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Aufrufe: 188 Created: Vor 2 Monate Updated: Vor 2 Monate

Auch ein Zahnarzt muss mal zum Zahnarzt

Es wird ernst

Als Philipp am Morgen seine Praxis kommt, schauen ihm seine Assistentinnen mit wenig Begeisterung entgegen. „Habe ich was angestellt?“, fragt er. „Ja, eindeutig. Einer 8er Ex mit Osteotomie am Freitag vor Feierabend? Was hat Sie denn da geritten?“, bringt seine Assistentin Melanie vor. „Klar, habe ich extra nur für euch eingeplant“, er grinst, „nein, Scherz beiseite. Das ist der Kollege, der mir nach dem Unfall mit viel Mühe meine ganze Front wieder geflickt hat. Seid also nett zu ihm! Und- Melanie- ich hätte gern eine erfahrene Assistenz dazu“. „Geht klar Chef“, das Personal schien mit der Erklärung einigermaßen besänftigt. Der Behandlungstag plätscherte vor sich hin. „Wo möchten Sie nachher den Eingriff machen? Daniela würde assistieren, wenn es recht ist.“ „In Zimmer drei. Sie soll das große chirurgische Set richten.“

Angespannt betritt Sami die Praxis. Tatsächlich ist es das erste Mal überhaupt, dass bei ihm eine wirkliche Behandlung ansteht. Er hat mit seinen Zähnen nie Probleme gehabt und ist aus jeder Untersuchung mit dem Kommentar „alles tadellos“ herausgegangen. Dementsprechend hatte er- abgesehen von gelegentlichen „Selbstinspektionen“ im Spiegel- keine Notwendigkeit und auch kein Bedürfnis gesehen, sich in zahnärztliche Behandlung zu begeben.

Trotz seiner Anspannung zieht er mit seinem lässigen Aussehen direkt die Aufmerksamkeit aller Mitarbeiterinnen auf sich. Nachdem er an der Anmeldung die Formalitäten erledigt hat, darf er direkt in Zimmer 3 auf dem Stuhl Platz nehmen.

Scheinbar ist er der letzte Patient für heute. Bei der Ansicht des vorbereiteten chirurgischen Instrumentariums beginnt sein Puls schneller zu schlagen, und er bemerkt, wie seine Hände kalt und schwitzig werden. Sami gibt sich einen Ruck und nimmt auf dem Stuhl Platz. Die Helferin hängt ihm einen Latz um und legt noch ein paar einzelne Instrumente- unter anderem ein Skalpell- auf den Tisch: „Sie sind ja selber Zahnarzt wie ich gehört habe. Dann macht es Ihnen ja sicher nichts aus, wenn ich schon mal alles bereitlege.“ Sami zwingt sich zu einem schiefen Lächeln. Klar… Er bekommt eine antiseptische Spülung, an der er sich halb verschluckt, als sich die Tür schwungvoll öffnet und Philipp gemeinsam mit Jan das Zimmer kommt. Sie begrüßen sich mit lockerem Handschlag: „Wie war die Nacht?“ „Bescheiden. Aber seit zwei Stunden habe ich überhaupt keine Schmerzen mehr.“ „Aha“, Philipp fährt den Stuhl in Position und richtet die Lampe aus, „lass mal sehen“. Sami öffnet den Mund und stöhnt kräftig auf, als sein Kumpel gegen den kaputten Weisheitszahn klopft. „Dann macht das Teil halt raus“, ergibt sich Sami seinem Schicksal. Ohne einen weiteren Kommentar trägt Philipp das Betäubungsgel auf und greift zur Spritze: „Drückt mal“. Die Injektion ist schmerzhaft, Sami lässt es aber regungslos über sich ergehen. Mit den Worten „Ich mal schnell nebenan fertig und dann legen wir los“, verlassen die Beiden das Zimmer. Wenig später setzt von nebenan das durchdringende Geräusch des Bohrers ein.