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Celinas Hintergrund

Celinas Hintergrund

Celina Lotz war 24 Jahre alt und in einem kleinen Dorf unweit von Bad Bergzabern aufgewachsen. Die Eltern betrieben einen bescheidenen Weinbaubetrieb, der Großvater hatte noch als Waldarbeiter im Pfälzerwald gearbeitet. Sie war das jüngste von drei Kindern und von klein auf eher ruhig und beobachtend gewesen. Während ihre Geschwister laut und gesellig waren, hatte Celina lieber zugesehen, wie Körper sich bewegten – beim Sport, bei der Feldarbeit, später im Tanzkurs.

Nach dem Abitur hatte sie sich bewusst für Physiotherapie entschieden. Nicht aus einem großen Heilungswunsch heraus, sondern weil sie den menschlichen Körper faszinierend fand: seine Grenzen, seine Schwachstellen, die Art, wie er auf Berührung, Druck und Bewegung reagierte. Während der Ausbildung in Landau war ihr schnell aufgefallen, dass sie ein gutes Gespür für Spannung und Widerstand hatte. Sie merkte früh, wann ein Patient Schmerzen nur ertrug und wann er sie irgendwo auch brauchte. Darüber sprach sie selten.

Privat war Celina zurückhaltend. Sie wohnte in einer kleinen Wohnung am Rand von Bad Bergzabern, fuhr mit dem Fahrrad zur Klinik und hielt Abstand zu den üblichen Feierabend-Runden der Kollegen. Beziehungen hatte sie gehabt – zwei längere mit Männern, eine kürzere, intensivere mit einer Frau während der Ausbildung. Die Erfahrung mit der Frau hatte sie nicht geschockt, sondern eher bestätigt, dass ihr Begehren nicht an Geschlechtergrenzen haltmachte. Seitdem lebte sie eher zurückgezogen. Die Arbeit bot genug Nähe, und Nähe war für sie etwas, das sie kontrollieren wollte.

Ihr Körper war immer ein Thema gewesen. Die üppige Oberweite hatte sie schon als Jugendliche unangenehm gemacht. In der Schule waren Blicke und Bemerkungen gekommen, später in der Ausbildung die üblichen Witze in den Umkleiden. Deshalb trug sie bewusst weite Poloshirts und in der Behandlung den schlichten, professionellen Badeanzug. Sie hatte gelernt, den Körper zu verstecken, ohne ihn zu verleugnen. Trotzdem spürte sie genau, wann Blicke daran hängen blieben – und manchmal, ganz heimlich, genoss sie das.

In der Klinik arbeitete sie seit eineinhalb Jahren. Die älteren Kollegen schätzten ihre ruhige Art und die präzisen Hände. Patienten fühlten sich bei ihr sicher. Was die meisten nicht sahen: Celina beobachtete sehr genau. Sie registrierte Atemveränderungen, unwillkürliche Zuckungen, die Art, wie jemand den Blick abwandte, wenn die Berührung zu persönlich wurde. Manchmal blieben diese Beobachtungen einfach nur da. Manchmal setzten sie sich fest.

Als sie Sarah im Bewegungsbad sah – die harten Nippel unter dem knappen Bikini, die gerötete Haut, das unruhige Atmen – hatte etwas in ihr sehr klar und unprofessionell reagiert. Nicht mit Ablehnung. Sondern mit einem leisen, gefährlichen Interesse.

Celina war jung, diszipliniert und äußerlich korrekt.
Aber unter der Oberfläche war sie keineswegs so unbeteiligt, wie sie wirkte.