Ein Date mit Folgen
Der nächste Morgen
Als Max am nächsten Morgen aufwacht, weiß er kurz nicht, wo er ist. Dann fällt es ihm wieder ein- das Date, das kaputte Fahrrad, der Regen…
Amelie schläft noch tief und fest- anders als Max scheint sie keine Frühaufsteherin zu sein. Max hat tierischen Durst, der Döner von heute Nacht liegt ihm noch schwer im Magen. Er geht in das kleine Bad und spült sich den Mund aus, wirklich besser wird es nicht. In einem Korb mit allen möglichen Drogeriesachen entdeckt er eine noch eingepackte Zahnbürste. Kurz entschlossen greift er zu Zahnpasta und Bürste, danach ist der Geschmack deutlich besser, der Durst allerdings nicht. Amelie scheint weiter tief und fest zu schlafen, im ganzen Haus ist es still. Was soll's, denkt sich Max und geht die Treppe hoch in den Wohnbereich. Die Küche ist riesig und mit allen möglichen technischen Geräten ausgestattet. Schließlich entdeckt er auf dem Tresen eine Flasche Wasser. Gierig trinkt er und guckt aus dem Fenster. Tatsächlich, das Grundstück liegt direkt am Flussufer. Bevor er weiter nachdenkt, hat Max die Terrassentür geöffnet und tritt ins Freie. Er genießt die frische Luft und setzt sich mit der Flasche in der Hand auf die Stufen der schicken Veranda. Ob Amelie den Abend genauso genossen hat wie er? Oder hat sie ihn doch nur aus Mitleid mit nach Hause genommen?
Plötzlich klappert es in der Küche und das mahlende Geräusch eines Kaffee- Vollautomaten setzt ein
“Kennen wir uns?”, fragt eine Stimme hinter ihm.
Max zuckt zusammen: “Ähm, guten Morgen, äh nein, ich bin Max. Ich war gestern mit Amelie auf der Party, dann waren wir noch was Essen. Und dann war mein Rad kaputt, es fing an zu regnen und weil ich so weit draußen wohne, hat Amelie mir angeboten, hier zu übernachten”, stottert er sich zusammen. Dabei betrachtet er sein Gegenüber. Der Vater seines Dates ist vielleicht Mitte 40, groß und sportlich. Er macht keinen unsympathischen Eindruck. Es ist nicht zu übersehen, dass er mit Amelie verwandt ist. Er mustert Max von oben nach unten. “Natürlich habe ich auf der Couch geschlafen”, wirft Max noch hinterher. “Natürlich, auf der Couch,” der Vater zieht die Augenbrauen hoch, um dann abrupt zu fragen: “Auch einen Kaffee?” “Ähm, nein danke”, antwortet Max halbwegs verwirrt. Etwas Erleichterung macht sich breit- der Vater scheint ja ganz ok zu sein, zumindest hat er ihn nicht hochkant rausgeschmissen.
Mit der Kaffeetasse in der Hand tritt Amelies Vater wieder nach draußen. Er setzt sich neben Max. Es beginnt typische Fragerei, woher kennt ihr euch, was studierst du, in welchem Semester… wie man das so kennt. Max ist ziemlich verkrampft und er überlegt, wie er sich möglichst unauffällig vom Acker machen kann. Erst als sie feststellen, dass sie beide begeisterte Läufer sind, wird das Gespräch lockerer. Sie tauschen sich über Laufrouten in der Gegend aus und an welchen Wettkämpfen sie teilgenommen haben. Als Amelies Vater von einer witzigen Situation bei seinem letzten Lauf erzählt, muss Max herzhaft lachen. Amelies Vater guckt ihn an und runzelt die Stirn: “Komm doch mal eben mit.” Max ist irritiert. Was kommt jetzt? Er will ihm doch hoffentlich nicht irgendwelche dämlichen Medaillen zeigen, die manche Sportler sammeln und dann auch noch in Vitrinen packen? Andererseits will er es sich auch nicht direkt verscherzen, also folgt er dem Vater in den hinteren Teil des Hauses.
Sie gehen durch einen Gang, vor einer Tür stoppt er ab und sagt zu Max: “Nach dir.” Max tritt durch die Tür und bleibt abrupt stehen, als er einen Zahnarztstuhl erblickt