Der Hausbesuch des falschen Arztes

Der WhatsApp-Chat – Alex informiert Clara

Alex saß auf der Couch und lächelte leicht, während er die Nachricht tippte. Er wusste genau, wie er es klingen lassen musste – ganz natürlich, als wäre es ein ganz normaler Vorgang.

Alex:

Hi mein Schatz. Ich hab gerade einen Anruf bekommen von einem Doktor Hartmann, der sich wegen einem Termin erkundigt hat. Und zwar geht’s um eine Einstellungsuntersuchung für deinen neuen Job. Weißt du davon etwas?

Clara las die Nachricht im Bus auf dem Heimweg und runzelte die Stirn. Sie tippte schnell zurück.

Clara:

Boah nein, keine Ahnung. Beim Bewerbungsgespräch haben sie nichts gesagt, auch nichts bei der Zusage. Aber da es ja ein toller Job ist und auch ein Job mit sehr viel Verantwortung, kann ich mir gut vorstellen, dass das Unternehmen da auf Nummer sicher gehen will und mich vorher durchchecken will. Was hast du gesagt, wann soll ich zu ihm in die Praxis kommen? Wann habe ich meinen Termin?

Alex:

Nein, er kommt zu uns nach Hause, hat er gemeint, und zwar schon morgen um 8:30 Uhr. Ich habe in deinem Kalender gesehen, dass du da auch gut Zeit hast.

Clara starrte etwas länger auf ihr Handy. Morgen schon? Das ging plötzlich ziemlich schnell.

Clara:

Oh wow, schon morgen? Dann muss das Unternehmen da irgendwie schon Termine reserviert haben. Weißt du, was er genau für Untersuchungen machen wird? Irgendwie bin ich ein bisschen nervös deswegen, weil ich da keine Ahnung hab.

Alex:

Du brauchst echt nicht nervös sein. Das wird sicher nur wie eine normale Routineuntersuchung sein. Und ich bin ja auch zu Hause, ich kann gerne dabei sein, wenn du das möchtest und wenn das nicht unangenehm für dich ist.

Clara:

Oh, das wär total nett. Ich bin jetzt dann eh bald zu Hause, dann können wir nochmal drüber reden. Bis später.

Clara steckte ihr Handy weg und schaute aus dem Busfenster. Sie war tatsächlich ein bisschen nervös. Arztbesuche waren noch nie ihr Ding gewesen – besonders nicht, wenn sie sich ausziehen musste. Aber Alex würde ja da sein, und es war schließlich für den neuen Job. Das war wichtig. Sie versuchte, den Gedanken wegzuschieben und sich auf den Abend zu freuen.

Einen kurzen Moment kommt ihr zwar die Vereinbarung in den Sinn, die sie mit Alex vor 2 Monaten getroffen hat. Sie hat zwar immer noch nichts dagegen, überlegt aber, ob Alex wirklich so gut in dieser Rolle bleibt. Sie schiebt den Gedanken dann gleich wieder weiter, weil es ja ohnehin keinen Unterschied macht.