Wärme seiner Handfläche bis in den Unterarm. Es war die erste wirkliche Berührung zwischen ihnen – und sie war so selbstverständlich, als hätte es nie einen anderen Zustand gegeben. Ihr Körper reagierte sofort: ein leises Kribbeln, das von den Fingern den Arm hinaufwanderte, sich in der Brust sammelte und weiter nach unten sank.

Er nimmt sich einfach das Recht. Und ich lasse es zu.

Sie warf ihm einen kurzen Seitenblick zu. Marcus schaute geradeaus, das Profil ruhig, die Mundwinkel entspannt. Doch der Daumen strich einmal, ganz langsam, über den Rücken ihrer Hand – eine minimale Bewegung, die trotzdem wie ein Stromstoß wirkte.

„Die Gruppe hat dich mitgenommen“, stellte er fest. Keine Frage.

„Ja“, antwortete Sarah leise. „Deine Worte … über Kontrolle. Die sind hängen geblieben.“

Marcus nickte kaum merklich. „Sollten sie auch.“

Sie bogen in den Korridor zum Zimmertrakt ab. Die Hand blieb, wo sie war. Er verlangsamte noch einmal, als er merkte, dass ihre Schritte kürzer wurden. Kein Kommentar. Nur dieses angepasste, geduldige Gehen neben ihr.

Vor der Tür von Zimmer 214 blieb er stehen. Immer noch hielt er ihre Hand. Erst als sie den Schlüssel aus der Tasche zog, löste er die Finger – langsam, als gäbe er etwas nur widerwillig frei.

„Ruh dich aus“, sagte er. Die Stimme war tief und ruhig. „Ich bin gleich da.“

Sarah öffnete die Tür und trat ein. Ihre Hand kribbelte noch, wo er sie berührt hatte.

Hinter ihr hörte sie seine Schritte, als er ihr folgte.