Das Spermiogramm
Realität: Die Nachuntersuchung
Nach einiger Zeit wurde ich noch einmal einbestellt – zur Nachbesprechung und zu ergänzenden Untersuchungen. Bei diesem Termin wurde mir das Ergebnis des Spermiogramms mitgeteilt. Es sei vor allem beim zweiten Mal völlig in Ordnung. Beim ersten Mal sei die Spermienbeweglichkeit grenzwertig gewesen, weswegen es dann auch den zweiten Termin gegeben hatte. Mit den Ergebnissen des zweiten Termins, hieß es, ,könnte ich mit jeder normalen gesunden Frau ein Kind zeugen. Obwohl das ohne erkennbaren Bezug war, wurde mir tatsächlich die Frage gestellt, wann ich den ersten Geschlechtsverkehr hatte. Eine Begründung, warum dies relevant war, wurde nicht gegeben. Ich hatte einfach zu antworten. Der Arzt notierte die Zahl reaktionslos. Ich vermutete, dass die Frage statistischen Zwecken im Bereich sexuologischer Erhebungen diente. An weitere Fragen erinnere ich mich nicht. Ich weiß aber, dass ich auf keinen Fall gefragt wurde, wie meine sexuelle Entwicklung in Sachen sexueller Reife verlaufen war, wann z.B. der erste Samenerguss erfolgt war oder in welchem Alter ich das erste Mal masturbiert hatte. Das fand ich nicht plausibel, denn wenn nach dem ersten Sex mit einer Frau gefragt wurde, lag doch nichts näher, als auch den Zeitpunkt des ersten Sex mit sich selbst zu hinterfragen. Aber das blieb aus, was ich bedauerte. Darüber hätte ich gern gesprochen. Sicherlich hätte ich dabei eine Erektion bekommen. Erst ansatzweise, dann vollständig. Denn damals konnte ich Erektionen nicht verhindern, und das erste Anschwellen erregte mich stets dermaßen, dass die Versteifung erst recht stärker wurde.
Ich erinnere mich, dass ich mich zumindest unten herum hatte freimachen müssen, und dass ich die Fragen im entkleideten Zustand beantworten musste. Der Arztschreibtisch stand einige Meter entfernt von mir. Tatsächlich vermaß der Arzt meinen Penis, wozu er sich Gummihandschuhe anzog. Mein Penis zeigte keinen Ansatz einer Erektion. Verwendet wurde ein normales Maßband. Mir stellte sich die Frage, an wie viele Penisse dieses Maßband schon angelegt worden war, ohne sterilisiert worden zu sein.
Bis dahin ist das alles real, keine Fantasie.
Auch meine erotische Erregung zuvor im Wartezimmer war real. Endlich sollte es beim Arzt mal genau um das gehen, was sonst immer tabuisiert wurde: Um mein Geschlechtsteil. Ich hatte gehofft, mich freimachen, meinen Penis sichtbar machen zu müssen. Ich hoffte auf eine Untersuchung des Genitals. Das trat ja dann auch wirklich ein, wenn auch nur sehr ansatzweise – kein Abtasten, kein Zurückziehen der Vorhaut. Von einer Vermessung im erigierten Zustand ganz zu schweigen. Aber wäre das nicht konsequent gewesen im Rahmen im Rahmen statistischer Erhebungen? Nein, dergleichen musste Fantasie bleiben. In meiner Fantasie nahm das Ganze vorher schon und danach immer wieder aufs Neue ganz andere Formen an. Ich träumte oft davon und der so entstandene „Film in meinem Kopf“ begleitete mich oft beim Masturbieren.
Ob ich ganz nackt sein musste, weiß ich gar nicht mehr, ich glaube nicht. Dass ich die Hose nur hatte herunterlassen müssen, ist nicht anzunehmen; dergleichen wäre im medizinischen Umfeld unprofessionell, weil es den Beigeschmack des Ordinären hat. Sicherlich also musste ich sie und die Unterhose vollständig ausziehen. Wahrscheinlich auch das Hemd und das Unterhemd, denn diese Kleidungsstücke hätten das Genital verdeckt und die Messung am Penis behindert. In der Fantasie war ich auf jeden Fall nackt, nur die Socken waren noch an meinen Füßen.