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Aufrufe: 119 Created: Vor 4 Tage Updated: Vor 4 Tage

Der Unfall

Unerfreuliches Wiedersehen

„Herr Merten? Ich bringe Sie jetzt rüber in die Zahnklinik, damit ihre Zähne versorgt werden können.“ Die freundliche Schwester von vorhin beginnt die Trage den Gang hinunterzuschieben. Er versucht zu verarbeiten, was sie gesagt hat, kommt aber mit dem Denken nicht so ganz hinterher.

Irgendwann wird die Liege an einer Wand geparkt. „Ich bringe euch den Patienten mit dem Gesichtsschädeltrauma aus der Notaufnahme“ hört er die Schwester sagen. „Ja kann der etwa nicht laufen? Dann lass ihn da stehen. Und hoffentlich sind diesmal die Patientenaufkleber mit dabei“, erwidert eine barsche Stimme. „Ich hole sie nachher wieder ab Herr Merten“, mit diesen Worten verschwindet sich die Schwester wieder.

Eine Tür öffnet sich. „Wen als nächstes?“ Wieder die barsche Stimme: „Nimm den aus der Notaufnahme, damit der nicht die ganze Zeit auf dem Gang rumliegt. Hier sind die Unterlagen“ Sprechen die über ihn? Eine etwas ältere Schwester kommt auf ihn zu. „Sind sie Philipp Merten?“ und ohne eine Antwort abzuwarten: „Sie müssen schon aufstehen, ich kann Sie schließlich nicht auf den Behandlungsstuhl tragen.“ Wow- freundlich ist wirklich anders denkt Philipp und versucht, sich langsam aufzusetzen. Was ist denn mit seinen Sachen passiert? Erst jetzt bemerkt er, dass nur er in einem dieser Krankenhaushemden steckt und sonst nichts. „Etwas zügiger bitte, Herr Merten. Sie sind hier schließlich nicht der einzige Patient.“ Mühsam steht er auf. Mit einer Hand stützt sich ab, mit den anderen versucht er, das Flügelhemd einigermaßen geschlossen zu halten. Unter den Blicken weiterer wartender Patienten quält er sich barfuß in das Behandlungszimmers. Dieses ist sehr zweckmäßig ausgestattet, die Einrichtung hat sicherlich schon mehrere Jahrzehnte hinter sich. Irgendwie schafft er es auf den Stuhl. Die Schwester bereitet schweigend die Behandlung vor. Aus dem Nebenzimmer hört er einen einen unterdrückten Schrei und eine genervte Stimme: „Ja, wenn Sie erst jetzt kommen, dann müssen Sie sich nicht wundern, wenn es weh tut.“ Irgendwie kommt ihm diese Stimme bekannt vor, und zwar nicht im positiven Sinn. Aber es fällt ihm nicht ein. Schließlich betritt korpulenter Mann in weißem Kittel das Zimmer, mit hochrotem Kopf und Stiernacken. „Was haben wir hier als nächstes?“ bellt der Zahnarzt und greift nach der Akte. In diesem Moment weiß Philipp schlagartig wieder, zu wem die Stimme gehört. Jürgen Krügelmann- seines Zeiten Studienkollege von ihm. Alle nannten ihn insgeheim „Amok- Jürgen“- was sowohl auf seinen Umgang mit den Patienten als auch auf seine Behandlungsergebnisse zutraf. Nach einem besonders missratenen Eingriff entschloss sich eine Gruppen Studenten (ihn eingeschlossen), sich an den Dekan wandten, um die Allgemeinheit vor Jürgen zu retten. Doch die Sache wurde unter den Tisch gekehrt- der Patient erhielt seine weitere Behandlung kostenfrei und Jürgen seine Approbation. Seinen Ruf hatte er allerdings in der Szene weg. Jürgen blickt erst auf die Akte und dann auf seinen Patienten: „Ach nein, so sieht man sich also wieder.“