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Der Unfall

Flucht nach vorn

Philipp wird langsam wach. Um sich herum hört er das Piepsen verschiedener Geräte. Er liegt wieder in seinem Bett auf der Station. Als er seine Hände bewegen will, bemerkt er, dass beide Hände am Bettrahmen festgebunden sind. Wieder steigt die Panik in ihm hoch und er versucht, sich zu befreien. „Herr Merten, hallo, hören Sie mir zu. Sie sind im Krankenhaus und gerade operiert worden. Sie waren sehr verwirrt und wir mussten ihre Arme zu ihrer Sicherheit fixieren. Sobald Sie sich etwas beruhigt haben, können wir die Fixierung wieder lösen.“ Er erkennt die Schwester vom Vortag wieder. Sie legt ihm ein feuchtes Tuch auf die Stirn. Sie sieht den panischen Blick in seinen Augen und versichert nochmals, dass alles in Ordnung sei und ihm nichts passiere. „Ich glaube Ihre Kinder sind auch hier. Ich schaue mal nach“, mit diesen Worten verlässt sie den Raum, um kurz danach mit Amelie und Jan zurückzukehren. „Ihr Vater war beim Aufwachen extrem aufgeregt, warum genau wissen wir nicht. Vielleicht eine Nebenwirkung der Medikamente, aber das ist nur eine Hypothese. Leider konnten wir nicht verhindern, dass er gestürzt ist. Wir haben daher zur Sicherheit ein CT vom Schädel, Gesicht und der Halswirbelsäule gemacht. Aber bis auf die Platzwunde ist zum Glück nichts weiter passiert. Er bekommt momentan noch ein leichtes Beruhigungsmittel und die Hände sind noch fixiert, damit er sich die Schläuche nicht entfernen kann. Wenn Sie jetzt eine Weile hier sind, würde ich die Fixierung öffnen und das Medikament pausieren. Melden Sie sich jederzeit, wenn etwas sein sollte“, die Schwester stellt noch zwei Besucherstühle an das Bett bevor sie sich entfernt. Erleichtert bemerkt Philipp, dass er nun alles bewegen kann, vor allem seine Hände scheinen nichts abbekommen zu haben. „Mensch Papa, was machts du bloß für Sachen? Wir haben dir ein paar Klamotten mitgebracht, du wirst ja sicher eine Weile hierbleiben müssen. Dein Handy ist auch mit dabei“, die Anwesenheit von Jan und Amelie tut ihm sichtlich gut, sodass er tatsächlich einigermaßen schlafen kann.

Am nächsten Morgen wird er auf eine normale Station gebracht. Endlich sind die Kabel weg und ein Pfleger hilft ihm, normale Kleidung anzuziehen. Mit seiner Handykamera versucht er sich ein Bild zu machen. Wow, zwei Platzwunden im Gesicht, eine am Kinn und eine an der Augenbraue. Das linke Auge kann er nur minimal öffnen. Sein linker Schneidezahn steht definitiv nicht „vorzüglich“, sondern verkippt. Die Oberlippe ist geschwollen. An den Armen und Beinen hat er einige Abschürfungen und das rechte Bein ist mit einer Knieschiene ruhiggestellt. Ein junger Mann mit einem Rollstuhl betritt das Zimmer: „Ich soll Sie zur Zahnklinik bringen.“ Eine Welle der Panik strömt durch seinen Körper. „Nein, da gehe ich auf keinen Fall hin“, seine Stimme überschlägt sich fast. Der junge Mann zuckt mit den Schultern und verlässt das Zimmer. Philipp greift zu seinem Handy. „Du kannst mich abholen, bitte beeil dich“, schreibt er eine Nachricht an Jan. Die Tür öffnet sich wieder. Der Pfleger von heute Morgen und ein Arzt betreten das Zimmer: „Herr Merten, wir haben die Zahnärzte gebeten, nochmal nachzuschauen- sie sind ja gestern nochmal auf Gesicht gestürzt.“ „Nein, auf keinen Fall. Das werde ich einen Kollegen machen lassen. Außerdem möchte ich jetzt nach Hause gehen“, äußert Philipp mit voller Entschlossenheit. „Wir würden Sie gern noch mindestens noch einen Tag zur Beobachtung behalten. Außerdem sind Sie ja noch gar nicht aufgestanden und noch nicht mit der Schiene gelaufen. Das würden unsere Physiotherapeuten noch mit Ihnen üben“, der Arzt schaut etwas verwundert. „Nein, das geht schon in Ordnung, bekomme ich alles hin“, bleibt Philipp bei seiner Meinung. Nicht dass man doch noch auf die Idee kommt, ihn gegen seinen Willen in die Zahnklinik zu bringen.“ „Gut, dann müssen Sie unterschreiben, dass Sie gegen unseren Rat gehen. Ich mache die Unterlagen fertig und lasse Ihnen Gehstützen bringen.“ Wenig später trifft Jan ein. „Wow, die haben es aber eilig, dich loszuwerden“, bemerkt er. „Naja, du weißt ja wie das heute ist. Überall Bettennot“, antwortet Philipp. Nochmal betritt der Stationsarzt das Zimmer und schaut Jan an: „Ihr Vater lässt sich nicht davon überzeugen, noch mindestens einen Tag hier zu bleiben. Haben Sie ihn gut im Blick. Bei starken Schmerzen, Erbrechen oder Atemnot kommen Sie bitte wieder oder rufen den Rettungsdienst.“ Jan schaut überrascht: „Ähm Papa, ich glaube nicht, dass ich dich so mitnehmen sollte.“ „Dann rufe ich mir eben ein Taxi“, quält Philipp sich langsam aus dem Bett und greift nach den Gehstützen.“