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Der Unfall

Behandlung Teil 2

Die Nacht auf der Station ist sehr unruhig, Philipp fällt in einen leichten Schlaf, schreckt aber immer wieder auf. Am nächsten Morgen wird er tatsächlich recht früh zum OP gefahren. Zum Glück werde ich von alledem nichts mitbekommen, denkt er erleichtert. Wenig später hält ihm der Narkosearzt eine Maske vor das Gesicht: „Wir werden gut auf Sie aufpassen

Als Philipp wenig später die Augen öffnet, sieht er zunächst nur ein blendendes Licht, der restliche Raum ist in Dunkelheit gehüllt. „Ist der Patient jetzt endlich gelagert?“, nimmt er eine Stimme aus dem Hintergrund wahr. Er versucht seine Hände und Füße zu bewegen und bemerkt, dass er gefesselt ist. Auch sein Kopf und der Bauch sind fixiert, er kann sich keinen Zentimeter bewegen. Er realisiert, dass sich wieder auf einem Zahnarztstuhl befindet. In der Konsole glitzern verschiedene Bohrköpfe im Licht der Behandlungsleuchte. Auf dem Tray liegen verschiedene Sonden, Pinzetten und Zangen. Panik in sich hochsteigend, versucht er sich zu bewegen, muss aber feststellen, dass er nicht nur fixiert, sondern auch sein ganzer Körper gelähmt ist. In sein Blickfeld treten Dr. Krügelmann und seine Assistentin. Krügelmann klatscht in die Hände: „So, dann machen wir mal weiter. Professor Münz war mir noch einen Gefallen schuldig und hat mir die Behandlung überlassen.“ Mit einem dämonischen Grinsen im Gesicht sagt er mit kalter Stimme: „Mund auf.“ Selbst wenn Philipp gewollt hätte- durch die Lähmung seines Körpers kann er den Mund weder öffnen noch die Lippen zusammenpressen. Krügelmann hält ihm die Nase zu, in der Erwartung, dass er früher oder später den Mund aufmachen wird. Philipp merkt, wie die Luft immer weniger wird und er wegdriftet. „Schwester Sabine, dann eben wieder den Spreizer!“ Sein Unterkiefer wird mit Gewalt nach unten gerissen, der Spreizer eingeführt und so weit gedehnt, dass er das Gefühl hat, sein Kiefer würde aus dem Gelenk gerissen. Krügelmanns Prankenhände mit Sonde und Spiegel beginnen sich in seinem Gebiss auszutoben. Er kratzt und hebelt an verschiedenen Stellen. „Wir fangen mit dem 26er an. Der sieht doch wunderbar intakt aus.“ Der Bohrer heult auf und setzt am Zahn an. Zügig fräst er sich durch den intakten Schmelz, um sich weiter im Dentin auszutoben. „Du weißt gar nicht, was für eine Genugtuung es für mich ist, dich auf diesem Stuhl zu haben. Ihr habt mir alles versaut, du und deine arroganten Freunde. Dank euch habe ich keine vernünftige Stelle gefunden und muss mich mit dem Pack hier herumärgern“ Die ziehenden Schmerzen im Zahn dehnen sich rasch zu einem unerträglichen Schmerz aus, doch Philipp hat keine Chance, sich diesem zu entziehen. Nun kommt der Rosenbohrer zum Einsatz, das stark vibrierende Instrument wird kräftig in den Zahn gedrückt. Ein Blitz schießt durch den Zahn, doch die einzige Regung sind Tränen, die Philipp in die Augen steigen. Krügelmann, der es schlicht weg nicht kapiert, dass sein Opfer zu keiner Regung fähig ist, lässt den Bohrer pausieren. „Ich muss schon sagen, soviel Durchhaltevermögen hätte ich dir nicht zugetraut. Aber ich werde dich schon zum Singen bringen. Schwester Sabine- Vitalitätstestung“ Mit der Pinzette greift er das mit Tetraflouerthan behandelte Wattekügelchen und presst es tief in den eröffneten Zahn. Minus 50°C treffen auf die eröffnete Pulpa und lösen einen Schmerzsturm von nie geahnter Intensität aus. Philipp atmet stoßweise aus. Kann ich nicht einfach bewusstlos werden? Wenn er so weiter macht, überlege ich das hier nicht. Wenn ich mich doch nur bewegen könnte… Krügelmann legt enttäuscht die Instrumente zur Seite, irritiert von der fehlenden Reaktion seines Opfers: „Na gut, dann suchen wir uns doch den nächsten Kandidaten aus.“ Diesmal inspiziert er die Zähne des Unterkiefers. Seine Wahl fällt auf den letzten Zahn auf der linken Seite, welcher ebenfalls noch keine Restauration aufweist. Wieder bahnt sich der Bohrer gnadenlos den Weg tief in den Zahn. Durch den festen Druck merkt Philipp, wie sich Hitze entwickelt und sich ein Geruch nach verbranntem Gewebe ausbreitet. Der Schmerz schießt nun auch durch die linke Seite des Kiefers. Langsam bemerkt Philipp, dass er seine Finger und seine Füße wieder etwas bewegen kann. Auch seine Stimme kehrt zurück, so dass er in dem Moment, in dem die Spitze des Bohrers den Zahnnerv berührt, einen lauten Schrei ausstößt. Krügelmann legt den Bohrer zur Seite: „Na also, geht doch. Was meinen Sie, Schwester Sabine- sollen wir meinen besonderen Freund erlösen oder benötigt er noch eine weitere Behandlung?“ „Ich denke der dritte Quadrant sollte auch noch unserer Aufmerksamkeit erhalten, Herr Doktor“, antwortet Schwester Sabine- offensichtlich jeden Moment genießend. „Da haben sie vollkommen recht. Geben Sie mir bitte eine Zange, dann beenden wir die Behandlung mit der Extraktion von 36.“ Philipp sieht, wie sich das Instrument seinem Mund nähert. Dieser Typ ist ja vollkommen irre. Mit voller Wucht wirft er sich gegen die Fesseln, die sich zu seiner großen Erleichterung nun auch zu lösen beginnen. Obwohl Krügelmann und seine Assistenten mit allen Mitteln versuchen, ihn festzuhalten, gelingt es ihm, sich aufzurichten und sich vom Stuhl zu lösen.