Auch ein Zahnarzt muss mal zum Zahnarzt
Überstanden
„Schmerzmittel und Mundspülung hast du genug? Ansonsten gebe ich dir noch was mit.“ „Ja, gern, ich glaube ich habe fast alles aufgebraucht“, Sami, ziemlich blass um die Nase, schaut mit Schrecken auf die ganzen blutigen Instrumente und die zerbröckelten braunen Zahnfragmente. So hatte er sich das nicht vorgestellt…Nachdem der Latz abgenommen wurde, macht er Anstalten aufzustehen. „Warten Sie kurz Herr Tahiri“, die Helferin reicht ihm ein feuchtes Tuch, „Sie haben noch etwas Blut im Gesicht“. „Vielen Dank“, er folgt Philipp zu dessen Büro. Beim Blick auf die Uhr stellt er fest, dass tatsächlich eine ganze Stunde vergangen ist. Er bekommt eine Schachtel Medikamente in die Hand gedrückt. „Hiervon erstmal 3x täglich zwei Stück über die nächsten Tage. Und ich gebe dir noch etwas Stärkeres für die Nacht mit. Kühlen und so weiter muss ich dir ja nicht sagen. Ich würde dich gern Anfang der Woche nochmal sehen, von Donnerstag bis Sonntag bin ich auf Fortbildung“ wird er instruiert. „Hm, ich muss mal sehen, ich habe volles Programm,“ erwidert Sami, froh eine Ausrede zu haben. Philipp blickt ihn streng an: „Ich hätte dich schon eine Woche krankgeschrieben. Sinnvoll wäre es. Montagabend, wenn du fertig bist, kommst du her. Ich bin eh länger hier und warte auf dich. Wie kommst du eigentlich nach Hause? Soll ich dich bringen?“ „Ich fahre, ist ja nicht so weit. Das geht schon. Ich danke euch“ „Ok, aber nimmt zu Hause lieber direkt die ersten Tabletten ein, damit sie wirken, bevor die Betäubung nachlässt. Und falls irgendwas ist, meldest du dich! Halt die Ohren steif“, verabschiedet er Sami.
Jan kommt mit zwei Bechern Kaffee um die Ecke: „Das war jetzt aber nicht so easy, oder?“ Philipp nimmt dankbar einen Becher entgegen: „Das kannst du laut sagen, was für eine Viecherei. Sowas hatte ich auch schon länger nicht mehr. Ich hoffe wirklich, dass alles entzündetes Gewebe draußen ist.“
Nichts wie ab aufs Sofa. Mit einem Kühlpack und Schmerzmitteln versorgt legt Sami sich hin und schläft fast sofort ein. Die Erleichterung, es hinter sich zu haben überwiegt am Wochenende über die Schmerzen. Durch das Kühlen ist die Schwellung bis zum Montag so weit zurückgegangen, dass es in der Praxis niemandem auffällt. Er fühlt sich zwar nicht richtig fit, aber er schafft es, seine Punkte abzuarbeiten. Wie aufgetragen fährt er am Abend wieder zu Philipps Praxis, die er diesmal mit deutlich leichterem Schritt betritt. Mit den Worten: „Von außen sieht es ja mal nicht schlecht aus“, wird er begrüßt und direkt in eines der Behandlungszimmer geführt. „Dann lass mal sehen“, mit dem Spiegel inspiziert Philipp gründlich die Region. „Sehr schön, passt. Ich mache die Tamponade raus,“ nickt er Sami zu. Er nimmt sich eine Sonde aus der Schublade: „Mach nochmal auf.“ Wieder überkommt ihn dieser leise Impuls, Sami ein wenig wehzutun. Gründlich pustet er den kariösen 7er trocken und sondiert die Läsion: „Tut das weh?“ Sami schüttelt den Kopf. „Ok,“ Philipp legt seine Instrumente zur Seite, „sollen wir gleich nach einem Termin dafür schauen? Allzu lange sollten wir nicht mehr warten, die Karies ist schon recht tief.“ Sami schnauft: „Gib mir noch ein paar Tage, ok?“ „Gut, wir hören uns ja eh. Dann machen wir nächste Woche was aus.“