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Kapitel 5: Das Brainstorming
Die Nachricht mit den Einweghandschuhen hatte die Stimmung endgültig verändert. Aus dem lockeren Austausch wurde ein vorsichtiges, aber intensives Brainstorming – immer mit Pausen, in denen beide für sich allein saßen und über ihre eigenen Gedanken nachdachten.
Fabienne lag abends im Bett, während ihr Mann im Wohnzimmer fernsah. Sie tippte zögerlich:
"Einweghandschuhe sind gut… Hast du eigentlich ein Stethoskop? Das wäre… sehr realistisch."
Alex antwortete nach ein paar Minuten, offenbar hatte auch er gerade nachgedacht.
"Nein, habe ich nicht. Wo bekommt man so etwas? Apotheke? Medizinischer Fachhandel? Das fühlt sich schon komisch an, einfach so zu fragen."
Fabienne lächelte trotz ihrer Nervosität leicht.
"Ich kann eins im Universitätsshop besorgen. Dort gibt es welche für Studenten der Medizin. Die sind nicht zu teuer und funktionieren auch. Ich sage einfach, es ist für eine Fortbildung."
Es folgte eine längere Pause. Dann kam seine nächste Nachricht:
"Okay, gut. Soll ich ein Fieberthermometer kaufen? Und… vielleicht eine kleine Spritze?"
Fabienne las die Nachricht zweimal. Ihr wurde heiß und kalt zugleich. Spritze? Sie starrte auf das Wort, bis es vor ihren Augen verschwamm. Die Vorstellung, wie sie auf der Untersuchungsliege lag und Alex mit einer Spritze hantierte, löste eine Welle aus Scham und Panik aus. Ihre Finger zitterten, als sie tippte.
"Spritze?! Wofür genau? Ich… weiß nicht so recht."
Alex antwortete schnell, offenbar merkte er, dass er sie überrumpelt hatte:
"Nur zum optischen und atmosphärischen Effekt. Keine echte Injektion. Ich dachte, es würde die „Arzt-Patientin“-Stimmung noch verstärken. Aber wenn dir das zu viel ist, lassen wir es komplett weg. Kein Druck. Übrigens, sollten wir auch ein Safeword vereinbaren. Magst du eines vorschlagen?"
Fabienne biss sich auf die Unterlippe. Sie löschte dreimal, was sie geschrieben hatte. Die Scham saß tief. Gleichzeitig spürte sie dieses verräterische Kribbeln im Bauch, das sie nicht leugnen konnte. Und zugleich zeigte ihr der Vorschlag mit dem Safeword, dass es ihm auch sehr wichtig war, ihre Grenzen zu respektieren. Schließlich schrieb sie:
"Ich weiß nicht… Spritzen machen mir Angst. Aber… vielleicht doch. Nur eine kleine. Und nur zum Zeigen. Nichts, was wirklich wehtut oder reingeht. Versprichst du das? Gut, dass du ans Safeword gedacht hast. Wenn ich Ananas sage, hören wir sofort auf, ok?"
"Das klingt alles sehr gut. Nur Atmosphäre. Ich will dich nicht erschrecken, sondern dich langsam und gründlich untersuchen."
Sie schickten noch eine Weile hin und her. Fabienne fragte nach einem Blutdruckmessgerät, Alex wollte wissen, ob sie eine Allergie gegen bestimmtes Gleitgel habe. Bei diesem Thema wurde Fabienne besonders still. Sie brauchte fast zwanzig Minuten für eine Antwort.
"Also Gleitgel vertrage ich normalerweise alles. Ich sags dir aber ganz ehrlich, allein die Vorstellung gerade bringt mich in Verlegenheit. Wir kennen uns kaum und wenn ich dich zum ersten Mal sehe, wirst du etwas in mich einführen. Ich weiß nicht, ob ich Angst haben soll oder ob ich aufgeregt bin deswegen. Vielleicht einfach beides 😅"
Alex blieb respektvoll und geduldig. Er schrieb, dass er auch ein Spekulum in Betracht gezogen hatte, es aber erst einmal weglassen würde, wenn sie unsicher sei. Sie einigten sich auf ein kleines Set: Stethoskop, Fieberthermometer, Einweghandschuhe, Gleitgel, Desinfektionsspray und eine kleine, harmlose Spritze ohne Nadel.
Jede neue Zusage von Fabienne kostete sie Überwindung. Jedes Mal, wenn sie „Ja“ tippte, spürte sie die Hitze in ihrem Gesicht und das Ziehen im Unterleib. Die Scham war real. Und genau diese Scham machte alles noch intensiver.
Gegen Ende des Gesprächs schrieb Alex:
"Ich kaufe die restlichen Sachen in den nächsten Tagen. Und ich werde alles sehr langsam und behutsam machen. Du kannst jederzeit das Safeword sagen."
Fabienne antwortete nur kurz:
"Danke. Ich vertraue dir."
Danach schwiegen sie für diesen Abend. Beide lagen in ihren jeweiligen Betten, starrten an die Decke und spürten die wachsende Aufregung – gemischt mit einem schlechten Gewissen und einer tiefen, kaum zu bändigenden Vorfreude.
Der 19. Oktober rückte immer näher.