Hohes Fieber
Am nächsten Morgen
Ich werde noch ein paar Mal wach, als du mir Fieber misst und mir immerwieder etwas Wasser an den Mund hältst. Aber ich nehme nicht viel zu mir, mir ist elend und ich fühle mich schwach.
Alle Gelenke schmerzen... hätte ich dich doch eher um Hilfe gebeten.
Gerade war mir noch so irrsinnig warm, nun friere ich wieder wie im tiefsten Winter. Dumpf höre ich die Treppenstufen und nehme wie im nebel wahr, wie du die Tür öffnest.
"Na? Du bist ja wach." behutsam streichst du mir die verschwitzten Strähnen aus dem Gesicht.
"Es tut mir so leid. Ich will dich nicht wieder anlügen." krechse ich, dabei rollt mir eine Träne die Wange herunter. "Schon gut. So nun trink mal einen Schluck." doch ich schüttel nur mit dem Kopf "Nein, ich mag nicht. Mir ist schlecht." ein nicken von dir, dann präsentierst du mir das Glasthermometer "dann dreh dich artig auf die Seite." ich folge deiner Anweisung sofort, denn ich weiß ja nun wie sonst gemessen wird. Ich spüre wie dein Arm meine Beine noch ein wenig höher schiebt, wie deine Hand meine Pobacken öffnet und wie das kalte Glasinstrument sich durch meinen Schließmuskel drückt. Diese leichte Dehnung, die einem die ganze Zeit präsent erscheint, auch wenn die Kälte nach und nach weicht.
Ich muss kurz eingeschlafen sein, denn du ziehst das Thermometer schon aus mir heraus und hast einiges vorbereitet. Als ich mich auf den Rücken drehe entdecke ich eine Nierenschale auf dem Nachtschränkchen, meine Augen werden groß und ich suche gleich in deinem Gesicht nach Anhaltspunkten, was sich darin verbirgt. Dein schlechtes Gewissen lässt in mir die Alarmglocken läuten. Du greifst meinen Arm fest, nur Sekunden bevor ich versuche zu fliehen. "Hör mir zu." sagst du bewusst ruhig "Ich werde dir nun einen Tropf legen." das war eine klare Feststellung und mir laufen schon die Tränen. "Du trinkst nicht und so kann ich dir besser alle nötigen Medikamente geben. Aber..." du wartest auf meine Aufmerksamkeit "...ich habe auch noch eine Beruhigungsspritze dabei. Solltest du dich nun also zur Wehr setzen, wird die zuerst in deinem Pomuskel landen und ich werde dir danach in aller Ruhe den Tropf legen. Also... du hast die Wahl: ein oder zwei Spritzen?" dein Blick ruht aufmerksam auf mir. Die Tränen bilden schon ein Rinnsal und du glaubst schon diesmal die richtige Strategie angewendet zu haben, da lässt du mich los um meinen Arm zu desinfizieren.
Ich weiß natürlich, dass du recht hast.
Ich weiß, es ist in echt nur ein kleiner Pieks.
Aber mein Körper macht sein eigenes Ding... mein Herz schlägt wie beim Marathon. Alles in meinem Kopf schreit: FLIEH... LAUF SO SCHNELL DU KANNST!
Es ist nicht rational, aber ich kann gegen diese furchtbare Angst nichts machen.
Noch bevor du das Wattepad mit Desinfektionsmittel tränken kannst, greife ich die Nierenschale und schmeiße sie durchs Zimmer. Dann rolle ich mich blitzschnell vom Bett und renne nach unten. Alles schreit: 'RAUS AUS DEM HAUS!' aber im letzten Moment wird mir bewusst, dass ich nichts anhabe. Kleider aus dem Schlafzimmer holen ist jetzt natürlich keine Option. Als ich die Treppenstufen höre hechte ich hinters Sofa. Ich versuche so leise zu sein wie es geht, doch ich bekomme meinen Atem nicht in den Griff. Bei jedem Schritt den du näher kommst zieht eine Gänsehaut über meinen Rücken, ich sehe förmlich die Spritze in deiner Hand.
"Tut mir leid meine Maus, ich unterschätze deine Angst vor Spritzen immer wieder. Wird Zeit, dass wir das Thema auch mal gemeinsam angehen. Nun komm bitte raus, ich bin auch ganz vorsichtig." ich schnaufe in meiner Panik so laut wie eine Dampflokomotive, als hätte ich einen Dauerlauf mit Gepäck hinter mir. Kein Wunder also, dass du mich recht schnell lokalisierst. "Nun komm Maus." versuchst du es noch einmal liebevoll, aber ich rühre mich keinen Millimeter. Du packst meine Beine, ich schrecke zusammen, doch du kannst dir ein Schmunzeln nicht verkneifen, als ich mich wie eine Katze am Teppich versuche zu krallen. Dann geht alles ganz schnell, nur halb rausgezogen kann ich mich mit den Armen kaum wehren, ein nasses Pad auf meinem Po und dann ein Pieks. "Auuuu" weine ich direkt los.
Dann ziehst du mich ganz hervor und schließt mich behutsam in deinem Arm.
"Alles wird gut Maus, ich kümmere mich um dich." beschwichtigst du sofort, streichelst mich und wischt mir die Tränen aus dem Gesicht, während mein Herz aufhört zu rasen. Mein Kopf wird ruhig und meine Atmung auch. In deinem Arm fühle ich mich geborgen.
Dann trägst du mich wieder hoch. Nun legen wir dir einen Tropf meine Maus und du wirst sehen, wie schnell es dir dann besser geht." erklärst du langsam und steckst mir dann noch ein vorbereitetes Fieberzäpfchen tief in den Po. Dann puckst du mich zur Sicherheit fest in die Decke ein, so das der eine Arm fest an meinem Körper ist und die Beine eng aneinander. So kann ich mich kaum bewegen, aber ich fühle mich auch irgendwie behütet. Der andere Arm liegt nun frei und du desinfizierst ihn ausgiebig, das Stauband klickt ein, du ziehst es fest und klopfst nochmal, denn all meine Blutbahnen haben sich genauso sorgsam versteckt wie ich mich vorhin. Wieder fühlst du aufmerksam meine Armbeuge ab, du willst nach Möglichkeit nur einmal stechen müssen, um meine Angst nicht noch zu verschlimmern. Du glaubst du hast eine gute Vene entdeckt, schnell nochmal mit dem nassen Pad drüber gewischt und die Spritze in die Hand. Da entfacht meine Angst von neuem, mein Herz stolpert und ich zucke doch wieder weg mit einem lauten "Auuu". Zack gibt's einen Schlag auf den Allerwertesten. Erschrocken schaue ich zu dir auf, durch die Decke hat es nicht besonders weh getan, aber es kribbelt erst am Po und dann wandert dieses Gefühl in den Bauch, weil mir deine Sorge klar wird "Fräulein, so nicht! Weißt du wie gefährlich das war? Noch einmal und dein Arsch wird Hochzeit feiern. Dann hast du einen Grund Auuu zu sagen." ich schlucke trocken und lasse ihn nun seine Arbeit machen. Mein hochrotes Gesicht verstecke ich unter der Decke. Als ich das nächste Mal vom tatsächlichen Schmerz zucke ist die Nadel bereits in meinem Körper, schnell klebst du die Vigo fest und sicherst das ganze noch mit einem soliden Verband, während die Ringerlösung meinen Flüssigkeitshaushalt wieder aufstockt.