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Der Unfall

In der Praxis

Der Termin

Den restlichen Tag verbringt er tatsächlich auf dem Sofa, mit Kühlpack und Schmerzmedikamenten ausgestattet. Er ist doch deutlich fertiger als erwartet. Das Essen beschränkte sich erstmal auf Suppe, wobei sich bei Wärme der abgebrochene Schneidezahn unangenehm meldet. Im Laufe der Nacht macht sich seine Oberlippe zunehmend pochend bemerkbar, was sich im Spiegel auch in einer deutlichen Schwellung zeigt. Trotzdem schafft er am Mittag eine kurze Teambesprechung, in der ihm alle versicherten, dass auch ohne ihn alles glatt liefe... Danach war er froh, sich wieder ausruhen zu können. Allein die Besprechung hat ihn geschafft. „Ok Papa, dann lass uns mal losfahren“, Jan steht mit den Autoschlüsseln vor ihm. „Ähm, wieso wir?“ „Ja glaubst du etwa, ich lasse dich in diesem Zustand Auto fahren? Mal davon abgesehen, dass du auf dem einen Auge nichts siehst? Die Adresse habe ich schon gegoogelt“ Missmutig holt sich Philipp ein neues Kühlpack aus dem Eisfach und wirft noch eine weitere Schmerztablette ein. Aber heute würde sicher noch nichts passieren- so viel Behandlungszeit wird sein Kollege schon nicht spontan einrichten können, versucht er sich selbst Mut zu machen. Es war nicht unbeabsichtigt, dass er Sami gegenüber nicht weiter erwähnt hatte, um was es genau geht. An der Praxis angekommen ist er doch, dass es einen Aufzug gibt und er sich nicht die Treppe hochschleppen muss. An der Anmeldung (schicke und riesige Praxis, alles digital, insgesamt 4 Zahnärzte, mindestens 6 Behandlungsräume, soweit er sehen kann- Eckdaten, die bei Praxen von Kollegen natürlich immer interessieren) nennt er seinen Namen. „Ah, Hallo Herr Dr. Merten. Geben Sie mir doch gern ihre Unterlagen, die sie dabeihaben“. Die Begrüßung ist zumindest mal freundlich. Und die Assistentin hat es auch geschafft, trotz seines zerbeulten Aussehens nicht mit der Wimper zu zucken. Philipp will in seine Tasche greifen, um die Unterlagen aus der Klinik abzugeben. Dabei dreht er sich kurz zur Seite, was direkt mit einem einschießenden Schmerz in den Rippen quittiert wurde. „Ah, verdammt…“ zuckt er zusammen, schafft er aber schließlich, die Sachen rauszukramen. „Wissen Sie was?“ schaut ihn die Mitarbeiterin freundlich an, „ich nehme sie direkt mit ins Behandlungszimmer, das ist vielleicht für sie bequemer als im Wartezimmer. Dann können Sie dort noch die ganzen Bögen ausfüllen.“ Na toll, dann bleibt ihm noch nicht mal mehr die Gnadenfrist im Wartezimmer- andererseits muss er sich dann nicht von den Leuten anstarren lassen… Er darf in Zimmer zwei auf dem Behandlungsstuhl Platz nehmen, was von der Position gar nicht so unbequem ist- wenn da nicht der eigentliche Zweck des Stuhls wäre. Immerhin wird ihm noch nicht direkt ein Latz umgehängt, was er als gutes Zeichen wertet… Mit den Worten „Herr Dr. Tahiri kommt gleich zu Ihnen“, überlässt sie ihm den Papierkram. Jan verabschiedet sich, um derweil in die Stadt zu gehen. Philipp unterschreibt die üblichen Bögen- Datenschutz, Abrechnung etc. und wendet sich dann dem Anamnesebogen zu. „Haben Sie Angst vor zahnärztlicher Behandlung?“ Was soll er denn da ankreuzen??? Ja, und wie! - geht ja schlecht für ihn, da würde sich ja die gesamte Praxis lustig machen. Gut, Sami weiß, dass er nie ein großer Fan des Behandlungsstuhls war, aber damit soll es auch gut sein. Also kreuzt er nein an.