Der Unfall
Wir müssen operieren
Die Schwester aus der Notaufnahme holt ihn wieder ab: „Prima, das ging ja schnell. Ich bringe Sie jetzt wieder zurück, ich glaube ihre Kinder warten auf Sie. Die Ärzte kommen dann auch noch zu Ihnen.“ In der Notaufnahme wird er diesmal in ein eigenes Zimmer gebracht. Während die Schwester noch Blutdruckmanschette, EKG und Pulsoxymeter anschließt und die Infusionen neu richtet, betreten Amelie und Jan das Zimmer. „Papa, na endlich. Geht es dir einigermaßen?“ Philipp versucht gerade, trotz seines staubtrockenen Munds ein paar Worte zu formulieren, als ein paar Ärzte das Zimmer betreten. Ganz am Ende der Schlange der junge Arzt aus der Notaufnahme, der sein Kinn genäht hat. „Mein Name ist Prof. Münz, ich komme aus der Mund- Kiefer- Gesichtschirurgie. Die Kollegen haben mich gebeten, ihre CT-Befunde anzuschauen. Ich muss schon sagen, da haben Sie ordentliche Arbeit geleistet“, ergreift der Anführer der Kolonne das Wort und er hält ihm einen Ausdruck vor die Nase, „da sind Brüche von Jochbein sowie der Kiefer- und der Augenhöhle. Das werden wir operieren müssen. Sehen Sie Doppelbilder?“ Das linke Augenlid wird hochgezogen. „Weiß nicht, vielleicht etwas“, antwortet Philipp. Jan betrachtet interessiert die CT- Bilder: „Ist das eine Tripod- Fraktur?“ Professor Münz schaut ihn an: „Ja, das ist korrekt. Und Sie sind?“ „Ich bin der Sohn, ich studiere noch, aber mein Vater ist selbst Zahnmediziner.“ „Ja wenn das so ist“, der Professor ist sichtlich angetan, „Müller, sehen Sie zu, dass Sie den Kollegen für morgen noch im OP-Programm unterbringen. Ich werde die OP selbst durchführen. Und erledigen Sie den Rest der Sachen, Aufklärung und so- Sie wissen schon. Einer seiner Begleiter, offensichtlich ein jüngerer Assistent, wischt über ein Tablet: „Aber Herr Professor, das OP-Programm für morgen ist eigentlich voll…“ „Ach was, schauen Sie wie Sie das lösen.“ Professor Münz wendet sich noch einmal Philipp zu: „Bitte einmal den Mund weit aufmachen, damit ich mir die Mundöffnung ansehen kann. Ahja, das sieht gut aus. Ach, Sie waren schon in der Zahnklinik zur Erstversorgung? Na, das hätten wir doch auch während in der OP erledigen können.“ Soll das etwa heißen, die ganze Tortur mit Amok- Jürgen sei unnötig gewesen??? Er glaubt nicht richtig zu hören. Der Tross verabschiedet sich, nur Müller und der Unfallchirurg bleiben noch zurück. „Also Herr Merten“, ergreift Letzterer das Wort: „Wir haben nun alle Untersuchungen zusammen. Im CT hat man gesehen, dass sie sich neben den Verletzungen im Gesicht noch drei Rippen gebrochen haben. Die Lunge sieht aber in Ordnung aus. Außerdem haben sie noch eine tiefere Risswunde am Knie, die ich jetzt noch spülen und nähen würde. Sie bekommen dann noch eine Schiene zur Ruhigstellung. Ansonsten nur jede Menge Abschürfungen. Wenn das alles erledigt ist, werden Sie erstmal auf die Überwachungsstation aufgenommen, bis Sie morgen operiert werden“.