Computerfehler
Mittagessen
Die Cafeteria war um diese Zeit voller. Besteck klapperte, Tabletts schoben sich an der Ausgabe entlang, und der Geruch von gedünstetem Gemüse und Kräutern lag in der Luft. Sarah stellte sich in die Schlange und nahm sich bewusst das, was für Rheuma-Patienten empfohlen wurde: gedämpften Seelachs mit Kartoffeln und Brokkoli, dazu einen kleinen Salat ohne Essig und ein Glas stilles Wasser. Keine Tomaten, kein Spinat, nichts stark Säurehaltiges. Sie hatte die Listen auswendig gelernt.
Als sie sich umsah, war der Zweiertisch vom Frühstück noch frei – derselbe Platz am Rand mit Blick auf den Garten. Sie steuerte darauf zu, stellte das Tablett ab und setzte sich. Die Gelenke waren nach der Physio und Ergotherapie angenehm durchwärmt, aber die leise Unruhe aus dem Bewegungsbad saß immer noch in ihr. Die Nippel hatten sich unter dem Poloshirt längst wieder beruhigt, doch die Erinnerung daran war geblieben.
Kaum hatte sie den ersten Bissen genommen, sah sie Marcus am Eingang. Er holte sich ein Tablett – Rindfleischstreifen mit Gemüse und Reis, ebenfalls eher bekömmlich – und kam direkt auf ihren Tisch zu. Ohne zu fragen schob er den Stuhl zurück und setzte sich gegenüber.
„Wieder derselbe Platz“, sagte er ruhig. „Passt.“
Sarah nickte. „Scheint so.“
Sie aßen eine Weile schweigend. Marcus kaute langsam, beobachtete sie zwischendurch über den Rand seines Glases. Sarah spürte den Blick und konzentrierte sich auf den Fisch. Weich, mild, leicht zu kauen – genau richtig für Tage, an denen die Kiefergelenke mitmurrten.
„Wie war die Physio?“, fragte er nach einer Weile.
„Anstrengend. Aber gut. Bewegungsbad hilft.“ Sie schnitt ein Stück Brokkoli entzwei. „Und deine Gruppe?“
„Wie immer. Reden über Dinge, die man lieber für sich behält.“ Er zuckte kaum merklich mit den Schultern. „Dudek ist in Ordnung. Stellt die richtigen Fragen.“
Sarah sah kurz auf. Die graublauen Augen ruhten auf ihr, ruhig und prüfend. Sie hatte das Gefühl, er sah mehr, als sie sagte – die noch leicht feuchten Haarspitzen, die leichte Röte, die nach dem warmen Wasser geblieben war, vielleicht sogar die Unruhe, die sie immer noch mit sich herumtrug.
Er merkt es, dachte sie. Irgendwie merkt er es.
Marcus legte das Besteck beiseite und stützte die Unterarme auf den Tisch. „Du siehst … anders aus als heute Morgen. Aufgewühlter.“
Es war keine Frage. Eher eine Feststellung.
Sarah spürte, wie Wärme in ihre Wangen stieg. „Das Wasser war sehr warm. Und die Übungen intensiv.“
„Hm.“ Er ließ es so stehen, nahm einen Schluck Wasser und sah sie weiter an. „Wenn die Gelenke nachmittags wieder murren – sag Bescheid. Ich hab noch ein paar der Wärmepads auf dem Zimmer.“
Die Angebot war praktisch. Die Art, wie er es sagte, war es nicht. Zu ruhig. Zu selbstverständlich. Als hätte er bereits das Recht, sich um ihren Körper zu kümmern.
Sarah nickte langsam. „Danke. Ich … meld mich.“
Sie aßen weiter. Ab und zu streifte sein Blick ihre Hände, die den Fisch zerschnitten, oder die weiche Linie ihres Halses. Sarah spürte jedes Mal ein kurzes Ziehen im Unterleib – die Erinnerung an Celinas Hände, an harte Nippel im Wasser, und jetzt an den Mann, der ihr gegenüber saß und eindeutig mehr sah, als er zugab.
Als sie fertig waren, stand Marcus auf und nahm beide Tabletts. „Ich bring’s weg. Wir sehen uns später auf dem Zimmer. Oder in der nächsten Gruppe.“
Sarah blieb noch einen Moment sitzen und sah ihm nach.
Der Nachmittag hatte gerade erst begonnen.