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Der Unfall

Der Unfall

„Herr Merten, können Sie mich hören?“ nimmt er eine Stimme von weit weg wahr. Er versucht, die Augen zu öffnen. Helles Licht blendet ihn. Ansonsten Kopfschmerzen, in einer Intensität wie er sie noch nie verspürt hat. „Herr Merten, Sie hatten einen Unfall. Sie sind im Krankenhaus und wir schauen jetzt nach Ihnen.“ Viele Menschen um ihn herum. Ein Stich im Arm. Er versucht den Arm wegzuzuziehen und sich aufzurichten. „Er wird wieder unruhig, zieht mal noch was zur Sedierung auf“, sagt die Stimme von vorhin. Dann eine andere Stimme: „Also, männlich, 45 Jahre, mit dem Mountainbike beim Downhill weggerutscht und mit der linken Seite gegen einen Baum geprallt. Helm wurde getragen. Initial bewusstlos, bei uns dann agitiert und deshalb sediert. Die ganze Zeit ansonsten stabil. Gesichtsschädeltrauma mit intraoraler Blutung und Zahnverletzungen, kein sicherer Anhalt für Aspiration. Monokelhämatom links. Druckschmerzen linke Thoraxseite, ansonsten unauffällig bis auf…“, er dämmert wieder weg. Das Nächste, was er mitbekommt, ist wie eine Nadel in sein Kinn sticht. Reflexartig will er dorthin greifen. „Halt, nicht anfassen!“ ist da wieder die Stimme. Er versucht seine Augen zu öffnen, was aber nur auf einer Seite funktioniert. „Wo bin ich? Was ist passiert?“ versucht er zu fragen. Im Mund fühlt sich alles komisch an, den Hals kann er auch nicht bewegen. „Hallo Herr Merten, mein Name ist Schmitt. Ich bin der diensthabende Unfallchirurg. Sie hatten einen Unfall beim Mountainbiken und sind mit ziemlicher Wucht gegen einen Baum geprallt. Ich habe Ihnen gerade eine Betäubung gespritzt, um die Platzwunde am Kinn zu nähen.“ Langsam kommt er zu sich. Der Kopf tut weiterhin weh. Verdammt, er weiß immer noch nicht, was los ist. Irgendwie wollten sie heute früh zum Biken- er, sein Sohn Jan und Max, der Freund seiner Tochter Amelie. „Keine Sorge, es ist ganz normal, dass Sie sich gerade an nichts erinnern können. Sie haben einen ordentlichen Schlag gegen den Kopf bekommen. Ich versorge die Wunde zu Ende und dann können Sie sich nochmal etwas ausruhen. Wir besprechen dann später alles weitere. Aber hiervon kann ich sie schonmal befreien, dann ist es etwas angenehmer“, Klettverschlüsse öffnen sich und ein Plastikkragen wird von seinem Hals abgenommen. Wirklich viel angenehmer. „Haben Sie Schmerzen? Übelkeit, Schwindel?“, fragt ihn der Arzt. „Ja, Kopfschmerzen. Und was ist mit meinem Auge? Ich kann nichts sehen“, antwortet er so gut er kann. „Das Auge ist einfach nur zugeschwollen. Gut, dann bekommen Sie nochmal etwas gegen Schmerzen“, nickt er einer Schwester zu, „wir sehen uns dann später nochmal.“ Die Krankenschwester hängt ihm eine Infusion an. Er tastet mit der Zunge seine Zähne ab, Blutgeschmack im Mund. Irgendwas stimmt hier so ganz und gar nicht, denkt er, bevor ihn ein warmes Gefühl übermannt und er wieder weg döst. Als er das nächste Mal wach wird, fühlt er sich allmählich klarer. Unfall, erinnert er sich. Immerhin kann ich Arme und Beine bewegen, wenn man mal von den ganzen Schläuchen und Kabeln absieht. Die Rippen tun beim Atmen weh. Aber was ist mit seinen Zähnen? Diesmal tastet er genauer im Mund hin und her. Verdammt, mindestens ein Schneidezahn ist abgebrochen, ein anderer steht nicht so wie es sein sollte und der daneben fühlt sich auch nicht gut an. Er wackelt vorsichtig an den Zähnen, ein ungutes Gefühl in sich aufsteigend. Weiß er doch genau, was auf ihn zukommt- wo er doch selbst Zahnarzt ist…